Kippt die Lage am Kap?

26. September 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Zu Südafrika fallen vielen Menschen in Deutschland lediglich Nelson Mandela und das Traumschiff ein. Von der ökonomischen Misere am Kap und den Risiken massiver sozialer Verwerfungen ist wenig zu hören. Der wirtschaftliche Abschwung Südafrikas ist jedoch in vollem Gange, die Folgen könnten weitreichend sein...

Der wirtschaftliche Gesamtzustand des Landes am Kap ist trostlos. Abgesehen von wenigen Dokumentationen, die sich mit den rasch wachsenden gesellschaftlichen Spannungen beschäftigen, steht medial meistens die Urlaubsregion im Fokus. Auch bei Anlegern erfreut sich die Region einiger Beliebtheit. Als Grund für all diese Eskapaden werden meistens die „großen Fortschritte“ des Landes und „der schwache Rand“ genannt. Eine interessante Mischung, die da als Basis für Entscheidungen herhalten muss.

Der Währungsmarkt reagiert vergleichsweise sensibel auf herrschende Schieflagen. Nicht nur in Südafrika hat die Abwärtsdynamik der Währung in den letzten Wochen erneut an Fahrt gewonnen. Auch der brasilianische Real und die türkische Lira haben wieder deutlich Federn gelassen. Die letzten Monate waren nicht mehr als eine Konsolidierung im Abwärtstrend, auf die nun erneute Dynamik folgt. Mit den Folgen schwacher Währungen haben nicht nur die Bewohner eines Landes zu kämpfen. Auch ausländische Multis haben damit so ihre Probleme, nur können diese im Fall der Fälle durch eine neue Kennzahl in ihren Berichten den Anschein ewigen Wachstums eine Weile aufrechterhalten.

So wurde schon im Frühjahr, als es zu ersten Turbulenzen bei vielen EM-Währungen kam, der Begriff „Underlying EPS-Growth“ bei zahlreichen Unternehmen immer beliebter. Darunter habe man, so durfte man in vielen Geschäftsberichten lesen, die Entwicklung des Gewinnes pro Aktie im Fall unveränderter Währungskurse zu verstehen. Auf den Fußball übertragen könnte man diese Kennzahl mit dem Wert „Gegentore ex Elfmeter“ vergleichen. Dummerweise ist ein verwandelter Elfmeter ein Tor und ein Währungsverlust ein Verlust. Auch beim Umsatz hat man sich ähnlicher Praktiken bedient.

Hier ein Beispiel aus einem Bericht von Wal-Mart, der keine falschen Informationen nennt, aber zeigt, worum es geht.

(Wal Mart, Bericht Q4) Net sales for the fourth quarter were $128.8 billion, an increase of 1.4 percent over last year. This quarter included the negative impact of approximately $1.8 billion from currency exchange rate fluctuations. On a constant currency basis, net sales would have increased 2.8 percent to $130.6 billion.

Man darf aus den Zeilen die Kernbotschaft herausgreifen: Die Währungseffekte kosteten in realitas die Hälfte des Wachstums.

An derartige Berichte sollte man sich rechzeitig gewöhnen, denn diese Art der Umrechnung wird eher zu- als abnehmen. Die Bedeutung der Emerging Markets für internationale Konzerne ist vor allem bei Margen und Wachstum erheblich. Diese Punkte haben maßgeblichen Einfluss auf die weit verbreiteten Argumente für eine teils sehr hohe Bewertung. Müssen diese Faktoren nach unten angepasst werden, käme man auf ganz andere als die aktuellen Bewertungsniveaus. Wann sich diese Sichtweise durchsetzt, ist eine andere Frage, aber man sollte diese Information im Hinterkopf behalten, wenn man sich mit Bewertungen auseinandersetzt.

Anlass zur Sorge bieten derzeit einige Schwellenländer. Einer der besonders exponierten Kandidaten ist und bleibt Südafrika. Neben die Bilder traumhafter Landschaften zwängen sich immer wieder traurige Szenen gewalttätiger Auseinandersetzungen. Im Mittelpunkt stehen Arbeiter, die Polizei, die Bergbauunternehmen und die Gewerkschaften. Üble Arbeitsbedingungen, niedrige Löhne, geringe Produktivität und die Problematik steigender Energiekosten bei fallenden Rohstoffpreisen sorgen für eine gefährliche Situation, in der die Konfliktparteien weder vor noch zurück können.

Die Situation am Arbeitsmarkt ist angespannt. Aus der Erwerbsbevölkerung ist jeder Siebte ohne Job.

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Auch von den Preisen kommt wenig erbauliches. Die Inflationsrate stieg unlängst auf 6,4%. Die Steigerung der Lebensmittelpreise liegt mit 9,4% noch deutlich höher. Zum Vergleich, in Deutschland wird bei Lebensmitteln für das vergangene Jahr ein halbes Prozent Preissteigerung ausgewiesen. Wer den Unfug von der „guten Inflation“ glaubt, die man gerade den Deutschen aufschwatzen will, der sollte nicht die Parteivorsitzenden so genanntenrVolksparteien dazu befragen, sondern Menschen aus Ländern, die unter hoher Inflation leiden.

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Die Forderungen nach höheren Löhnen werden angesichts des Preisdrucks nicht abebben.

Schon jetzt nimmt die Gewalt bei Auseinandersetzungen der beteiligten Parteien zu, selbst Tote sind leider keine Seltenheit. Vermeintliche Einigungen lösen sich oft schon nach kurzer Zeit in Wohlgefallen auf… (Seite 2)


 

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