Klingt komisch, ist aber so

17. Juni 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Ronald Gehrt  Also … wir lernen jeden Tag aufs Neue, dass die Börse irgendwie ein bisschen komisch ist. Da erklärt sich das Ganze doch im Löwenzahn-Stil am besten. Denn eigentlich ist alles ganz einfach. Doch doch … klingt zwar komisch, ist aber so. Ich kann es mir einfach nicht verkneifen, ausnahmsweise mal so zu tun, als wäre ich Peter Lustig und würde Ihnen allen erklären, wie die Börse so funktioniert. Manchmal ist getarnter Sarkasmus einfach gesund. Fangen wir also gleich an…

Wir haben in den vergangenen Tagen und Wochen beispielsweise gelernt, dass die Marktteilnehmer fast jeden Tag eine andere Meinung haben. Und zwar alle. Auf der ganzen Welt. Und die Medien, die wissen Bescheid und sagen uns dann auch, was wir glauben müssen. Nämlich, dass die Anleger an den Tagen, an denen die Kurse steigen, die Hoffnung hegen, dass die großen Notenbanken dieser Welt weiter schön viel Geld unters Volk streuen (wobei das Volk nicht das Volk ist, sondern vor allem die Banken, was aber die für die Börsen nicht so wichtig ist) und deswegen die Kurse immer weiter steigen werden.

An den Tagen, an denen die Kurse aber fallen, haben die Anleger große Angst davor, dass vor allem die amerikanische Notenbank die Anleihekäufe relativ bald beenden könnte und dann das Wachstum weg ist (das eigentlich eh weg ist, aber mit ein bisschen Kosmetik ist es dann in den entsprechenden Konjunkturdaten doch wieder da) und die Börsen fallen. Also verkaufen sie an solchen Tagen, ganz klar. Wenn also die Medien Recht haben, haben die Anleger heute Angst, morgen sind sie dafür wieder gut drauf und übermorgen haben sie wieder Angst. Klingt komisch … und ist auch Blödsinn.

Dann gibt es da noch den Internationalen Währungsfonds. Dort weiß man Bescheid, schließlich muss man auf die Wirtschaft und die Finanzen der ganzen Welt aufpassen, weil das die einzelnen Regierungen ja nicht können. Jedenfalls glaubt man das beim IWF.

Also sagt man beispielsweise den Amerikanern oder den Chinesen, was sie mit ihrer Wirtschaft tun sollen. Dass man dabei in den letzten zwei Jahren bisweilen die Meinung gewechselt hat, ist nicht weiter schlimm. Denn der IWF weiß immer genau Bescheid, so dass auch, wenn er seine Meinung wechselt, das, was er sagt, richtig sein muss. Das ist einfach und lässt sich auch gut merken.

Wir merken uns zum Beispiel, dass die USA im Moment angeblich zwanghaft sparen und damit ihr Wachstum kaputtmachen. Der IWF sagt, dass das falsch ist. Vor gar nicht allzu langer Zeit jedoch sagte der IWF, dass man in der Eurozone dort, wo die Schulden viel zu groß sind, unbedingt sparen muss. In Griechenland zum Beispiel, oder in Portugal und Spanien. Dass man damit das Wachstum kaputtmacht, haben wir alle gelernt, weil diese Länder komischerweise immer mehr in die Rezession rutschten, je mehr sie gespart haben. Das hat der IWF vielleicht vorher nicht gewusst, denn da hat er gesagt, dass nur sparen zu einer Stabilisierung der Lage führen würde. Jetzt aber weiß man es besser und erklärt den Amerikanern (obwohl deren Schulden mindestens genauso aus dem Ruder laufen wie im Süden der Eurozone), dass sparen ziemlich dumm ist. In Europa soll man aber weiter sparen, sonst gibt es kein Geld vom IWF. Klingt komisch, ist aber so.

In den letzten Monaten hatte man das Gefühl, dass insbesondere die US-Notenbank in sich ein bisschen verwirrt ist, wie es denn nun weitergehen soll. Im sogenannten Offenmarktausschuss, wo über entscheidende Dinge entschieden wird (deswegen heißen sie ja auch so), gehen die Meinungen zum Beispiel darüber auseinander, ob man vielleicht die Anleihekäufe zur Stützung der Wirtschaft ausweiten, sie beibehalten, sie reduzieren oder umgehend einstellen sollte. Da ist es gut, dass man den IWF hat. Denn der weiß, wie wir gelernt haben, in allen Dingen Bescheid… (Seite 2)

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Ein Kommentar auf "Klingt komisch, ist aber so"

  1. Michael sagt:

    Wenn ein Berater sagt – das läuft etwas schief – liegt er hoher Wahrscheinlichkeit richtig – sonst wäre er nicht vor Ort. Die Aufgabe des IWF ist ja sicher zu stellen, dass die Zinsen auch in Zukunft fließen. Eine Agrarreform, außer dass in Spanien, Portugal und Griechenland mit dem Traktor am bescheidenen Gemüsebeet wurde umgeackert, sollte man sich nicht erwarten.

    Man kann jetzt 2 Sichten einnehmen
    a) Der Staat ist heilig – sprich der Gesellschaft gleich, der Lehrer hat immer recht und der IWF weiß was er tut im Sinne des Gemeinwohls und der konkreten Volkswirtschaft.

    b) Der Staat koexistiert mit der Gesellschaft – sprich er hat nicht viel zu melden, der Lehrer ist dazu da zu unterrichten und die Schüler zu fördern und der IWF ist die Schlägertruppe der Weltfinanz aus Sicht der Gesellschaft im Kontext – ein Focus auf das Gemeinwohl.

    Die Rolle aus b) liegt in der Natur der Beratung, wenns mal brennt. Ähnlich der Situation, wenn der Lucifer himself die Feuerwehr schickt. Dafür kann der IWF nicht wirklich viel.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand an den Börsen und in der Finanzindustrie durchblickt. Es gibt ein anderes Anzeichen. Angst und Gier gehen einher. Damit kann man wenn man Angst streut ein besonders gieriges Verhalten als Ergebnis annehmen.

    Der Versuch im Moment Volkswirtschaften rund um karrieregeile Minderheiten zu errichten, halt ich für ein auswegloses Unterfangen. Das ist aber die exakte Definition für Entscheidungsträger in der Finanzindustrie. Wenn man im Strudel gefangen ist und droht unterzugehen, dann holt man tief Luft und schweigt. Das wäre meine Empfehlung an den IWF.

    Das Übel im Moment ist eher, man kann mit vernünftigen Argumenten und sei es Dividendenrendite kaum durchdringen. Nehmen sie Apple. Die Analysten erwarten… was? Dass die Bäume in den Himmel wachsen. Dass Windows User auf einem Tablet von Apple oder Samsung dem Aufstieg der Erde entgegen schweben und kapieren aber noch nicht mal die Verschränkung. Seit gut einer Dekade sind ausgesprochen viele depressive Traumtänzer unterwegs … einmal hoch einmal nieder. Information als Droge, das altbekanntes Phänomen.

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