Keine Zeit für Helden!

11. November 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

„Sage nicht alles, was Du weißt, aber wisse, was Du sagst!“. Das hat mir damals jemand in mein Poesie-Album geschrieben. Lange ist`s her, damals in der DDR. Ist dieser Satz schon wieder aktuell geworden?

Manchmal ist es einfach besser, die Klappe zu halten, denn vor der Zeit der Helden kommt erst die Zeit der Feiglinge und der Angepassten. Schauen Sie sich doch mal um!

Außerdem sieht man in der zweiten Reihe oft besser. Das sagte mir jemand aus den neuen Bundesländern. Dort hatte man gelernt bzw. auch lernen müssen, mit zwei Meinungen umzugehen – einer Offiziellen und einer Privaten. Man wusste das eine vom anderen wohl zu unterscheiden. Diese Erfahrung haben die Leute aus den alten Bundesländern noch nicht machen müssen. Kommt noch!

Wie aber wird man ein „guter Ossi? Meine Lust, eine Bedienungsanleitung dafür zu schreiben, wächst mit jeder politischen Sendung aus dem Fernsehen. Ist es nicht erstaunlich, dass ausgerechnet die FAZ den öffentlich-rechtlichen Sendern eine wachsende Staatsnähe attestierte?

Was der Staatsrundfunk sendet, darf gelten. Das andere nicht. Hier und da ein unbedarftes Wort, schon kann es ungemütlich werden. Lassen Sie das! Plaudern Sie besser über das Wetter, Urlaubspläne und Belangloses. Oder reden Sie ihrem Gegenüber einfach nach dem Mund, vor allem, wenn es der Chef ist. Schließlich sind die meisten Leute vom Lohn abhängig. Sollten Sie Schulden haben, dann verdoppeln Sie ihre Bemühungen der Anpassung, auch wenn man innerlich fast platzt.

Erwarten Sie keine Ehrlichkeit aus der Politik. Früher hieß es ja, „Die Partei, die Partei, die hat immer Recht!“ Heute irgendwie auch. Fragen Sie heute mal Parteimitglieder. So ein Ausschlussverfahren (aus der Gemeinschaft) soll nicht besonders angenehm sein. Gleiches gilt in Unternehmen. Es gibt ja schon erste Forderungen, missliebige Leute mit noch missliebigeren Meinungen ins Abseits zu drängen. Besser ist es, man lässt sich wie ein DDR-Bürger nicht in die Karten schauen und hat für den Notfall immer zwei Meinungen parat – mit einem Stinkfinger in der Hosentasche.

Außer, man kann sich eine eigene Meinung leisten. Aber wer kann das schon? Ein ernster Ratschlag: Meiden Sie im Rahmen der Flüchtlingsdebatte eine eigene Meinung. Sollten Sie aber in die Verlegenheit kommen und Farbe bekennen müssen, dann wiederholen Sie Sätze aus der letzten Rede der Kanzlerin, solange diese noch meinungsbildend wirkt. Das ist so unverfänglich wie das Gesagte selbst. Gedanken sind bekanntlich frei. Wer weiß wie lange noch…

Zeigen Sie sich flexibel und verfolgen Sie den Mainstream. Sonst verfolgt er Sie. Entweder man ist dafür, wie nach allen Umfragen im Sozialismus 105% der Leute, oder man zweifelt. Letzteres muss man sich leisten können und bedeutet auch noch viel Arbeit. Viel einfacher ist es da, sich eine Meinung von der Stange zu besorgen. Die VEB Bildungsindustrie hat dafür gesorgt, sich einfach bedienen zu können. Einfach den Staatsrundfunk ein – und das Hirn ausschalten, wenn man schnelle Hilfe benötigt.

Momentan geistern noch viele Begrifflichkeiten für Leute mit einer eigenen und anderen Meinungen durch die Gegend. Im Osten waren das „Andersdenkende“. Das war einfach zu verstehen: Wer nicht für uns ist, der ist gegen uns, sagte die Staatsführung und deren Erfüllungsgehilfen. 

Man kann den Eindruck gewinnen, das „Pack“ wird immer zahlreicher. Selbst besorgte Bürger sind plötzlich Pack und fast schon Nazis. Dabei geht es weniger um rechts oder links, sondern um mehr oder weniger Freiheit – um Libertarismus und Totalitarismus. Seien Sie vorsichtig mit Ihren Meinungen so gut oder so schlecht sie auch sein mögen, denn ich befürchte, dass der alte Satz aus meinem Poesiealbum, zu wissen, was man sagt und was nicht, zumindest für eine gewisse Zeit für mehr Ruhe und Gelassenheit sorgt. Erst wenn später die Sehnsucht nach mehr Freiheit um sich greift, weil sie dann spürbar fehlen wird, werden aus Feiglingen auch Helden. Oder Wendehälse…

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19 Kommentare auf "Keine Zeit für Helden!"

  1. Helmut Josef Weber sagt:

    Sehr geehrter Herr Mayer,
    Sie beschreiben ha geradezu noch paradiesische Zustände in Deutschland.
    Und ich denke, dass sich eine wachsende Anzahl von Spaniern dagegen lieber in der DDR vor 30 Jahren wohnen würden.
    So wird etwa die Teilnahme an einer spontanen Demonstration, den Aufruf zur selbigen oder das Fotografieren von Polizisten als „Vergehen gegen die Sicherheit der Bürger“ mit Geldbußen bis zu 600.000 Euro bestraft.
    Können Sie sich auch nur ansatzweise vorstellen, wie desolat es in einem Land aussehen muss, bevor eine Regierung zu solchen Maßnahmen greifen muss?

    Viele Grüße aus Andalusien
    H. J. Weber

    • Ralle sagt:

      … Frei nach Heinrich Heine (Deutschland ein Wintermaerchen).
      Denk ich an Taeuschlnd in der Nacht ( erweiterbar auf mannigfltige EU-Staaten)

      –> ja, daist esoft besser eigene Meinung zu verbergen um nicht in den Blickpunkt der Schergen zu geraten! vG Ralf

  2. M.Keil sagt:

    Lieber Herr Meyer
    Sie schreiben mir aus dem Herzen. Es macht einen Angst und Bange wohin unsere Republik steuert. Ich hatte das Priveleg ( kann man das so nennen ? ) 25 Jahre die DDR hautnah miterleben zu dürfen und in letzter Zeit schweifen meine Gedanken immer öfter in diese Zeit zurück. Es ist ein Déjà-vu vor allem was unsere Medien betrifft. Streckenweise bin ich entsetzt das es soviele Parallelen mit der untergegangenen DDR gibt, vor allem was die Meinungsbildung in diesen Land betrifft. Hoffen wir das beste für dieses Land und Politik und Medien finden zu ihren alten Werten zurück, ansonsten sehe ich schwarz und wir werden ein Volk haben was sich anpasst ohne selbst nachzudenken oder ihre eigenen Gedanken nicht mehr frei äußern kann oder sich traut.
    Es grüßt aus der schönen Oberlausitz
    M.Keil

  3. Insasse sagt:

    „„Sage nicht alles, was Du weißt, aber wisse, was Du sagst!“. Das hat mir damals jemand in mein Poesie-Album geschrieben. Lange ist`s her, damals in der DDR. Ist dieser Satz schon wieder aktuell geworden?“

    Ein Blick auf die politische Führung dieses Landes (Kanzlerin, Bundesgauckler, Innenminister etc.) und deren Vergangenheit genügt, um diese Frage eindeutig mit Ja zu beantworten. Altes DDR-Personal, alte DDR-Sitten. Das gilt insbesondere auch für die Meinungsfreiheit. Traurig aber wahr.

    Hier noch ein interessanter Netzfund: Woran erkennt man Nazis?

    http://www.netz-gegen-nazis.de/files/Flyer-gegen-Nazis-Facebook-Netzgegennazis-Lautgegennazis.pdf

    Punkt 4, vierter Spiegelstrich „…z.B. gegen Kindesmissbrauch, gegen den Euro…“ – Demnach bin ich ein Nazi. Ich bin verwirrt…

  4. Ivan Denisovitsch sagt:

    Demnächst werden Rufe in der Qualitätspresse laut, den Subbotnik einzuführen. Freiwillige Arbeit für die Staatsziele. Das soll flankiert werden durch sog. Tafeln der Helden (z.B. Hänschen Klein brachte 5 Flüchtlingen 50 Wörter bei) und der Schande (z.B. Fiede S. Verdient 1400 Euro und weigerte sich, 100 Euro zu spenden für die Ausrüstung der Volksfront von Judäa in S.). Diese werden pro Wohnviertel
    aufgestellt. Lt. Informierten Kreisen um den Erzengel G. Soll man sich vom Subbotnik 1 mal pro Woche befreien können, wenn nachweislich mindestens 666 Euro ökologisch verkonsumiert wurden (Bitte Belege beifügen)

  5. skadenz sagt:

    „Sage nicht alles, was Du weißt, aber wisse, was Du sagst!“
    .
    „Manchmal ist es einfach besser, die Klappe zu halten, ….. Schauen Sie sich doch mal um!“
    …. „Hier und da ein unbedarftes Wort, schon kann es ungemütlich werden.

    Ja, soweit ist der Totalitarismus im Land schon wieder Fortgeschritten

    Und die Wahrheit?
    Am seltensten kommt die Wahrheit Laut und in Massen daher – es ist an der Zeit zu Sortieren „die guten ins Kröpfchen die schlechten ins Töpfchen“

    Nicht jeder ist dazu gemacht Verantwortung zu übernehmen und Nicht jeder kann aus Seiner Verantwortung (Leben, Familie, Beruf) sich frei machen.

    Es ist Mehr denn Je an der Zeit Freunde zu finden, zu haben – Rückhalt, Ziele, Vertrauen –
    Freunde schweißen zusammen und Teilen “Freud wie Leid“

  6. Ernst Jünger sagt:

    Hallo Herr Meyer,

    ich muss leider widersprechen. Ich darf einen Helden vermelden:

    Ernst Hoffmann, Stadtverordneter der Stadt Ahrensburg. Ich zitiere das Hamburger Abendblatt:

    Ernst Hoffmann, CDU, legt wegen Bundespolitik Mandat nieder. Ab 2008 war der Ahrensburger, im Amt. Sein Fraktionschef ist verärgert.

    Hoffmann sagt: „Eine Partei, die dem unkontrollierten Zustrom von Flüchtlingen tatenlos zusieht und ihn fördert, hat das Wohl der eigenen Bürger aus den Augen verloren.“ Mit seinem Rückzug wolle er sich von dieser Politik distanzieren und ein Signal nach Berlin senden.

    Vielleicht sollte man an dieser Stellen dazu aufrufen, die Kontaktdaten zu suchen und sowohl Herrn Hoffmann als auch dem Fraktionsvorsitzenden, Herrn Koch, und auch Berlin seine Meinung bzw. Zuspruch mitzuteilen.

    Ich denke beides ist unbedingt notwendig, und der Haltung des Kaninchens vor der Schlange vorzuziehen.

  7. Dave sagt:

    Lieber Herr Mayer,
    vielen Dank für Ihren Artikel, ich denke viele fragen sich auch, was man überhaupt noch sagen darf und ziehen sich mit Ihrer Meinung eher ins Private zurück.
    Da ich Sie bisher immer als einen der Helden gesehen habe, um bei Ihrer eigenen Wortwahl zu bleiben, frage ich mich, ob es ein konkretes Negativereignis gegeben hat, das Sie diese Warnung schreiben lässt…

  8. bluestar sagt:

    Sehr guter Artikel, der mich nachdenklich stimmt.
    Natürlich sind die Vergleiche mit den Verhältnissen in der DDR angebracht, aber nur zum Teil.
    Meiner eigenen Erfahrung nach waren die Ossis damals gebildeter, offener und systemkritischer wie die Menschen heute. Es gab eine gesellschaftliche Alternative unweit der Mauer mit Informationen im TV und Orientierungsfunktion.
    Und heute ? Gibt es keine realistische und greifbare gesellschaftliche Alternative mehr.
    Wogegen wir sind ist klar, aber wo ist der Weg, wo ist die Vision ?
    Und: Mittlerweile haben Propaganda, Lügen, Verdummung und Angsterzeugung tiefe Spuren in den Hirnen der Menschen hinterlassen, welche viel zu faul sind sich aus Informationen und Fakten eine eigene Meinung zu bilden und lieber den Mainstream nachplappern. Wie in allen absteigenden Gesellschaften in denen sich die Widersprüche verschärfen haben Propaganda, Bevormundung und diktatorische Züge Konjunktur. Ebenso sind Mitläufer, Duckmäuser, Wichtigtuer, Mittelmaß mit Geltungsdrang, Politiker ohne Skrupel gefragt.
    Die Frage ist: Wer sind die Täter, Nutznießer und welche Agenda haben sie ???

  9. Lickneeson sagt:

    Wie sagte schon Dieter Nuhr mal nebenbei: „Man DARF eine Meinung haben, man MUSS nicht. Wenn man von etwas keine Ahnung hat – einfach mal Fresse halten“.

    Sehr wahr, wird leider selten angenommen. Sowohl in der Politik, den Medien und auch in vielen Blogs wird auch der letzte Funken Verstand aus den Hirnen geblasen. Wobei die Blogs meist völlig am Niveau vorbeischreddern und ins verbale Urinal ablaufen. Je nach Thematik blökt man gemeinsam auf demselben Horn und zeigt mit den Fingern auf „die anderen Idioten da draussen“.

    Wer eine Meinung hat, und da verweise ich auf den gestern verstorbenen Altkanzler Schmidt, der soll sie auch vertreten – gegen alle Widerstände. Sonst gehen hier wirklich bald alle Lichter aus im vereinten Dunkeldeutschland.

    MfG

  10. Sandra sagt:

    Für Sicherheiten muß man Freiheiten aufgeben und andersherum. Was ist daran neu? Nichts.

  11. M.Schmidt sagt:

    GANZ EGAL
    welche Meinung man vertritt, das ist immer einer Frage der Interpretation…Sage zu jmd GUTEN MORGEN kann das schon politisch ausgelegt werden, weil es gesagt wurde, sage es nicht, ist es genauso politisch auffällig…..„Sage nicht alles, was Du weißt, aber wisse, was Du sagst!“ …. der orwellsche Sprech führt sich doch selbst ad absurdum und die Überwachungsprogramme mit ihren sogenannten Selktoren werden elend daran scheitern….in Endlosschleifen verhungern….

    In diesem Sinne
    GUTEN ABEND
    Michael Schmidt

  12. Schuldig sagt:

    Ein feiner, subtiler Artikel, so denke ich.
    Als DDR-Bürger (67) war ich keinesfalls von diesem sozialistischen Staat begeistert und hatte sehr oft politische Reibereien. Ich galt als“Andersdenkender“( Oppositineller im damaligen Sprachgebrauch). Repressionen existentieller Art habe ich dennoch nicht persönlich erlebt, wenn man einmal davon absieht, daß ich mich erst einmal 1 jahr lang in der Praxis ( als Traktorist) bewähren mußte , „um mir einen klaren politischen Standpunkt zu schaffen “ (steht fast so wörtlich im verbalen Teil meines Abizeugnisses), bevor ich letztlich über weiteren jahrelangen Umweg mein Studium absolvieren konnte. Aber als Pack hat mich niemand in der DDR bezeichnet. Ich war eben nur ein Andersdenkender, der es sich und anderen gewiß nicht leicht gemacht hatte und es deswegen nicht leicht hatte. Aus heutiger Sicht und im Bick auf die unsägliche BRD bedauere ich meine damalige Haltung teilweise. Zumindest hatte ich – im Gegensatz zu heute – nämlich niemals den Eindruck in einem faschistischen Staat zu leben und ich hatte zu keiner Zeit Existenzangst, das wohl entscheidende Gefühl, was unser grundsätzliches Leben in jedem System bestimmt.

    Ich habe verstanden (glaube ich), was der Autor aussagt. Aber die einzige Alternative für mich ist es, jedem (Zuhörenden) in’s Gesicht zu sagen und zu begründen: In der DDR wurden wir von Unfähigen regiert, heute von Verbrechern. Und wenn ich deswegen als Pack oder als Nazi oder als Rechter bezeichnet werde: was soll’s. Mich berührt es nicht in meiner Grundüberzeugung. Es gibt für mich nur die Unterscheidung zwischen Wahrheit und Lüge. Die Kommunisten haben mir den Mund nicht verbieten können und die Zonis Merkel, Gauck,die Misere (oder wie der heißt) und Konsorten schaffen es auch nicht. Ich bin ein aufmerksamer Tropfen und es werden immer mehr …..

    • FDominicus sagt:

      Ich persönlich glaube Ihnen das nicht. Sie waren sicher angepaßt genug um nicht allzuviel Aufwand zu bedeuten. Hätte Sie die Stasi abgeholt, hätte Ihnen alles passieren können. Und auch haben Sie es ja nicht gewagt oder angegangen die DDR zu verlassen. Diese Sprüche so schlimm war das Alles nicht, kaufe ich niemandem ab.

    • Ulrich sagt:

      Nur so am Rande: der „Zoni“ (Lothar) de Maizière hat sich schon vor Jahren aus der Politik zurückgezogen (sicher aus gutem Grund) und seine Äußerungen über seine ehem. Regierungssprecherin A.M. zeichnen sich durch diplomatische Zurückhaltung aus. Sein Cousin Thomas ist gebürtiger Bonner, als Wessi geprägt und probt z.Z. den Aufstand.

  13. GasKlaus sagt:

    Bin leider ein Wessi.
    Jetzt weiss ich auch, dass ich mich dafür schämen muss.
    und das ist ernst gemeint…

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