Kohle, Klunker, Kapital

22. Oktober 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Der DAX zeigt sich seit Wochen schon recht selbstbewusst. Oder selbstgerecht? Allein heute hat er schon wieder gefühlte zwölf Prozent zugelegt. Vielleicht war es auch mehr – oder weniger. Genau konnte man es wegen der vielen Nebelkerzen überall nicht erkennen...
Von wegen, das Geld aus den Notenbanken käme nicht in der Wirtschaft an. An der Börse schon. Der M-DAX, der Index für mittelschwere Werte verteuerte sich in diesem Jahr um 29 Prozent, während der DAX nur auf „magere“ 25 Prozent kommt. Angeblich soll das erst der Anfang sein. Zumindest wird wieder gefeiert.

Fast wäre ich am Freitag aber über eine Geburtstagstorte zum 25. Jahrestag des Crashs an der New Yorker Wall Street gestolpert, die gar nicht auf dem Parkett stand. So bleibt die Börse trotzdem eben eine gefährliche Angelegenheit, vor allem im Crashmonat Oktober. Das sagte schon Mark Twain und warnte vor den restlichen Monaten. Heute aber gehen die Crashs gerne mal nach oben los, wenn so viel gerettet wird.

Nun weicht aber die angebliche Vollbeschäftigung und der ewige Aufschwung Kurzarbeit und Betriebsentlassungen. Na und? Weiter feiern! Was soll die Börse stören, wenn es weder an billigem Geld mangelt, guten Worten und später Staatshilfe für gestrandete Unternehmen? So erblühen Fata Börsianas, Wirtschafts-Klempner drehen durch und an seltsame Leute werden Preise vergeben, während die nach oben offene Propagandaskala längst durchschlagen wurde.

Und dann kam eine dunkle Stimme aus dem Nichts oder irgendeinem Gipfel. Mitten aus dem Nebel rief es: „There will be no Staatsbankrott“. Oder übersetzt: Jeder bekommt Geld, jeder der ruft. So hat man Finanzminister Schäuble verstanden und die Kurse gleich mal paar Prozente nach oben gejagt. In den großen Handelsabteilungen der noch größeren Adressen sollen kurz danach einige Stühle ausgetauscht worden sein – spontane Feuchtigkeit auf den Sitzflächen.

Scheitern ist keine Option – egal, was daraus entsteht. Danke für die Klarheit. Der Rest ist Propaganda und ein Bündel an weiteren Nebelkerzen zum fröhlichen Abhusten, Staunen oder Ignorieren.


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3 Kommentare auf "Kohle, Klunker, Kapital"

  1. retracement sagt:

    Die armen Määänschen . . .
    dann gehts ja doch noch ein Stückchen weiter
    (Tom & Jerry Momente ohne Ende)
    Werte Börsenaufsicht bitte um Festlegung bundesweiten Kirchengeläuts falls DAX intraday ein tieferes Tief machen sollte. Man hat ja nicht immer sein Ei-Phone dabei.

  2. vegaman sagt:

    Die Ironie ist ja, dass Scheitern alternativlos geworden ist und – die Jungs wissen es. Die einzige Frage, die sich noch stellt, ist, ob es noch 2-3 Monate oder 2-3 Jahre dauert, bis uns alles so richtig um die Ohren fliegt.

  3. Futur sagt:

    Die Welt der Wirtschaftswissenschaften, der sogenannten Märkte, Börsen, usw…Ist eine instabile, manipulierte und nicht an den realen Gegebenheiten orientierte künstliche Wirklichkeit.

    Die Welt der Politik, ist, wenn es sich um eine verantwortungsvolle Politik handelt, an der einzigen Realität gebunden, die zählt: Den einzelnen Menschen,

    Ein „Scheitern“ eines europäischen Nachbarn würde insgesamt desaströse Auswirkungen haben. Deshalb hat die EU den österreichischen BWL- Professor Fredmund Malik beauftragt, Griechenland zu retten:

    https://blog.malik-management.com/2012/09/der-start-meiner-rettungaktion-fuer-griechenland/

    Der Wert von Geld, Gold und Aktien ist immer relativ, der Wert des Menschen aber nicht!

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