Klartext zu Gold und Aktien

16. Dezember 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Manfred Gburek

Wirtschaftsthemen mit den Schwerpunkten Staatsschulden-, Banken- und Euro-Krise haben inzwischen von der ganzen Bevölkerung Besitz ergriffen. Jetzt auch von der Gesellschaft für die deutsche Sprache, die „Stresstest“ zum Wort des Jahres und „hebeln“ auf den zweiten Platz gewählt hat…

Stresstest, das ist, aus aktueller Sicht durch die ökonomische Brille betrachtet, unter anderem der Unsinn, den die in London residierende Bankenaufsicht European Banking Authority (EBA) neulich zum zweiten Mal verzapft hat. Und die Milliarden zur Euro-Rettung nach oben hebeln, das ist längst von gestern, denn mittlerweile sind diesem – sagen wir zwölften – Rettungsversuch längst der dreizehnte bis zwanzigste gefolgt. Die Erkenntnis aus der Wort-des-Jahres-Klauberei: Die Krise vernebelt die Köpfe.

Da scheint es sich gut zu treffen, dass jetzt nach Kanzlerin Angela Merkel und Bundesbank-Präsident Jens Weidmann auch Christine Lagarde Tacheles redet, ihres Zeichens Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), nachdem ihr Vorgänger Dominique Strauss-Kahn offenbar mal wieder seine Hormone nicht im Griff hatte: Madame fürchtet, es könnte zu einer weltweiten Depression kommen, und plädiert für Prophylaxe, die im Kern der Krise beginnen müsse, der – na klar – in Europa und speziell im Euro-Raum zu finden sei. Die Erkenntnis hier: Lagarde bemüht das böse D-Wort, nicht um etwa die tatsächlich drohende Depression abzuwenden, sondern um im Streit über die Aufstockung der IWF-Finanzen in Richtung Merkel und Weidmann ein Machtwort zu sprechen.

Hier geht es nicht mehr allein um die Bewältigung der Krise, die längst zur Hydra ausgewachsen ist, sondern um taktische Spielchen. Das verwirrt die Teilnehmer an allen relevanten Märkten so sehr, dass sie die Kurse bzw. Preise rauf und runter jagen, zuletzt überwiegend runter. Das wirkt sich vorübergehend negativ auf Aktienkurse, Edelmetall- und Rohstoffpreise aus, zumal schon wieder Schwarzmaler am Werk sind, die – wie das ifo-Institut – mal eben ihre 2012er Wachstumsprognose für Deutschland vom Sommer (plus 2,3 Prozent) kassieren und durch eine neue von nur noch 0,4 Prozent ersetzen.

Im Zusammenhang mit den unruhigen Märkten verdient der zuletzt auffallend schwache Goldpreis besondere Beachtung: Hier besteht um 1600 Dollar, wie bereits aus Anlass des vorangegangenen Preissturzes vor vielen Wochen erwähnt, eine Auffanglinie; das heißt, potenzielle Käufer haben um 1600 Dollar Großaufträge platziert. Trotzdem ist der Preis zwischenzeitlich darunter gefallen, sodass auch Schnäppchenjäger zum Zuge kommen. Generell erklärbar ist dieses Phänomen damit, dass die Marktteilnehmer am Goldmarkt äußerst heterogen sind.

Speziell bedeutet das: Es gibt ganz verschiedene Kauf- und Verkaufsmotive. Konzentrieren wir uns

auf die Käufergruppe. Sie variiert zwischen Zentralbanken, der chinesischen und indischen Schmuckindustrie, weiteren Goldverarbeitern, Vermögensverwaltern, reichen Privatpersonen, Altgoldkäufern, Hedgefonds, Tradern und börsengehandelten Fonds unter Führung des SPDR Gold Trust. Die einen sind langfristig orientiert, die anderen kurzfristig.(Seite 2)

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2 Kommentare auf "Klartext zu Gold und Aktien"

  1. crunchy sagt:

    Das ist des Journalisten Geschäft: Nachrichten, Spekulationen, Diskussionen. Der Leser sucht einfach nur den Kern der Wahrheit.
    Da muss ich das erste Mal vor dem Autor warnen: Er redet sein Buch! Das DOW/Gold ratio ist gegenwärtig genauso nah an einer Empfehlung, Aktien zu kaufen,
    wie es vor 20 Jahren in Japan ratsam war, in den Bearmarket zu verbilligen. Vermögende Japaner haben seinerzeit Goldreserven aufgebaut. Und heute: Leben sie davon. Vergessen Sie Aktien, kaufen Sie Gold.
    Wenn Sie Nerven haben, kaufen Sie Silber (USD 24,-).
    Haben Sie noch keines, beginnen Sie Anfang Januar damit, da dann die Händler ihre Aufgelder runtergefahren haben werden.
    Aber bitte, lieber Herr Gburek: machen Sie weiter,
    Sie geben immer wieder die besten Anregungen.

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