Koalition der Willigen

27. Mai 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Den Eurobonds oder aber auch europäischen Gemeinschaftsanleihen muss irgend ein Zauber inne wohnen. Ein Geldzauber. Die klammen Eurostaaten und Frankreich sind strikt dafür. Nur Frau Merkel nicht. Es ist eine Frage der Zeit, bis sie von ihrem rigorosen „Nein!“ über ein glasklares „Jein“ zu einem alternativlosen „Ja“ geschwenkt ist…

Wer gegen Eurobonds ist, sollte auch gegen Rettungsschirme sein – gegen diese Kreditkarten ohne Limit. Vielleicht kommen die Eurobonds ja auch verkleidet als Innovations-Anleihen daher. Käse bleibt Käse. Unterdessen reiten die Pfingstochsen den Euro in die Verdammnis und den DAX gleich mit. Schon wieder mal treiben die Märkte Politiker vor sich her.

Es geht um einen Mechanismus zur Umverteilung von Geld für ein paar teure Brücken ins Nichts. Vor allem geht um Banken wie in Griechenland. Beim griechischen Volk kam nichts von den Milliarden an. Kaum waren Hellas Schulden geschnitten, war es schon wieder pleite. Wenn klamme Staaten unbedingt Eurobonds wollen, mögen sie diese doch allein einführen. Muss Deutschland dabei sein? Oh ja, wegen der Sicherheiten.

Es liegt was in der Luft. Eine Luftnummer? Sobald die Kanzlerin den Dingsda-Bonds zugestimmt hat, werden die Preise von Aktien und Edelmetallen explodieren. Märkte bekommen dann das, was sie brauchen – neues Geld und neue Kredite. Bis dahin besteht Ansteckungsgefahr wie bei Grippe. Und die Patienten benutzen den gleichen Löffel für die Suppe bis das Fieber hoch genug geworden ist. Wir sind in Europa. Mitgefangen, mit gehangen. So wird`s kommen. Es ist ja eine Sache des Friedens, wie man so oft hören konnte.

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nchrichten

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7 Kommentare auf "Koalition der Willigen"

  1. retracement sagt:

    Au fein. Dann schwappt der Fokus zurück über den Atlantik und gleich wieder zurück wenn die 10jährigen hier auf 4% +X ballern. Und alle lachen sich wieder ein halbes Jahr nen Ast weils „bloss“ ne Asset-Inflation gibt. Als ob Deutschland eingenständig entscheiden dürfte wie die Würfel fallen . . .
    Unter dem Aspekt scheinen Eurobonds tatsächlich näher zu rücken:
    >>Das wird ein Fest für Juristen und ein Alptraum für Gerichte werden.<<
    http://www.blicklog.com/2012/05/27/dokumentation-zum-austritt-aus-dem-euro-gesetze-die-bergang-zum-euro-in-deutschland-regelten/

  2. Hans Zahm sagt:

    Wer Sachwerte schon hat, den bitteren Schritt gegangen ist sein Geld zu versachlichen, der muss Eurobonds und EFSF und ESM gut finden, weil dies alles Geld ins System pumpt.
    Stellt Euch doch mal vor die PIIGS, Belgien, Frankreich würden den Euro verlassen. Dann hätten wir besser Euro und mit Sachwerten aufs falsche Pferd gesetzt!

    • gilga sagt:

      Und deswegen sollte man meiner Ansicht nach Zweigleisig fahren!

      Was passiert wohl wenn der Euro zu 1:1 zum Dollar abwertet (wenn denn die USA das zulassen (können)) und wir hier in 6 Monaten Benzinpreise von 2,00-2,50€ haben, der Urlaub im europ. Ausland plötzlich 25% teurer ist usw.? Mit den bösen Spekulanten allein ist es dann nicht mehr getan. Zu offensichtlich wären die Auswirkungen einer Schwachwährung auch für so manchen momentan noch Blinden.

      Bei allen „Beschwörungen“ um die stoische Ruhe (oder sagen wir Ignoranz) des dt. Michel… ich denke hier ist, vor allem wenn es schnell abläuft, ganz schnell eine Stimmung im Land die es für die nächsten Bundestagswahlen interessant macht für die Wiedereinführung des Nordeuro / der DM (oder ähnliches) zu sein.

      Der Politik muss es darum gehen die Inflationierung „langsam“ voranzutreiben, sonst kippt die Sache. Und genau das wird nun, als Alternative zur Austerität in Südeuropa versucht werden, aber nicht ausreichen bzw. mit den nördlichen Nachbarn nur schwer machbar sein. Welche Firmen (aus welchen Ländern) stehen denn am Ende der Nahrungskette, wenn man jetzt Geld für Infrastrukturmaßnahme etc. in den Süden pumpt?

      Als dt. Bürger kann und sollte man sich absichern, aber nicht alles auf ein Pferd setzen. So eine 20% Aufwertung einer Währung kann sonst schon wehtun (wenn man jetzt einsteigt). Für einen vernünftigen Teil des Vermögens ist die Versicherungsvariante dennoch sinnvoll und man muss auch im Fall das man sich damit vertut vermutlich nur ein paar Jahrzehnte warten (denn dann schlägt das Energie/Rohstoff-Argument mindestens bei Silber zu) um wieder eine Aufwertung erleben zu können.

  3. JayJay sagt:

    Die Eurobonds oder wie immer sie auch heißen mögen, werden auf jedenfall eingeführt. Es ist das letzte Mittel der Politikerkaste, um sich ihr überleben zu sichern.

    Deutsches Steuerzahlerguthaben (ca. 5.000.000.000.000 € wird bis auf den letzten Cent aufgebraucht, alles andere würde mich schwer überraschen.

    Gold & Silber Ahoi

    • MARKT sagt:

      Wenn es denn beim Guthaben von 5 Billionen bleibt.

      Ein Verschwörungstheoretiker der diesen Teil des Grundgesetzes mt Sorge betrachtet.
      http://dejure.org/gesetze/GG/14.html
      auch ein weiterblättern auf Artikel 15 kann sich lohnen.

      Aber viele werden schon aus Liquiditätsmangel in den nächsten 3 bis 4 Jahren verkaufen müssen, so dass es sogar auf Zustimmung treffen wird, wenn den verbleibendenes mittels Grundgesetz beizukommen ist.

      • Avantgarde sagt:

        Vor allem ist es auch so, daß das Luxusproblem der Billionen allenfalls 20% der Bevölkerung betrifft- bestenfalls.

        Die anderen mindestens 80% , die sich rational die Vermögensverteilung betrachten dürfte das gleichgültig sein – die werden dann mit ganz grundlegenden Dingen zu kämpfen haben – nämlich ums schlichte Überleben.

        Muß man nur mal nach GR schauen:
        Die Hand voll vermögenden Familien in GR haben vielleicht das angenehme Problem, ob ihr hinterzogenes Vermögen in CH sicher ist.
        Otto-Normal ist zum Teil inzwischen auf Hilfsorganisationen angewiesen, die vor ein paar Monaten noch in Afrika tätig waren.

        • Frank Meyer sagt:

          Vermutlich ist das der Grund, dass es den meisten ohnehin egal ist, weil sie ganz andere Probleme und Aufgaben am Tag haben. Es ist zu wenig, um sich glücklich zu fühlen. Und es ist zu viel, um demonstrieren zu gehen. Alimentierung durch den Staat ist ein meines Erachtens viel zu wenig thematisiert. der Unterschied zwischen Griechenland und Deutschland ist unter anderem auch, dass dort in Familien vielmehr abgepuffert wird, als man hier in der Lage dazu ist. Aber das Thema kommt auf den Tisch.

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