Kleinigkeiten aus dem Irrenhaus

8. April 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Die „Aktuelle Kamera“ meldet, alles sei gut. Die Investoren wären nach den Ostertagen gestärkt in die Handelswoche gegangen. Sie konnten vier Tage lang Mut schöpfen… und Kraft… und die Zentralbanken neues Geld… Was sonst noch passierte…

Ach herrlich, diese Börsenwelt, die nur noch eine Richtung kennt. Bloß nicht dagegen halten, sagen Börsenhändler und wissen, dass dieses Spiel irgendwann endet, möglicherweise aber viel später.

Große Erfolge meldet die EZB. Sie hat ihr „Kaufziel“ von 60 Milliarden Euro im März erreicht. Wir gratulieren aufs Allerschärfste.

In der letzten Woche kamen Papiere im Volumen von 11,7 Milliarden Euro auf ihre Bilanz. Manche sagen „…im Wert von“. Aber dieser Wert kann sehr volatil oder auch flüchtig sein. Vielleicht interessieren Sie noch Details? Im März kauften die europäischen Notenbanken Staatspapiere in Höhe von 47,4 Milliarden Euro mit einer durchschnittlichen Laufzeit von 8,56 Jahren. Die Bundesbank erwarb mit ihren tiefen Taschen 11,1 Milliarden Euro mit einer durchschnittlichen Laufzeit von 8,12 Jahren. Die anderen Einzelheiten entnehmen Sie bitte der Tagesschau. Ach, die berichtet nichts davon? Verständlich.

FED: Erfolgreich die Leute veralbert…

Während Europa in Erfolgen förmlich badet wie in frischem Geld, schauen Experten und Analysten etwas missmutig in die USA. Da erzählt die FED seit zwei Jahren davon, die Zinsen anheben zu wollen, mal mehr, mal weniger, mal früher, mal später. Zwei Jahre später sieht es aber danach aus, als werde sie nichts tun, zumindest nichts Nennenswertes. Das Zinsniveau in den USA liegt derzeit 350-400 Basispunkte unter normalen Niveau, heißt es. Aber was ist heute schon normal?

Die ganz plötzlich überraschend schwachen US-Arbeitsmarktdaten sollen Anlass für weitere Null-Zinsrunden sein. War der Arbeitsmarktbericht vom Freitag ein Ausrutscher? Die einen sagen so, die anderen sagen so. Wir wissen es nicht, und es ist eigentlich auch egal, denn diese Harry Potter Statistik taugt ja nicht mal für den Papierkorb, mit normalem Menschenverstand betrachtet. Aber die hirntoten Computer-Handelsprogramme handeln diesen Mist und auch die vielen Einlassungen, die kurz darauf gereicht werden.

Während Börse früher nach vermeintlich guten Nachrichten stiegen, steigen sie heute auch aufgrund schlechter Nachrichten. Börsen können so nur noch steigen. Nicht wahr? Man sollte sich nicht wundern, wenn die Börsen künftig gleichzeitig steigen und fallen. Vielleicht tut sie das auch, ohne dass wir es merken. Was wird passieren, wenn die Expertenschaft die Zinslosigkeit für die kommenden 100 Jahre in ihre DAX-Prognosen einfließen lässt? Bloß nicht gegen den Trend stemmen, sagen Börsenhändler…



Würstchen im Schlafrock

Man müsste doch davon ausgehen, dass sich dieser Budenzauber der Geldpolitik irgendwann entzaubert. Noch funktioniert der Mix aus einem klaren „Jein“. Dabei kann man weder den Daten Glauben schenken noch denen, die sie vor Veröffentlichung verprügeln – und erst recht nicht denen, die sie dann als „Währungshüter“ oder Experten interpretieren. Die Pressekonferenzen müssten eigentlich leer bleiben und  C-SPAN könnte sich die teuren Live-Übertragung sparen. Denn man weiß ja, nichts Genaues wird man nicht erfahren – und nichts Genaues wissen diejenigen vor den Kameras auch nicht, aber sie sind gut in ihrem Talent, die Leute zu veralbern.

Ich schaue mir das alles trotzdem gerne an, aber nur zur Unterhaltung. Nicht dass mich das reicher oder ärmer macht, aber es macht Spaß. Und sollte irgendwann wirklich niemand mehr Interesse an dieser Show zeigen, dann könnte nicht nur die FED die ausgewählten Zuschauer und Journalisten mit Schmerzensgeld entschädigen. Aber das dauert noch.

Ein Händler vom Parkett, wir nennen ihn „Dr. Brief“, sagte gestern, wir benötigen gar keine Börse mehr. Vermutlich wird sich das auch irgendwann erledigt haben, denn in der DDR gab es ja auch keine Börse. Staatliche Preisfestsetzung hat dort genügt, um auf eine Börse verzichten zu können.

Was macht Big Ben?

Ben Bernanke hat den medialen Rummel der vielen Worte endlich hinter sich. Der jahrelang unterbezahlte FED-Chef verdient erst heute richtiges Falschgeld mit seinen Vorträgen. Greenspan nimmt ja Gold, heißt es. Und Bernanke schreibt inzwischen einen Blog, womit die Sache aber auch nicht verständlicher oder gar besser wird. Manche meinen ja, er muss verklären, denn beim Erklären war er früher auch nicht sonderlich gut. Vielleicht leidet er aber auch einfach nur unter Langeweile und schreibt sich mit dem Blog ein Denkmal. Denn ob er ein richtiges Denkmal in den Geschichtsbüchern bekommt, ist zweifelhaft – und wenn, dürfte es ihm nicht gefallen. Nach allem, was man hören kann, bekommt er für einen Auftritt eine halbe Million US-Dollar. Da kann man sich einen Blog und die damit ver(sch)wendete Zeit locker leisten.

Unterdessen glänzt die Goldkette an Frau Yellen bei fast jedem Auftritt. Ob die echt ist? Ich meine die Goldkette. Und was hat sie zu bedeuten? Wir wissen es nicht. Vermutlich weiß es Frau Yellen selbst nicht. Was aber als sicher scheint ist, dass sie sich nach ihrer FED-Amtszeit in aller Ruhe ihrer Briefmarkensammlung widmen kann. Dabei liegen die Preise für Briefmarken am Boden. Das würde auch die permanente Deflationsangst der FED-Chefin erklären. Nein, Briefmarken sind keine gute Idee. Oder investiert sie antizyklisch? Vielleicht wird sie eines Tages ihr Album mit einer Marke erweitern können, auf der ihr Konterfei mit Goldkette prangt. Bis dahin ist es aber ihre Aufgabe, die Schäden ihre Vorgänger zu maximieren.

In Caracas geht die Post ab!

Die „Aktuelle Kamera“ schloss am Montag mit einer bemerkenswerten Börsenreportage. Oder wussten Sie, warum die Börse in Venezuela so stark ist? Binnen drei Jahren hat sich der Leitindex von 154 auf 3.500 Punkte aufgeschwungen und sich in den letzten drei Monaten verdoppelt. Dort hätte man investieren sollen. Die Anleger wären richtig euphorisch, sagt der Experte. Bei dieser schwachen Währung in Venezuela sind die dortigen Leute die glücklichsten der Welt und sicherlich in den kommenden Wochen obendrein Exportweltmeister. 18.000 Prozent Gewinn in zehn Jahren…

CARACAS_GENERAL_STOCK_MARKET

Es wird vermutlich nicht mehr lange dauern, dann wächst die Bilanz des Landes mit jedem Barrel exportiertem Öl um eine ganze Milliarde Bolivar. Die Leute staunen, wenn sie bald erst zu Millionären und dann zu Milliardären werden, ganz ohne die Kompetenz von Yellen oder Bernanke. Was macht Venezuela besser, was die USA nicht schaffen? Venezuela ist erfahrener im Geldsozialismus. Aber die Amerikaner und auch wir hierzulande werden das aufholen.


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5 Kommentare auf "Kleinigkeiten aus dem Irrenhaus"

  1. Michael sagt:

    Jeder kann Milliardär werden. So ist es im Westen und dort gibt es wenig neues. Bleibt die Frage was man sich dafür kaufen kann. Mit dem iPhone in der Pampas … Wünsche einen erholsamen Wochenausklang.

  2. paulepanter sagt:

    zu den Käufen von Staatspapieren durch EZB und Notenbanken:
    Warum sollte die Tagesschau berichten? Es interessiert keinen Bürger in Deutschland. Ständig bekommt man die Millionenbeträge um die Ohren gehauen, da hören die meisten weg. Und kaum jemand sieht das Ganze kritisch und kann einschätzen, was das für uns bedeutet. Wenn ich dies im Bekanntenkreis erzähle: Schulterzucken und: „Wir können´s nicht ändern“, Punkt!

  3. Werner sagt:

    Mai 2013 lt. Yahoo Finanzen 1 €uro= ~8,30 Bolivar Fuerte,
    April 2015 1 €uro= ~6,80 Bolivar Fuerte.
    Da kommt zum Börsen- ein schöner Währungsgewinn dazu,
    deshalb heißt das ja „Bolivar Fuerte“.

    Leider, leider, es gab im Mai ’13 keinen mir bekannten Börsentipp Venezuela,
    zudem – wickelt meine Sparkasse diese Geschäfte ab? 😉
    So blieb mir vorbehalten, die DAX-Hausse seit 2011
    unter Tage bei den Minenwerten auszusitzen;
    jajajaaa, „Er wird wohl irgendwann kommen….der Crash !“
    Genau, irgendwann, und DANACH wissen ‚wir‘, welche Investition die Ersparnisse
    des ‚kleinen Mannes‘ werterhalten hätte.
    “ … es gehören auch Fremdwährungen, Aktien, Immobilien, Ackerland und Gold dazu!“

  4. Hugo sagt:

    Solange es noch viele (in meinen Augen lesenswerte) Kommentare dieser Art gibt, ist der Crash noch sehr weit weg.

    Crash während eines laufenden QE Programms? Gab es bisher noch nicht und ist in meinen Augen unrealistisch.

    Realistischer: QE forever in Europa, neues QE in den USA, Verschiebung der Zinswende bis zum Sankt Nimmerleintag und jährliche Steigerungsraten bei Aktien und Immobilien von 20-30% p.a.

    Dumm nur, dass kaum einer in Deutschland davon profitiert vor lauter Angst vor dem bösen Crash, der irgendwann kommen wird.

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