Kleine „Ent-ologie“ – Seehofer und DAX auf Allzeithoch

19. September 2013 | Kategorie: Gäste

Souverän festigte Horst Seehofer seine Position als Bayerischer Ministerpräsident und führte die Partei zu jener Alleinherrschaft zurück, die von vielen CSU-Mitgliedern ohnehin als bayerischer Normalzustand empfunden wird. Gerne würde man sich auch bei der CDU ein wenig im Glanz der Schwesterpartei sonnen, die Konstellation im Bund ist allerdings verzwickter…

Die große Unbekannte bei der Bundestagswahl bleibt die „Alternative für Deutschland“ (AfD), die in Bayern nicht antrat. Bei keiner Partei klaffen zwischen den Prognosen derart gewaltige Unterschiede wie hier. Insbesondere die etablierten Demoskopen tun sich schwer mit den Neuankömmlingen, während die Partei im Internet inzwischen schon zu den Stars gehört. Am Abend des 22. September wissen wir mehr.

Globales Schachbrett

Der Begriff des „Grand Chessboard“ wurde vom langjährigen Sicherheitsberater mehrerer US-Regierungen Zbigniew Brzezinski geprägt. Gemeint ist damit jenes geopolitische Ringen der Groß- und Supermächte, das selten so deutlich durch die Tagesereignisse durchschimmert wie im Fall der Syrien-Krise.

Ausgerechnet Russlands Putin – der als Gegenspieler der USA bei den „atlantisch“ geprägten Medienhäusern des Landes regelmäßig einen schweren Stand hat – gelang ein Schachzug, mit dem er US-Präsident Obama regelrecht vorführte. Selbst in der US-Öffentlichkeit hatte Putin das bessere Ende für sich, während die US-Diplomatie eine schwere Schlappe erlitt. Auch wenn die Gefahr eines unmittelbaren Kriegsausbruchs um Syrien durch Putins Initiative erst einmal gebannt ist, die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende erzählt. Das globale Schachspiel ist auf Dauer angelegt und täuschen wir uns nicht, auch Putin spielt das Spiel für sein eigenes Land.

Märkte auf Allzeithoch

Und wieder: Ausgerechnet der Ex-KGB-Mann Putin entschärfte mit seiner Syrien-Initiative (vorläufig?) nicht nur das dortige Minenfeld, sondern trieb in der Folge die Aktienmärkte nach oben – beim DAX Performanceindex auf ein neues Allzeithoch.

Allzeithochs sind immer bedeutsam. Frei nach dem Motto: Wenn etwas schwimmt wie eine Ente, quakt wie eine Ente und aussieht wie eine Ente, dann ist es eben manchmal auch eine Ente.

Ein Allzeithoch ist ein unübersehbares Signal der Stärke. Punkt. Wird es nicht rasch korrigiert und damit zu einem ebenso unübersehbaren Fehlsignal mit entgegengesetzter Implikation, dann ist die Arbeitshypothese: Weiter aufwärts! Ist das blauäugig?! Jein. Natürlich gibt es zahlreiche gute Argumente, die gegen weiter steigende Kurse sprechen.

Beginnend mit der Syrien-Krise, die nach dem großen Aufatmen erneut aufflackern könnte. Nach den ersten Ankündigungen, steckt der Teufel nämlich auch hier im Detail, was sich schon bei der Ausformulierung einer entsprechenden UN-Resolution zeigt. Zudem dürfte US-Präsident Obama nach dem erlittenen Gesichts- und Positionsverlust bestrebt sein, das Heft des Handelns wieder in die Hand zu bekommen um nun seinerseits zu punkten.

Auch innenpolitisch sollte man sich nicht einlullen lassen. Die relative Ruhe vor der Bundestagswahl ist trügerisch. Nachdem die Wahllokale geschlossen haben, sinken die Wähler regelmäßig rapide in der Gunst der Politiker und es beginnt eine Periode der Zumutungen. Dies besonders für die Anleger, denn die öffentlichen Kassen sind notorisch leer. Positiv hervorzuheben ist dagegen, dass sich der DAX vor dem Hintergrund des Saisonmusters – der September gilt als der schlechteste Börsenmonat des Jahres – bislang ausgesprochen gut entwickelt hat.

Auch konjunkturell gibt es inzwischen Aufhellungstendenzen, die allerdings von den Notenbanken teuer erkauft wurden. Dieser Zusammenhang offenbart auch gleich die ganze Zweischneidigkeit der Situation: Läuft die Konjunktur zu gut, dann dürfte der nächste Tapering-Versuch, also die Rückführung der US-Staatsanleihekäufe, schon um die Ecke kommen… (Seite 2)

 

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Ein Kommentar auf "Kleine „Ent-ologie“ – Seehofer und DAX auf Allzeithoch"

  1. stephan sagt:

    Obwohl ich mich seit Längerem von Bösenaktivitäten verabschiedet habe, werde ich wohl erst zum Börsenbären, wenn die hier regelmäßig publizierenden und „realexistierenden Bären“ Gehrt und Malisch zu Bullen werden. Ihre hier abgegebenen Einschätzungen sind schon seit recht langer Zeit echte Kontraindikatoren (ist nicht böse gemeint!). Dabei ist mir völlig klar, dass es sich bei der Börse spätestens seit dem Jahr 2000 nicht mehr um einen echten Markt handelt. Hier herrscht Manipulation im großen Stil, was durch die Maßnahmen der Politik in Verbindung mit den Zentralbanken gefördert wird und auch erwünscht ist. So gesehen sind die Börsen nurmehr ein Manipulations-Barometer. Nur ein (unerwartetes) Ereignis, was für die Damen und Herren Manipulatoren nicht mehr steuerbar ist, wird diesen Zustand beenden. Dann hält die Realität auch an den Börsen wieder Einzug und die Herren Gehrt und Malisch bekommen endlich ihr wohlverdientes Recht. 😉

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