Kommt der Kolbenfresser in der Ölbranche?

9. September 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Geht einem Motor das Öl aus droht ein Motorschaden. Das Öl, das Firmen am Laufen hält, sind die Cashflows. Ein Blick auf die Energiebranche in den USA zeigt einen Sektor, der zwar genügend Öl hat, dem aber das Geld in rasender Geschwindigkeit die Hände rinnt. Droht ein Kolbenfresser?

Der Ölsektor in den Staaten ist für viele gleichbedeutend mit Unternehmen, die vornehmlich in Shale Gas und Tight Oil unterwegs sind. Liest man von Problemen in der Branche, dann heißt es schnell, diese beträfen nur diese Unternehmen. Das ist eine zu eingeschränkte Betrachtungsweise. Der dramatische Einbruch der Ölpreise, die seit Monaten nicht mehr auf die Beine kommen, belastet auch die klassischen integrierten Kolosse wie Exxon.

Das Ölgeschäft stellt enorme Kapitalanforderungen an seine Teilnehmer. Gigantische Maschinen müssen in absurd schwierigen Lagen ans Laufen gebracht werden. Menschen davon zu überzeugen, auf Plattformen in der Hochsee bei Nässe, Kälte und Dreck zu schuften kostet mehr als Überredungskünste und Blumengebinde. Diese ganze Maschinerie muss laufend finanziert werden, was auch für die Modernisierung und den Erhalt gilt.

Da es in den letzten Dekaden kaum nennenswerte Funde klassischer Ölfelder gab, wandern die Felder in immer schwierigere Lagen aus was die Anforderungen und Kosten mehr als linear steigen ließ.  All das lässt sich im Grunde nur bei stets steigenden Cashflows leisten, die wiederum von stetig ansteigenden Preisen abhängen. Fallen die Cashflows eine Zeit lang zu niedrig aus, können die Unternehmen ihre Verschuldung hochfahren. Das ist nur eine temporäre Lösung. Diese Verschuldung stopft die aktuellen Lücken, erhöht aber über die Verzinsung die laufenden Anforderungen an die Cashflows. An genau dieser Stelle befinden sich gerade zahlreiche Unternehmen.

Selbst ein ordentlich geführter Konzern wie Exxon hat in nur wenigen Jahren seine Verschuldung von einem vernachlässigbaren Niveau auf einen Rekordstand gehievt. Viele Shale Gas Firmen haben nicht nur ihre Anlagen kreditfinanziert sondern auch den laufenden Betrieb. Die Mythen von Firmen, die bei Ölpreisen von 20 Dollar überlebensfähig sein sollen, können Sie getrost vergessen. Es mag hier und da kleinere Firmen geben, die durch glückliche Fügung und eine handvoll Lottogewinne bei der Wahl der Bohrfelder dazu in der Lage sein mögen. Auf die Mehrheit trifft dies nicht zu. Diese Mehrheit der Firmen ist schon bei den aktuellen Preisen nur solange überlebensfähig, bis die versammelten Kreditgeber die Anschlussfinanzierung verweigern beziehungsweise die Kosten einer neuen Anleihe zu hoch werden, um sie noch bedienen zu können.  Wenn dieser Fall eintritt ist am Tag danach Schluss und das nächste Unternehmenskapitel ist das Chapter 11 nach dem US-Insolvenzrecht.

Ein guter Indikator für den Zustand der Branche ist der Anteil des Cashflows, der für den Schuldendienst aufgewendet wird. Dieser Anteil liegt in der Region von 100%.  Der folgende Chart zeigt den Verlauf dieser Kennzahl (Quelle: EIA, USA).

Dieser Chart zeigt zwei Dinge. Zum einen bleibt von den Cashflows offenbar nichts mehr für die Eigenkapitalgeber übrig. Das ist insbesondere unschön, weil im Falle einer Pleite diese Aktionäre nichts bekommen. Die Aktien verfallen wertlos. Das gesamte Geld geht an die Anleihegläubiger. Geht das Unternehmen pleite, gehen die Assets ebenfalls an die Gläubiger. Das sollte niemand vergessen, der in diesem Sektor investiert ist. Die Gefahren lauern, das Beispiel Exxon zeigt es, nicht nur bei kleinen Firmen. Der zweite Punkt ist die Klarheit, wie eng die Lage ist und wie gefährlich schon eine kurzfristige Kreditklemme oder steigende Renditen sein können. An viele Assets von Ölfirmen wird man wohl nach den Insolvenzen deutlich günstiger herankommen als dies zur Zeit möglich ist.

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