Kollektive Korruption. Warum es kein freiwilliges Aussteigen aus dem Fiatgeld-Standard geben wird

15. Juli 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Prof. Dr. Thorsten Polleit) Die kollektive Korruption stellt die Weichen in Richtung hoher Inflation oder sogar Hyperinflation: Denn vor die Wahl gestellt, Pleiten von Staaten und Banken und damit eine Rezession-Depression hinzunehmen oder aber neues Geld zu drucken, wird sich im Zuge einer ausgeprägten kollektiven Korruption eine Mehrheit finden, die gegen Pleitenwellen und für das Gelddrucken plädieren wird….

Nach der monetären Konjunkturtheorie der Österreichischen Schule der Nationalökonomie führt ein Ausweiten der ungedeckten Papier- oder auch „Fiat“-Geldmenge zu einem Zyklus von Scheinaufschwung („Boom“) und notwendiger Bereinigung in einer Rezession („Bust“). Obwohl diese monetäre Erklärung von Wirtschaftskrisen seit langem bekannt ist, wird in der Geldpolitik nach wie vor nach dem Prinzip der Ankurbelung der Wirtschaft durch immer mehr neues Papiergeld verfahren, auch und gerade im Zuge der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise. Der gleiche Fehler wird also wieder und wieder begangen…

Für die unablässige Abfolge von Boom-Bust-Zyklen machte Ludwig von Mises (1881 – 1973) die breite Öffentlichkeit und die Politiker verantwortlich, die, so Mises, falschen ökonomischen Lehren anheimfallen; sie seien unbelehrbar. Doch ist das eine ausreichende Erklärung dafür, dass die gleichen Fehler wieder und immer wieder gemacht werden?

Der Teufelskreis der ungedeckten Geldmengenausweitung

Eine tiefergehende Erklärung ist in der ökonomischen Anreizwirkung zu finden, die das Fiatgeldsystem, wenn es erst einmal in Gang gebracht wurde, unweigerlich mit sich bringt. Das Fiatgeldsystem schafft nämlich handfeste ökonomische Abhängigkeiten. So werden zum Beispiel Unternehmer durch das künstliche Absenken der Zinsen zu Investitionen verleitet, die sich aber nur dann rechnen, wenn die Kredit- und Fiatgeldmenge, bereitgestellt zu immer tieferen Zinsen, immer weiter anschwillt. Um Verlusten zu entgehen, werden sie eine weitere monetäre Expansion befürworten, gerade dann, wenn eine Rezession droht. In gleicher Weise befürworten auch Arbeitnehmer, die ihre Arbeitsplätze und ihr Einkommen einem künstlichen, mit Papiergeld finanzierten Aufschwung verdanken, das Weiterführen des Fiatgeldbooms.

Weil aber im Zuge eines Fiatgeldsystems vor allem der Staat immer weiter anwächst, werden auch immer mehr Menschen direkt oder indirekt abhängig von seiner Finanzkraft: Staatsangestellte, Empfänger staatlicher Pensions- und Transferzahlungen und Unternehmer, die staatliche Aufträge beziehen. Ein existenzielles Interesse an einer Weiterführung eines Fiatgeldbooms hat – wenig überraschend – natürlich auch und vor allem die Banken- und Finanzwirtschaft. Denn käme der Fiatgeldboom zu einem Ende, wären zum Beispiel die Bilanzvermögen der Banken (in Form von Krediten und Wertpapieren) erheblich wertgemindert, und die Untragbarkeit ihrer Verbindlichkeiten (insbesondere aufgrund des Teilreservesystems) käme ans Tageslicht.

Ökonomiosche Abhängigkeit macht die Mehrheit zu Komplizen

Ein Fiatgeldsystem macht also weite Teile der Bevölkerung und des Unternehmenssektors ökonomisch abhängig von seiner Fortführung: Es findet sich mehrheitlich eine Unterstützung für eine Geldpolitik, die einen drohenden Bust, der an sich die notwendige Folge eines vorangegangenen Booms ist, mit immer mehr Kredit und Geld zu immer tieferen Zinsen zu „bekämpfen“ sucht.

Die Mehrheit der Fiatgeld-Abhängigen wird dabei auch weitreichenden Verletzungen der privaten Eigentumsrechte der Einzelnen akzeptieren beziehungsweise zustimmen, wie zum Beispiel dem Einschränken der Freiheiten bei der Geldanlage, dem Erlass von Handelsverboten oder 2012 dem Erlass von Kapitalverkehrsbeschränkungen und dem Auswuchern der Regulierungs-Bürokratie. Die fortschreitende Verletzung der Freiheiten lässt sich als Folge „kollektiver Korruption“ beschreiben: Nicht nur einige wenige, sondern eine wachsende Zahl von Gemeinschaftsmitgliedern und ganze gesellschaftliche Gruppen werden zu bedingungslosen Befürwortern staatlicher Zwangsmaßnahmen. In der Konsequenz befürwortet das Eigennutzkalkül des Individuums Politiken, durch die die Gesellschaft zusehends in ein kollektivistisch-sozialistisches Gemeinwesen überführt wird: einen immer stärker wachsenden Staat, zu Lasten der individuellen Freiheit….. (Seite 2)

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