Kopfschütteln als Volkssport

16. Juli 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Jemandem Geld leihen und dafür Zinsen zu bekommen ist doch was Schönes. Besser ist es jedoch, wenn der Schuldner die Schulden auch zurückzahlt. In Sachen Griechenland ist das etwas anders bzw. Auslegungssache.

Früher haben Banken milliardenweise nicht nur den griechischen Staat finanziert. Als das aber bei dem zu groß gewordenen Schuldenberg zu unsicher, ja zu gefährlich wurde, haben die Steuerzahler anderer Staaten das übernehmen müssen und damit auch dieses Risiko.

Die Banken waren fein raus. Nur die Griechen nicht. Wie sich das für den deutschen Staat jedoch „lohnt“, zeigen die 1,34 Milliarden Euro an Zinsen für 2016, die Griechenland zahlte, aus den Krediten, für die auch Deutschland haftet mit immerhin 70 Milliarden Euro.

Jeder Bundesbürger wurde so theoretisch um 16,54 Euro reicher. Ist das nicht toll? Hoch die Tassen! Unsere Kanzlerin hatte 2011 schon recht, als sie sagte: „Was wir in diesen Zeiten aufwenden, bekommen wir um ein Vielfaches zurück“. Vielleicht in einigen Jahrhunderten.

Warum geben wir Griechenland nicht noch mehr Kredit, wenn „wir“ daran so gut verdienen und von den Zinsen fast schon leben können? Moment, denn man verdient erst mit einem Kredit, wenn man Zinsen und den Kredit zurückerhalten hat. Nur wird Griechenland nie seine 315 Milliarden Euro an Schulden zurückzahlen. Wer das annimmt, glaubt auch an rosarote Elefanten.

Wie groß werden die Feierlichkeiten bzw. die Verluste sein, wenn nach der Bundestagswahl im Frühjahr 2018 über Schuldenerleichterungen für Griechenland gesprochen wird? Das hat man den Griechen versprochen und Versprechen sind einzuhalten wie die des früheren Regierungschefs Papandreou, der jeden Euro zurückzahlen wollte. Wovon aber? Ach, der ist ja längst weg und das Geld wohl auch. Aber das ist alles Auslegungssache, vor allem in Europa und vor einer Wahl.

Es war schon immer so: Der Bürger bürgt, der Gläubiger glaubt und das alte Minus ist künftig das neue Plus. Das ist so sicher wie die Rente. Amen.
  ©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

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2 Kommentare auf "Kopfschütteln als Volkssport"

  1. Argonautiker sagt:

    Also ich bin dafür, daß wir rosa Elefanten züchten. Einen Glauben, der den Glauben an das goldenen Kalb ablöst. Vielleicht könnte man China bitten. Die Gentechnologische Fabrik in Tianjin macht Fortschritte in der Massenproduktion. Man könnte sie bitten, die rosa Elefanten noch mit individuellen grünen oder lila Punkten zu versehen. Dann könnte man an alle Gläubiger rosa Elefanten verteilen, und sie so zu einem Glauben bekehren, daß alles gut ist.

    Ist es das vielleicht sogar auch? Denn wo kommt der Kredit von Deutschland als Gläubiger denn her, daß es sich Deutschland leisten kann anderen Staaten Kredite zu gewähren, während man selbst in den Miesen hockt? Ob das geht, entscheidet der BiBaBuzzemann, ein direkter Verwandter der rosaroten Elefanten. Manche nennen ihn auch den bewertenden Bewerter, oder Ratingagentur. Der BiBaBuzzemann bewertet wessen Wirtschaft scheinbar brummt, weil sie ihre Produkte, Anderen auf Kredit in deren Länder verschicken, in der Hoffnung, daß sie da was für kriegen. Irgendwann.

    Brummt die Wirtschaft, also glaubt man an die heilige Güterverschickung für umsonst, dann ist das ein Zeichen dafür, daß man auch an das Heiligste aller Heiligen, das heilige Verschuldungsprinzip glaubt. Erweist man sich auch in Krisen als Glaubensstark genug, bekommt man die Kredite besonders günstig, und kann es denen, wie zum Beispiel Griechenland leihen, deren Glauben nicht so stark ist, sodaß sie Kredite nicht so günstig kriegen, und es sich bei anderen leihen müssen, die eine stärkeren Glauben haben, die es aber nicht so günstig weiter verleihen wollen, weil man am Glauben halt auch verdienen möchte.

    Dieser BiBaBuzzemann ist aber nur der bewertende Bewerter. Der Oberbewerter, steht über dem BiBaBuzzemann, er entscheidet wie viel es denn überhaupt wert ist, an das zu Glauben, was er als rechten Glauben ansieht. Glaubt man ihm, daß sein Glaube der Beste ist, ist alles gut, und er erweist sich gnädig, und verteilt seinen Glauben an alle die an ihn Glauben recht günstig. Leider erweist sich sein Glaube gegenüber der Wirklichkeit auf Dauer gesehen zu Zeiten manchmal als etwas mangelhaft, weshalb man die Wirklichkeit auch lieber ins Reich des Aberglaubens verbannt.

    Wenn man nun, anstatt die pöse Wirklichkeit einbrechen zu lassen, und das kann man natürlich nicht zulassen, denn jeder Einbrecher in den Glauben, ist halt ein Einbrecher, und gehört aufs härteste bestraft, rosarote Elefanten züchten würde, die sämtliche Schulden mit ihrem bärenstarken Rüssel einsaugen, dann wären sie einfach weg, und wir hätten nur noch rosarote Elefanten.

    Außerdem hätten wir dann, weil, die rosaroten Elefanten kommen ja aus China, einen soliden Grundstein für den Bau der neuen rosaroten Seidenstrasse gelegt.

    Herr Meyer sie sehen Problem, wo gar keine sind. Man muß das Ganze einfach nur konstruktiv angehen, und mit einem Hauch telepathischer Hydraulik versehen, weil Elefanten Bauart bedingt eigentlich schwer sind. Auch rosa Elefanten. Aber mit genügend telepathischer Hydraulik, sind Hebel ungemein leicht zu bedienen. Entscheidend ist immer der rechte Glaube.

    Sonntägliche Grüße aus Bremen

  2. lowabras sagt:

    Jemandem Geld leihen und dafür Zinsen zu bekommen ist doch was Schönes.
    Das ist das Credo des6Geldadels und weil es so logisch erscheint glaubt es die Masse, aber genau das ist es nicht!
    Das Glaubesgeld, das heute im Umlauf ist, was sollen sie damit, wenn sie es selbst in beliebiger Menge auf Knopfdruck oder sogar vollautomatisch selbst kreieren können?
    Nein, das wollen sie niemals wieder in der Form wieder zurück, sondern gewaschen in werthaltigen Assrts! Aber machen sie das mal der gehirngewaschenen, oder ungebildeten Masse klar!

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