Klartext: Russland entsagt sich Sanktionsspirale

30. April 2014 | Kategorie: RottMeyer

Klartext von Folker Hellmeyer

Die Volatilität an den Devisenmärkten ist unausgeprägt. Die Volatilität an den Rohstoffmärkten ist unausgeprägt. Das ist bemerkenswert. Ob unerwartete konjunkturelle Entwicklungen oder politische Krisen, die Märkte regen sich kaum. Der Unterschied zu der Vorkrisenzeit ist erheblich…

Dann meldet sich auch noch die Chefin der SEC (US-Börsenaufsichtsbehörde) zu Wort und behauptet, dass der Hochfrequenzhandel keine Manipulation darstellt und andere Marktteilnehmer nicht benachteiligen würde.

An dieser Stelle gilt es, inne zu halten.

Da veranlassen internationale Großkonzerne der Finanzwirtschaft massivste Investitionen, um Hochfrequenzhandel zu betreiben. Das machen sie nicht aus Nächstenliebe gegenüber der IT-Branche. Damit sichern sich diese Großkonzerne lukrative Vorteile am Markt, die positive Cash-Flows zur Folge haben. Genau diese positiven Cash-Flows müssen bezahlt werden. Der Rest des Marktes, der diesen präferierten Zugang nicht hat, zahlt an diese Großkonzerne.

Bei näherer Analyse der Rohstoffmärkte fallen dem geschulten Analysten beispielsweise massierte Verkäufe von Gold-Futures in Minutentakten auf, die so vor 3, 5 oder 10 Jahren nie anzutreffen waren und die asymmetrisch zu Gunsten von Goldverkäufen verteilt sind. Das hat natürlich alles nichts mit Manipulation und natürlich schon gar nichts mit politischen Interessen zu tun? „Food for thought!“

Russlands Antwort auf die Sanktionseskalation des Westens bleibt gelassen. Direkte Strafmaßnahmen werden aktuell nicht erwogen. Putin stellte jedoch die Rolle der westlichen Unternehmen infrage. Bei einer Aufrechterhaltung der Sanktionen müsse über die Rolle dieser Unternehmen in Schlüsselindustrien nachgedacht werden. Das sollte in den kontinentaleuropäischen Ohren nachklingen oder sind wir „Wirtschafts- und Finanzmasochisten“?

Altkanzler Schröder feierte in St. Petersburg seinen Geburtstag und er nahm seinen Freund Putin in den Arm. Der von uns geschätzte Herr Missfelder der Union war übrigens auch auf dem Fest dabei. Umgehend erhob sich ein Sturm der medialen und politischen Entrüstung ob der Umarmung bei der Begrüßung. Wir sind irritiert.

Uns macht die westliche politische „Umarmung“ rechtsradikaler Elemente in einer nicht verfassungskonformen Putschregierung oder die politische Umarmung einer korrupten Frau Timoschenko seitens der westlichen Politik deutlich mehr Sorgen.

Gleichzeitig ergeben sich jetzt aber Ansatzpunkte, dass es zu einer Befreiung der OSZE-Mitarbeiter in Slawjansk kommt.

Da kann man einen Zusammenhang zu der Umarmung Putins durch Altkanzler Schröder sehen wollen, man muss es aber nicht.

Eltern wissen unter Umständen, dass Sanktionen gegen Kinder nicht notwendig die gewünschten Folgen haben, sondern Bockigkeit forcieren. Manche Eltern wissen, dass es sinnvoller ist, die Kinder in den Arm zu nehmen und dann auf einer emotional entspannten Ebene, Probleme zu lösen. Wichtig ist es dabei, dass man redet und zuhört und unter Umständen auch einsieht, selbst Fehler gemacht zu haben.

Anders ausgedrückt: So wie es in den Wald schallt, schallt es auch wieder heraus. Diesbezüglich ist die gelassene Reaktion Russlands auf das westliche Sanktionscrescendo ohnehin Ausdruck diplomatischer Weitsicht. Das gilt gerade auch hinsichtlich der verdeckten Aktionen der USA (Nuland), die nichts anderes als geostrategische Aggression sind. „Food for thought!“

© Folker Hellmeyer – Bremer Landesbank

 

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