Klartext zu Gold, Fonds und Aktien

2. Juni 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Manfred Gburek) Am Freitag explodierte der Goldpreis weit über 1600 Dollar, der Preis des Kilobarrens weit über 42.000 Euro. Die Erklärung dafür schien zunächst ganz einfach zu sein: „fresh save-haven buying, panic short covering“, stand auf der Internetseite kitco.com zu lesen…

Ferner sei Quantitative Easing „back on the table“, und Anleger hätten sich im „bargain hunting“ geübt. Also Gold wieder als sicherer Hafen, Eindeckungen der Baissespekulanten, die Erwartung einer neuen Geldschwemme und Gelegenheitskäufe…

Das alles ist irgendwie richtig oder zumindest halb richtig, begründet den Preisanstieg aber primär aus der Perspektive der Zocker am US-Terminmarkt Comex, wo er so plötzlich stattfand. In Wahrheit handelt es sich um die Wende zum Positiven bei der im vergangenen Herbst begonnenen Konsolidierung, die ich hier in der Sprache der Charttechniker abwechselnd als leicht abwärts gerichteten Kanal oder als ersten Teil einer Untertasse bezeichnet habe.

Wende zum Positiven, das bedeutet aber noch nicht, dass der Goldpreis – und mit ihm die Preise der anderen Edelmetalle – ohne Unterbrechung steil nach oben gehen wird, sondern dass sich vor allem das Sentiment der Teilnehmer an den Edelmetallmärkten schlagartig vom Negativen zum Positiven geändert hat. Daraus folgt: So wie der Goldpreis in Dollar seit Monaten unter Schwankungen per Saldo gefallen ist, wird er während der kommenden Monate unter Schwankungen steigen – und mit ihm die Kurse der Edelmetallaktien.

Was uns in der Zeit danach erwartet, lässt sich aus heutiger Sicht nur so beschreiben: Alles außer einem Preissturz ist möglich. Also eine langsame oder schnelle Annäherung an den Höchstpreis vom vergangenen Jahr, dessen Überschreiten, eine nachhaltige Preisexplosion usw. Einer der wichtigsten Gründe: Allein in den asiatischen Ländern unter Führung von China ist die private Goldnachfrage so hoch, dass jeder Preisrückgang – wie der in den vergangenen Monaten – zu massiven Käufen genutzt wird.

Den Preisanstieg des Kilobarrens in Euro habe ich bewusst erwähnt, weil er seit geraumer Zeit bei 40.000 Euro festgenagelt zu sein schien und somit ja auch die Euro-Schwäche widergespiegelt hat, während der Dollar-Goldpreis in derselben Zeit wie erwähnt leicht gefallen ist. Als wichtiges Fazit daraus ergibt sich: Wer Gold hortet, erhält die Kaufkraft besser als die Horter von Euro-Bargeld.

Wenn man die Kurven des Goldpreises über mehrere Jahre in den wichtigsten Währungen verfolgt, lässt sich sogar feststellen, dass die Goldhorter auch besser abgeschnitten haben als die Horter von Dollar-, Schweizer Franken-, Pfund-, Yen- und Yuan/Renminbi-Bargeld, ganz zu schweigen von extrem schwachen Währungen. Der Investor Marc Faber hat das in einem seiner letzten Interviews so auf den Punkt gebracht: „Gold ist wie Bargeld.“ Er hat aber auch betont, dass Aktien langfristig wahrscheinlich besser abschneiden – vorausgesetzt, man schichtet sie von Zeit zu Zeit um… (Seite 2)

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