Klimbim, Klabauter und Klamauk

2. Dezember 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Während der Glühwein in Strömen fließt und in Brüssel der hässlichste Weihnachtsbaum der Welt leuchtet, wurde in der europäischen Politik wieder mal hitzig gerettet, was das Zeug hielt. Und Krach gemacht. Dabei hat man in Europa nur ein paar Schulden auf andere Schultern verteilt – inzwischen nichts Ungewöhnliches mehr. Noch gibt es ja Nachschuldner und noch mehr gute Absichten…

Wenn Börsen mal nichts anderes vor haben, zittern sie auch gerne mal vor der bösen US-Steuerklippe, auch als Fiskalklippe bekannt, die eigentlich eine Fäkalklippe aus Schulden ist.

Unterdessen steigen die Kurse munter weiter, wohl ahnend, dass sich die USA mit ihren 16,3 Billionen US-Dollar Schulden wieder durchmogeln. Gibt es keine Einigung von Republikanern und Demokraten zum neuen Schuldenhaushalt, treten automatisch Steuererhöhungen und Sparprogramme in Kraft. Diese Fata Morgana verschmutzt viel Zeitungspapier und Sendeminuten. Es heißt, die Welt ginge dann unter – wie in Griechenland. Moment! Das gleiche Rezept aus der Hexenküche der Wirtschaftsalchemie ist schlecht für die USA und gut für Griechenland? Seltsam.

Unterdessen finden weitere 44 Milliarden Euro kurz vor Weihnachten den Weg nach Griechenland und von dort aus in die Banken. Es musste wieder mal schnell gehen, denn Weihnachten ist ja bald. Wenn es doch im Bundestag immer so schnell ginge. Es soll mal wieder nichts kosten. Hauptsache, die Finanzmärkte werden beruhigt, Gläubiger bedient und die Börse steigt, während Griechenland in den Abgrund taumelt und die Schulden explodieren.

Euroland in Junkerhand?

2012 ist bald vorbei. Gerne erinnere ich mich an den Grundsatz des Eurogruppen-Chefs und Kommunikator des Jahres Jean-Claude Junker: „Wenn es ernst wird, muss man lügen“, was übrigens auch auf den aktuellen Armutsbericht der Bundesregierung und die 1,9 Prozent Inflationsrate für November zutrifft. Und er schob in dieser Woche noch etwas Neues aus der gleichen Art hinterher: „Wir wissen alle, was zu tun ist. Wir wissen nur nicht, wie wir wiedergewählt werden sollen, nachdem wir es getan haben.“ Tja, das weiß ich auch nicht.

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)


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2 Kommentare auf "Klimbim, Klabauter und Klamauk"

  1. retracement sagt:

    Es gab hier vor Jahren einmal einen guten Beitrag zum Thema Dienstleistungssektor bzw. warum es keinen Ausweg geben kann. Aus der Erinnerung ging es darum, daß es sich nicht lohnt eine Wirtschaft zu retten, in der der eine dem anderen die Fußnägel schneidet, oder arbeitsteilig Senf auf den HotDog verteilt.
    Genau an dem Punkt war bereits das „Bullshit-Bingo“ seitens der in Politik, Wirtschaft und Finanz Verantwortlichen voller Kästchen rauf und runter. Es nun heute bis hierher geschafft zu haben ist ein seltener Ausbund menschlicher (gesellschaftlicher) Kreativität, Gerissenheit und Selbstlüge, der in der Geschichte ohne Vergleich ist.

    Am Ende haben wir zwar alle totalen Durchblick und erklären uns gegenseitig die Bilanzseite, verstehen aber die Zusammenhänge nicht mehr? So clever kann das noch nicht angelegt sein?

    https://www.youtube.com/watch?v=mn6HRKvqiNk

  2. wolfswurt sagt:

    Japan, las ich gerade, erreicht wohl bis ende des Jahres die 1 Billiarde Yen Schuldenhöhe.

    Da dieses Geld nicht vorhanden ist, spielt die Zahl doch keine Rolle mehr.

    Neu ist mir allerdings Nichtvorhandenes in Zahlen bemessen zu können.

    Not macht erfinderisch oder so ähnlich drückte es meine Großmutter aus…

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