Kopfkontrolle am Checkpoint Siggi

23. Januar 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Das noch junge neue Jahr wartete bereits mit einer Wahnsinnsnachricht auf. Die Meinungskontrolle ist wieder da. Das kann man jedenfalls vermuten, wenn man die Aussagen eines Herrn Grosse-Brömer ernst nimmt, der meinte die Menschen würden zu viele „falsche Meinungen“ vertreten…

Nachdem die Medien des Komplexes der gern als Lücken- oder Lügenpresse bezeichnet wird den eigenen Titel in „Fake News“ umbenannt hat und so auf eher peinliche Art und Weise versucht, den Spieß umzudrehen, muss man Acht geben, ob eine Abgeordneter so etwas wirklich gesagt hat. Er hat, wie man hier nachlesen kann und möglicherweise meinte er auch, was er gesagt hat. Denn vor nichts hat die große Berliner Familie mehr Angst als vor der falschen Meinung und diese begleitenden Fakten.

Um sich von den vielen Falschmeinern zu erholen lässt man eine Gedenkfeier für die Opfer des Anschlags in Berlin ausfallen. Möglicherweise möchte man kein „falsches Signal senden“ wie es immer so schön heißt. Das ist befremdlich und deutet wohl eher auf die Unfähigkeit hin, sich den Probleme die man zu einem guten Teil selbst verursacht hat, zu stellen. Aus dieser Mischung aus Unfähigkeit, Unwillen und fehlender Bereitschaft zu agieren rührt vermutlich auch die Hilflosigkeit im Umgang mit dem frisch vereidigten US-Präsidenten Trump.

Natürlich darf man über die Art und Weise der Kommunikation Trumps uneins sein. Jedoch sollte man die Entscheidung ob man lieber Inhalt ohne Stil oder lieber Stil ohne Inhalt in Ruhe treffen, wenn man sich einige Zeit mit Inhalten und nicht mit Darstellungen beschäftigt hat.

Offenbar soll das große Geschrei angesichts jeder Äußerung Trumps nur der Ablenkung dienen. Das ist wenig verwunderlich, wurde doch den über Jahrzehnte an die transatlantische Führung gewohnten Parlamentsbewohnern brutal der Blindenstock entrissen. So etwas nennt man einen Einschnitt und der ist den Menschen und Politikern anderer Länder bereits wohlbekannt. Hierzulande wähnte man sich in behäbiger Selbstverliebtheit jedoch davor gefeit, was auch immer geschah, die Leitplanke des großen Bruders war immer da. Das ist nun vorbei.

Über Russland:

(Quelle: Bloomberg) “They have sanctions on Russia — let’s see if we can make some good deals with Russia,’’ Trump said, according to the Times. “For one thing, I think nuclear weapons should be way down and reduced very substantially, that’s part of it.’’

Über Merkel:

He said he couldn’t say, adding that while he respects Merkel, who’s been in office for 11 years, he doesn’t know her and she has hurt Germany by letting “all these illegals” into the country.

Über den Brexit:

In contrast, Trump praised Britons for voting in 2016 to leave the EU. People and countries want their own identity and don’t want outsiders coming in to “destroy it,” he said. The U.K. is smart to leave the bloc because the EU “is basically a vehicle for Germany,” the Times quoted Trump as saying.

Über die EU:

Trump said, he’s fairly indifferent to whether the EU stays together. “If you ask me, more countries will leave,” he said.

Zur NATO:

Repeating a criticism of NATO he made during his campaign, Trump said that while trans-Atlantic military alliance is important, it “has problems.” „It’s obsolete, first because it was designed many, many years ago,” Trump said in the Bild version of the interview. “Secondly, countries aren’t paying what they should” and NATO “didn’t deal with terrorism.”

Zum Irak-Krieg:

The Bush administration’s decision to invade Iraq may have been the worst in U.S. history.

Interessant ist auch das abschließende Statement beim nicht eben mit Trump symphatisierenden Nachrichtenkanal:

Trump’s reported comments leave little doubt that he’ll stick to campaign positions

Das hat man anderswo bereits vorauseilend anders gehört. Auf eines darf man sich außerhalb der Staaten schon einmal freuen. Auf richtig anstrengende Verhandlungen. Darauf dass am Ende Frau Nahles und Frau von der Leyen den langen Strohhalm in der Hand halten sollte man besser nicht sein ganzes Hab und Gut setzen.

Nu, wo sind angesichts einiger Äußerungen die feiernden Horden der „Linken“? Müssten nicht angesichts der Äußerungen Trumps zur NATO im rosaroten Hauptquartier die Sektkorken knallen? Wo sind die Freudentänze von Attac? Endlich einer der das Thema Globalisierung auf den Tisch bringt, da müsste man doch froh sein! Auch bei den „Sozialdemokraten“ sollte doch das Ollenhauer-Haus schäumen. Reindustrialisierung,  Mensch, wo bleibt das fröhliche „Glückauf“? Vielleicht kommt der Steiger ja doch noch mal auf den man seit Jahrzehnten wartet! Offenbar traut sich vor lauter political correctness niemand mehr, über sonst so beliebte Themen zu sprechen. Möglicherweise will man aber auch alles nur „im Kontext“ verstanden wissen. So darf man die NATO vielleicht nur abschaffen, wenn man gleichzeitig an den Klimawandel glaubt, keines oder nur Fleisch ist und nur zufrieden ist, wenn man mindestens 23 Stunden am Tag ausschließlich über gleichgeschlechtliche Beziehungen nachdenkt. Das Leben ist halt so kompliziert. Da legt lieber der vollends säkularisierte meist zugezogene urbane Hipster wohlmeinend der Gesamtbevölkerung die christliche Nächstenliebe nahe. Na dann mal nichts wie raus mit den Blockflöten und ein paar Lieder angestimmt. Den Plastikbuddha im Billy-Regal wird’s schon nicht stören.

Das schönste Argument, warum man sich auch über eine Durchsetzung der eigenen Forderungen nicht freuen kann, ist für uns übrigens der mangelnde Glaube an eben diese Umsetzung. Bei der Ankündigung von Steuersenkungen um 0,3% verteilt über sieben Jahre durch eine der Berliner Parteien wundert man sich hingegen, warum der Bürger nicht den Schampus fließen lässt. Eine typische Inkonsistenz.

Bermerkenswert darf man auch das Erstaunen einiger Medienvertreter zur Kenntnis nehmen, die sich laut fragen, wie „so jemand“ wie Trump bloß US-Präsident werden konnte. Für weitere und durchaus naheliegendere Fragen, wie denn beispielsweise Sigmar Gabriel Vizekanzler und Merkel sogar Kanzlerin werden konnte reicht der Atem oft nicht mehr aus. Der vielzitierte Mangel an politischer Erfahrung sollte vor allem von Politikern, die abseits des Politikbetriebes keinerlei Realitätserfahrungen haben, besser nicht vorgebracht werden. Es ist das alte bundesdeutsche Lebensmotto in voller Pracht. Besser nichts wagen, dann scheitert man wenigstens nicht. Die nächste Stufe der Vertrauensbildung zu erklimmen wäre vermutlich nur möglich, wenn sich der Beruf „Präsident“ oder auch „Bundeskanzler“ nur über die Stufe des gelobten dualen Ausbildungssystems erreichen ließe. Beim Kanzler hieße die erste Stufe vermutlich Regierungsgeschäftssteuerungssinspektoranwärter. Dann kann endlich nichts mehr schiefgehen.

Der Blick auf die Ersatzbank der nichtssagenden, stets politisch-korrekten bundesdeutschen Politszene mit ihrem Fokus auf Besonderheiten und Randdebatten ist nicht einmal mehr besonders unterhaltsam. Die verbliebene Stabilität der mittlerweile bröckelnden Standardzusammensetzung der Parlamente erklärt sich eher aus den Wahlgewohnheiten vieler Menschen und einem Hang, Veränderungen erst einmal skeptisch gegenüberzustehen. Eine gewisse Trägheit ist stabilisierend. Wird ein gewisser Schwellenwert überschritten und das Vertrauen auf diese Trägheit überstrapaziert, bricht das ganze Gebilde schnell zusammen. Das durfte man in einigen Ländern Europas schon beobachten. Der Vorgang, etwa der Niedergang der ehemals stärksten Parteien Portugals oder Irlands, vollzog sich rasch, hinterließ jedoch keinen Weltuntergang.

Neben dem verbeamteten Politbetrieb ist auch die Szene der NGOs ein skurriles Phänomen. Man weiß nicht ob man lachen oder weinen soll, wenn schon das Label „Nichtregierungsorganisation“ als generelles Qualitätsmerkmal verstanden wird. Manchen Aussagen versucht man offenbar durch die nachgereichte Nennung dieser Bezeichnung als Quelle einen gewissen Che Guevara Touch zu verleihen. Der eine oder andere mag diesen auf Grund einiger cineastischer Darstellungen des ehemaligen kubanischen Industrieminister als positiv beurteilen, aber ob von NGOs im Mittel weniger Quark verbreitet wird als von GOs steht auf einem anderen Blatt. Oft ziehen beide auch am gleichen  Karren. Das ist zunächst einmal weder gut noch schlecht, lässt die kategorische Trennung aber wenig sinnhaft erscheinen. Manches NGO dient halt nur nicht der lokalen sondern einer anderen Regierung, alles eine Frage der Cash Flows

Ist unser Blog nicht auch ein NGO? Klaro! Und ein „Think Tank“ sind wir auch. „Der europäische Think Tank von Rottmeyer, einer in Deutschland operierenden NGO, steht schlimmen Dingen sehr negativ gegenüber.“  Ach ja, es fehlt noch die Nennung des ungeschützten Begriffes „Wirtschaftsberater“, denn das klingt hochtrabend obwohl sich jeder Eierkopf so bezeichnen darf. Zeit für den Börsengang – Endlich!

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7 Kommentare auf "Kopfkontrolle am Checkpoint Siggi"

  1. bluestar sagt:

    „Das ist wenig verwunderlich, wurde doch den über Jahrzehnte an die transatlantische Führung gewohnten Parlamentsbewohnern brutal der Blindenstock entrissen“
    Da war sie wieder, diese grandiose Umsetzung von Fakten in die Sprache.
    Große Klasse, super Artikel. Dank an das Bankhaus.

  2. Argonautiker sagt:

    Ich kenne derzeit keine Regierung, welche die Grenzwertigkeit zum Verbrecherischen gegenüber dem Leben nicht deutlich überschritten haben, indem sie meinen sie hätten Befugnis Andere Menschen nach ihrem Gutdünken mit sogenannten Gesetzen verkrüppeln.

    Regieren ist nahezu zu einer reinen Willkür geworden. Da ist niemand mehr, der sein Denken an die Wirklichkeit der Welt knüpft, und anlehnend an die so gewonnenen Erkenntnisse der Zusammenhänge der Weltwirkenden Kräfte, die wirklich Seienden Strukturen aufzeigt, an denen der Mensch sich orientieren kann.

    Nein wir haben lauter Kleingötter auf den Regierungsbänken sitzen, Psychopathen die denken sie seien Götter und könnten Gesetze erlassen an die sich die Beherrschten halten müssen. Weil sie aber dann doch keine Gesetze machen können, die aus sich selber wirken, haben sie sich eine Schlägertruppe aus Justiz Militär und Polizei geschaffen, die beim Übertreten ihrer so genannten Gesetze die Strafe folgen lassen.

    Alle zusammen sind durch ihre falsch verstandene Bestimmung zu Verhinderern der Wirklichkeit geworden. Sie hätten sich eigentlich aufmachen müssen, und die bestehenden Gesetze, die die Welten wirken, erkennen müssen, und sich zum Hüter dieser bekennen müssen.

    Aber man hat sich nicht zum Hüter der Gesetze der Wirklichkeit gemacht, sondern selbst zum Gesetzgeber erklärt, obwohl kein Mensch in der Lage ist, in Wirklichkeit auch nur ein Gesetz zu machen.

    Unter der Last dieser willkürlichen Regelsetzung hat sich die Welt von der Wirklichkeit der Weltwirkenden Gesetze immer weiter entfernt, quasi verrückt, sodaß eine große Verwirrung die Welt ergriffen hat. Und das Verrückte kennt scheinbar keine Grenzen mehr.

    Wenn die Herrscher dieser Welt nicht in ihrem Gottgleichen Tun einhalten, und ihre angeblichen Gesetze weiterhin versuchen auch mit extremsten Mitteln unter Zuhilfenahme ihrer Schlägertruppe, Justiz, Militär und Polizei, umzusetzen, dann werden sie die Welt durch eben dieses Aufrecht erhalten wollen, ihrer künstlichen geschaffenen Scheingesetze, vollkommen zugrunde richten.

    Sie werden denken, sie hätten das Recht und die Pflicht ihr Recht auch mit äußerster Gewalt durchzusetzen, und werden dabei von ihrer Macht so trunken sein, daß sie gar nicht merken wie unrecht sie doch tun. Unsere Politik hat kein Problem, sondern sie sind das Problem.

    Durch diese Anmaßungen der Herrscher, sind wir unmittelbar in einer Situation gefangen, von der vor langer Zeit berichtet wurde, als man noch weissagte. „…Und siehe, die Herrscher der Welt haben sich auf Hohem Berg zusammengefunden und beraten was mit ihr geschehen soll, doch siehe ich werde mit ihnen rechten…“

    Die Gipfeltreffen an denen entschieden wird was man mit der Welt machen wird, finden seit längerem statt, und Gutes hat es selten bewirkt. Die Versklavung der Welt unter einen Marktsozialismus der von dort diktiert wird, treibt immer größere Blüten. Der Mensch wird gezwungen über eine galoppierende Technisierung die Automatismen dieses Systems ins immer Perfidere weiter zu entwickeln, nur er selbst, das Wesen Mensch, das verkümmert, es entwickelt sich nicht mehr.

    Der Mensch baut Maschinen die fliegen können, anstatt das Fliegen in sich zu entwickeln wie es die Vögel schafften. Fliegende Menschen,…, unmöglich? Sicherlich nicht von heute auf morgen, aber unmöglich? Sicher nicht! Der Mensch baut Maschine über Maschine, nur er selbst entwickelt in sich nicht mehr. Telefone haben den inneren Draht, den man früher zu seinen Nächsten hatte, längst zerstört, anstatt daß ihn der Mensch weiter zu einer nonverbalen Kommunikationsmöglichkeit ausgebildet hätte. Phantasie wurde durch’s Fernsehen ersetzt, und so weiter und so fort.

    Der Mensch entwickelt sich nicht mehr, und das dürfte der Schöpfung irgendwann gewaltig auf die Nüsse gehen, wenn Mensch nahezu seine ganze Zeit und Energie in die Entwicklung von technischem Gerät steckt, anstatt in sich zu investieren. Über 90% aller Vorgänge des Wesens Menschen, werden aus dem Unbewußten gesteuert. Wie lange denkt die Bewußtheit wird sich das Unbewußte das noch gefallen lassen?

  3. Aristide sagt:

    „wenn man die Aussagen eines Herrn Grosse-Brömer ernst nimmt, der meinte die Menschen würden zu viele „falsche Meinungen“ vertreten…“

    Ich fürchte, der meint das tatsächlich ernst. Wahrscheinlich plant man schon die Einrichtung eines „Bundesministeriums für Volksaufklärung &“

  4. JayJay sagt:

    Wunderbar wieder mal dieser Artikel.
    Ich ziehe meinen Hut. 🙂

  5. Lickneeson sagt:

    Applaus!Applaus!Applaus!

    Das hätten Walldorf und Statler nicht besser machen können. Höhnisch, zynisch und auf den Punkt gebracht. Und nein, Herr Grosse Brömer ist nicht gerade als Spassvogel bekannt – der meint das ernst. Am besten finde ich den Schlussteil mit „DenkPanzern“ und NGOs. Scheinbar sind viele „Denker“ in solchen Auffanggesellschaften heimisch geworden: Karl Theodor zu G, oder Herr Merz, inoffiziell auch als „Transatlantiker“ bezeichnet(???) bereichern solche Denkpanzer. Ist das Wort nicht ein Paradoxon?

    Zitat: Als Denkfabrik – oder auch Thinktank (aus englisch think tank) – werden Institute bezeichnet, die durch Erforschung, Entwicklung und Bewerbung von politischen, sozialen und wirtschaftlichen Konzepten und Strategien Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung nehmen und sie so im Sinne von Politikberatung fördern.

    Ahhh….Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung nehmen…Danke!!!

    So sollte man sie auch einordnen.Noch ein mittlerweile nachgewiesenes Faktum in der postfaktischen Ära: Das Videomaterial über die Kindermorde und die fahrenden Chemiewaffenlabore sind übrigens in den USA endstanden und dienten nur als Card Blanche für beide Irakinvasionen der USA.

    „The Bush administration’s decision to invade Iraq may have been the worst in U.S. history.“

    Da hat der gute Donald mal Recht!

    Licht aus – Augen auf!

    MfG

  6. Avantgarde sagt:

    Der bereits totgesagte Trump wird noch einige (völlig unerklärlich) positiv überraschen.
    Da würde ich was darauf wetten.

    Und ich frage mich wie so einer aus Würselen nur Kanzler werden will – war das etwa schon der vorauseilende Verzicht der Genossen auf die Führungsrolle?
    🙂

  7. aridistan sagt:

    Die Scheinheiligkeit der Regierenden ohne wahre Macht, tritt halt dann zu Tage, wenn man nicht mehr alles ohne Gegenleistung erhält. Und plötzlich heißt es, dass war doch immer so, wieso jetzt nicht mehr. So geht das nicht.
    Nur im eigenen kleinen Microkosmos da handeln sie eben genauso, weil mit faktischer Macht ausgestattet.
    Wer sich da was vormacht, der wird schmerzhaft, wie damals das Volk der DDR nach der Wende, die Macht des Faktischen erkennen. Oder um es mit Brecht zu sagen: Erst das Fressen dann die Moral.

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