Konservierte Freude. Tag 3 nach den 4 Sternen und andere Zahlenspiele um die „magische 7“.

17. Juli 2014 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

Inmitten der Fußball-WM tauchte ein weiteres IWF-Arbeitspapier auf. Mit der angedachten “Neu-Profilierung” von Staatsschulden stehen diesmal die Gläubiger von Staatsanleihen angeschlagener Staaten im Mittelpunkt einer Restrukturierung…

Sollte es jemand noch nicht mitbekommen haben: Ja, wir sind Weltmeister! Am Sonntag holte die deutsche National-Elf in einem spannungsgeladenen Finale mit einem 1:0 in der Verlängerung ihren vierten WM-Titel. Wer dachte, damit sei die Sache gelaufen, der irrte.

Am Montag erfreute uns die ARD nach der Tagesschau mit einem weiteren halbstündigen „WM Extra“, in dem man rund eine halbe Stunde noch einmal sehen konnte, was man entweder schon wusste oder was ohnehin nur mäßig interessant war.

Den Vogel schießt allerdings die Online-Redaktion von bild.de ab: Noch heute Morgen – am Tag 3 nach dem vierten Weltmeister-Stern – prangten über den eigentlichen Meldungen des Tages noch ein halbes Dutzend Kästen mit weltmeisterlichen Nichtigkeiten – „Brot und Spiele“ in Vollendung.

Auch für diejenigen, die sich jetzt, da die WM gelaufen ist, noch immer in Stimmung bringen und mit Fan-Artikeln ausstatten wollen, ist reichlich gesorgt. Die Vermarktungsmaschine scheint allerorten erst jetzt so richtig auf Touren zu kommen. Da werden prominent alle möglichen Varianten von mehr oder weniger offiziellen Weltmeister- und „Coming-Home“-T-Shirts angeboten.

Es dürfte keine allzu gewagte Prognose sein, dass diese Fanartikel nun zügig aus dem Straßenbild verschwinden und bis zur Europameisterschaft 2016 in Frankreich erst einmal Staub ansetzen werden. Konservieren wird sich die Jubelstimmung bis dahin jedenfalls nicht lassen, auch wenn der Mainstream geradezu krampfhaft versucht, das Thema „Spiele“ in den Schlagzeilen zu halten. Eine Gratwanderung ist das ohnehin, denn man will ja nicht unbedingt, dass die Massen „Deutschland!“ grölend durch die Straßen ziehen. Die kanalisierte Freude dient dem Establishment daher auch als Träger für diejenigen Botschaften, die unter das Volk gestreut werden sollen: Teamgeist, Vielfalt, etc.

Verborgene Krise

Zur Befriedigung der Sensationsgier dienen dagegen Berichte von den mehr oder weniger fernen (Bürger-)Kriegsschauplätzen des Nahen und Mittleren Ostens oder aus der Ukraine. Schauer werden den Zuschauern allabendlich über den Rücken gejagt, angesichts jener Mischung aus Grausamkeit und Rückständigkeit, die mancherorts eine ebenso alltägliche wie explosive Mischung zu sein scheinen. Da fühlt sich Otto Normalzuschauer zuhause doch gleich viel wohler und sicherer.

Was die Strippenzieher und Apparatschiks in Berlin und Brüssel gegen die eigenen Bürger aushecken, verblasst angesichts der gezeigten Monstrositäten und ist ohnehin viel zu abstrakt, als dass man es der breiten Masse vermitteln könnte. Da bedarf es schon eines geschärften Blicks und einer abgeklärten Perspektive, um zwischen Sein und Schein zu unterscheiden.

Dies tat beispielsweise gestern der Professor für Volkswirtschaftslehre und Politische Ökonomie, Roland Vaubel, im Rahmen der „Münchner Wirtschaftsgespräche“. Vaubel ließ nicht nur die beispiellose Kette von staatlichen Vertrags- und Rechtsbrüchen im Rahmen der sogenannten Euro-Rettung Revue passieren, er wies auch darauf hin, dass der angeblich positive Primärsaldo des griechischen Staatshaushalts wieder einmal nur das Ergebnis umfangreicher Tricksereien sei. Sein und Schein eben.

Recht und Gesetz – so will uns scheinen – müssen hierzulande nur noch von den Steuerzahlern auf Punkt und Komma befolgt werden. Dies aus „gutem“ Grund, denn irgendjemand muss für die auf vielen Politikfeldern angerichtete Malaise schließlich bezahlen… (Seite 2)



 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , , , , , , , ,

4 Kommentare auf "Konservierte Freude. Tag 3 nach den 4 Sternen und andere Zahlenspiele um die „magische 7“."

  1. bluestar sagt:

    „Brot und Spiele“ funktioniert als eine der 10 Strategien zur Manipulation der Gesellschaft
    immer super. Die Masse nimmt die Inszenierung freudig und dankbar auf.
    Leider ist die WM schon vorbei, aber man darf ja schon einmal an die EM 2016 denken.
    Meine Prognosen für das EM-Jahr:
    – Vermögensabgabe wird eingeführt
    – Verschärfung der Strafen für Steuerhinterzieher
    – Schuldenunion mit Herausgabe von Euro-Bonds
    – TTPI Jahresfeier, erste Klagen von US-Unternehmen
    – Soli-Abgabe für die Ukraine
    – Poroschenko bekommt den Friedensnobelpreis
    – Rekord-Umsätze bei Fan-Artikeln in Deutschland
    – GROKO liegt bei Umfragen weiterhin unangefochten in der Beliebtheit vorn
    -Vorschlag der GRÜNEN: Umbenennung des geschichtlich belasteten Namens Deutschland
    in Merkelstan oder Grokostanien. CDU für Aufnahme von GRÜN in die GROKO.

  2. Michael sagt:

    Deutschland ist ein vertrauenswürderiger Zahler, das muss nicht überstrapaziert werden.

    Der Einärmige Bandit als Symbol für die Staatsanleihe 🙂 Der Nationalstaat ist in Frage gestellt besonders dessen Verschuldung. Der Nationalstaat als Konzept ist in Frage gestellt von der E.U. inbesondere und den Bürgen immer mehr im Speziellen. So verweilt das künstliche Konstrukt zumindest noch als Staat ohne Nationalität mehr geduldet als geliebt. Das hält nicht mehr lang.

    Solchen Konstrukten Kredite zu geben ist gewagt. Das Geld wackelt und auch das beobachten wir.

    Jetzt stellt sich aber die Frage, wie man gedenkt zu regeln, dass ein Mensch – der wird immer mobiler – in Zukunft noch bereit ist Steuerlasten zu tragen, allein da er sich in einem Wirtschaftsraum einbringt.

    Das wäre ja ähnlich der Situation, sie gingen auf Besuch oder als Passant in ein Haus, helfen bei der Gartenarbeit mit gegen Speis und Trank und als Dankeschön dürften sie für die Schulden aufkommen.

    Das Argument Partizipation ist eher schwach. Es wäre wirklich besser in dem Fall mehr in die Richtung zu arbeiten – das Angebot des Staates muss sich im Markt bewähren gegenüber der Konkurrenz und stellt nur ein Angebot unter vielen dar. In Deutschland teils nur sehr halbherzig durchgezogen. Eine von der öffentl. Hand ehem. Abteilung im neuen Gewand bleibt öffentl. Hand. In Österreich ist es teils gelungen Linz AG bspw… eine Gemeinde umfassend zu versorgen und doch marktwirtschaftlich zu agieren. Eine größere Organisation hat mehr Hubraum eine kleine mehr PS. Es ist durchaus eine Chance eher die öffentl. Hand privatwirtschaftlich zu organisieren. Damit bekommen sie vertretbare Leistung zu vertretbarem Preis.

    Im Gegensatz dazu ist die Privatisierung wie sie im Moment gelebt wird und in Zukunft ohne Chance das Business zurückzubekommen in die Hand der Bürger ein NoGo. Wären die Bürger schlau kündigten alle gleichzeitig die Verträge und das privatisierte Unternehmen geht in Konkurs. In dem Fall würden benötigt Instrumente Konkurrenz ins Feld zu führen. Entweder selbst durch Autonomie und Autarkie … Eine Art Privatisierung unter der Restriktion ein Platz an der Sonne im Vorhof der Hölle.

  3. Skyjumper sagt:

    Ironie ON

    Und bestimmt hat gestern auch die magische 7 zugeschlagen. Ganz ohne wilde Rechengänge bemühen zu müssen. MH17, eine Boing 777, wurde am 17.7. abgeschossen. Madame Lagarde ist schuld – ganz bestimmt.

    Ironie OFF

  4. Frank Meyer sagt:

    Das stimmt aber mit den Quersummen nicht überein….
    Der Beitrag ist vom 16.
    Was die Theorie wieder bestätigen würde 🙂

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.