Kennen Sie den schon?

1. Mai 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

…Griechenland braucht wieder Geld! Ja, die Börsenwitze werden auch immer schlechter. Der war nicht nur nicht gut, der ist sogar uralt. Diese Meldungen gibt es alle Jahre wieder wie Weihnachten. Zudem ist Griechenland lange schon pleite, wenn auch nicht offiziell.

Im Juli wird das Geld wieder knapp. Müssen sich die Griechen Sorgen machen? Besser nicht, denn sie haben schon genug davon. Doch die Gläubiger sind in Sorge, dass sie nichts zurück zu bekommen. Deshalb geben sie gerne, um sich selbst damit auszahlen zu lassen. Es bleibt ja ohnehin in der Familie. Vielleicht diesmal mit weniger öffentlichem Krach und Stinkefingern. Was Griechenland benötigt, ist ein weiterer Schuldenschnitt, der aber nicht so heißen darf, sondern so etwas wie das Gegenteil davon. Durch das Totsparen lassen sich die versprochenen blühenden und grünen Landschaften inzwischen nur durch die Ausbringung von grünem Rollrasen aus Plastik erreichen.

Apropos grün: Während die Letzten jetzt noch in den Mai tanzen, fast hätten wir Schlittschuhe benötigt, kramen Experten alte Börsenregeln hervor: „Sell in May and go away!“ Wirklich? Statistisch gesehen ist der Mai ein schwacher Börsenmonat, außer es kommt anders. Auch die anderen Monate von Juni bis April können gefährlich sein. Sollten die Kurse sinken, sind die Griechen daran schuld, wird es dann heißen. Unsinn! Die Griechen können den DAX nicht erschrecken, höchstens die EZB. Deren Chef rät Sparern, ihr Geld nicht nur auf dem Sparbuch anzulegen, sondern auch andere Möglichkeiten zu nutzen. Aber welche? Für mehr Rendite müssen Sparer stärker ins Risiko gehen. Aber wer zwang sie dahin? Das ist wie jemanden zu verprügeln und Schmerzmittel aus Bonbondosen zu reichen, was schon wieder an Griechenland erinnert.

Nein, der war auch nicht gut! Aber was erwarten Sie?

Besonders witzig ist auch, dass es wieder neue Rekorde beim Bargeldumlauf gibt. Seit Einführung des Euro hat sich dieser auf 1,1 Billionen Euro verfünffacht und wuchs jedes Jahr um zehn Prozent. Drei Prozent der Scheine sind 500er. Da diese plötzlich als terrorverdächtig gelten bzw. als terrorverdächtig eingestuft wurden, werden sie wohl bald abgeschafft werden. Kriminelle würden ja niemals auf die Idee kommen, dann mit 200ern oder kleineren Einheiten zu bezahlen. In einigen Ländern gibt es schon eine Bargeldobergrenze, um es den bösen Buben schwerer zu machen. Was noch aussteht, sind die Erfolgsmeldungen, dass es deswegen auch weniger Kriminalität gibt. Aber darauf kann man lange warten. Das ist fast so sicher… wie… die Rente…

Auch hier deutet sich etwas an – wie man das „Rentenproblem“ auf ganz einfache Weise mit einem „großen Wurf“ lösen könnte. Man schraubt einfach das Rentenalter soweit nach, dass irgendwann keiner mehr Rente bekommt. Frau Nahles hat auf ihrem Rechenschieber eine 70 gefunden. Das ist natürlich falsch, denn wenn sie richtig rechnen könnte und würde, wäre eine Rente mit 100 die ideale Lösung. Die vollen Pensionen der Politiker ab 56 Jahren sind davon selbstverständlich ausgenommen.

Theoretisch könnte man dann auch auf die lästigen Einzahlungen in dieses schwarze Loch verzichten, aus dann keiner mehr etwas bekommt. Wichtige meinungsbildende Ökonomen oder ökonomische Meinungsbildner (wir sind uns bei dem Begriff nicht sicher) würden einen starken Aufschwung erwarten. Doch man sollte sich getrost darauf einstellen, dass es auch künftig heißen wird: „Die Rente ist sicher“. Gemeint sind Einzahlungen in diesen Moloch. Und damit wird der Blüm auch noch in 100 Jahren Recht behalten haben.
©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)

 

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2 Kommentare auf "Kennen Sie den schon?"

  1. cubus53 sagt:

    Unser System nähert sich dem Ende zu. Ich nenne es Geld-System, nicht etwa politisches System. Denn die wirkliche Macht liegt beim Geld, nicht bei den Politikern.

    Politiker sind nur Schauspieler, die sich darin gefallen, den Mantel der Macht zu tragen, aber zu dumm sind zu erkennen, dass sie von den wirklich Mächtigen nur an die Front geschickt werden.

    Soll ich mich nun freuen über das nahende Ende? Manche sagen sogar, wir sollten es forcieren. Nein, ich freue mich nicht, denn es könnte Schlimmes auf uns zu kommen. Wenn der eine noch drei Kartoffeln hat, der andere aber keine mehr, dann bleibt die Menschlichkeit auf der Strecke. Dieser Kampf um das nackte Überleben könnte für viele eine bittere Erfahrung werden.

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