Klar wie Glosbrühe

18. Januar 2009 | Kategorie: Kommentare

Sie haben heute die Ansprache unseren Wirtschaftsministers verpasst? Nein? Sie mussten arbeiten? Schätzen Sie sich glücklich! Sie haben noch Arbeit. Was Herr Glos erzählte, klang eher danach, als ob es in Zukunft weniger davon geben wird. Es wird weniger verbraucht. Man kauft weniger und schnallt den Gürtel enger, sagt mein Bauchgefühl. Doch was weiß ich schon? Gestern noch standen wir am Rande der Rezession, heute schon sind wir einen Schritt weiter.

Oh Michael, ich wundere mich. Dabei habe ich solches Vertrauen. Sie waren der Fels in der Brandung, der Leuchtturm des Optimismus, mein Heiland und meine Zuversicht. Und nun? chockiert sitze ich zur besten Mittagszeit vor der Glotze und mir bleibt die Bratwurst im Halse stecken.

Einen Eingriff des Staates in der Finanzkrise, wie ihn Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann ins Gespräch gebracht hatte, lehnte Glos ab. „Für die Folgen unverantwortlicher Spekulationen müssen in erster Linie die Finanzmarktakteure gerade stehen, nicht die Steuerzahler“, sagte Glos. „Es kann nicht sein, dass die Banken in guten Zeiten ordentliche Gewinne einstreichen und bei Missmanagement die Verluste sozialisieren wollen. So funktioniert Marktwirtschaft nicht“, sagte Glos.

Oh! Pardon! Ich hatte ein Video vom März eingelegt. Moment – schnell vorgespult…!

Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) will den Aufschwung in den nächsten fünf Jahren mit einem Konjunkturprogramm über 70 Milliarden Euro stärken. Es gebe „erhebliche“ Spielräume für sinkende Steuern und Abgaben sowie mehr Investitionen, ohne die Haushaltssanierung zu gefährden, argumentiert Glos.
Staat und Wirtschaft befänden sich derzeit in einem „Tugendkreislauf“, den die Politik verstärken müsse, schreibt Glos in einem Grundsatzpapier zur Wirtschafts- und Finanzpolitik, das einem Brief an die Unionsfraktion beiliegt.

70 Milliarden sollten es sein, stand am 17.Juni in der „Süddeutschen Zeitung“ der gelernte Müllermeister hat sich damit recht schnell ein blaues Auge geholt, denn die Bundeskanzlerinn hat ihm das verpasst, so dass Glos zu folgender Einschätzung ein paar Tage später kam (yahoo):

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) lehnt trotz der wachsenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten ein Konjunkturprogramm ab. Davon halte er «überhaupt nichts», sagte Glos dem «Handelsblatt». Die Wirkungslosigkeit solcher Programme habe sich bereits in den 70er Jahren erwiesen. «Am Ende standen höhere Schulden, die Konjunktur ist dadurch aber nicht angesprungen.

Heute hat die Bundesregierung dann die Wachstumsprognose für 2009 gesenkt. Glos rechnet nur noch mit 0,2 Prozent Wachstum. Ich weiß nicht, was er dem geneigten Steuerzahler in vier Wochen erzählt, doch ich gehe davon aus, dass sein Taschenrechner mit einer leeren Batterie ausgestattet war. Gleichzeitig belehrt er mich.

Es mache keinen Sinn, Horrorszenarien zu entwerfen, betonte Glos vor Journalisten. Die aktuellen Probleme ließen sich durch die eingeschlagenen Maßnahmen lösen. Die Auswirkungen der Finanzmarktkrise auf die Wirtschaft seien begrenzt. Der Arbeits- und Ausbildungsmarkt seien «derzeit noch in guter Verfassung. Laut Glos wird die Zahl der Arbeitslosen im kommenden Jahr mit 3,3 Millionen relativ konstant bleiben.

Bekanntlich ist alles relativ. Während Frau Nahles Kühlschränke gegen die Krise forderte, die Herr Glos jetzt wie ein Konjunkturpaket nach Abwatschen der Kanzlerin und nochmaliger Überlegung ablehnte, schaue ich optimistisch in die Zukunft. Heute verspricht man mir 0,2% Wachstum in Deutschland. Und morgen? Danke Michael! Ich gehe jetzt einen Kühlschrank kaufen.

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