Keine Zeit aber jede Menge Kohle!

13. Dezember 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Nichts ist so schwierig auszumerzen wie eine schlechte Angewohnheit. An den Märkten gibt es derzeit eine dominante Angewohnheit und die besteht darin, die gleichen Kartons wie alle anderen ins Depot zu packen ohne vorher hereinzuschauen… 

Ähnlich wie Tütensuppen für die schnelle Dosis Salzbrühe so verstehen viele hoffnungsfrohe Anleger Finanzprodukte als eine Art „Maggi Fix für finanzielle Unabhängigkeit“.

Nur noch heiße Luft einfüllen!

Nur noch etwas heiße Luft einfüllen – Fertig!

Nur so ist es zu erklären, wenn Menschen gleichzeitig glauben, Märkte seien effizient und den Erfolg passiver Anlagen feiern. Märkte sind angeblich deshalb effizient, weil die Masse an Investoren durch ihre harte analytische Gruppenarbeit für eine korrekte Bewertung des Ganzen sorgt. Angesichts des anhaltenden Trends zur passiven Anlage, bei der oft ein Index gekauft wird und sich niemand darum schert, was im Index steckt, entdecken nicht nur die Freunde Sherlock Holmes‘ hier einen Widerspruch. Abgesehen davon halten wir von der Theorie der „Schwarmintelligenz“ nichts. Für dieses Urteil genügen uns einige Leseabende im Kompendium der Weltgeschichte, ein Überfliegen der Rezensionen im Online-Kaufhaus oder der Rückblick auf die Finanzmärkte der letzten 20 Jahre.

Nun ist der Ansatz, Laien lieber zu passiven Investoren zu erziehen, durchaus nachvollziehbar. Wer nicht erfolgreich Aktien auswählen kann, für den sollte sich auch die Bewertung aktiver Fonds als unmöglich erweisen. In der Regel bleiben viele Privatinvestoren dann bei der ebenso beliebten wie falschen „Auswertung“ des Anlageerfolgs der letzten paar Jahre hängen. Der Fonds F ist besser, weil der ja in den letzten 3 Jahren besser lief als der Fonds K. Sich die Risiken anzuschauen ist für viele schon zu aufwändig und so folgt man diesem Ansatz. In Abwärtsmärkten zerlegen sich dann die aggressiven Produkte, deren Strategie oft nur daraus besteht, den größten Schrott mit den höchsten nominalen Renditen zu kaufen, rasch. Das ist keine neue Erkenntnis. Es ein immer wiederkehrendes Phänomen. Den Menschen fällt es nicht leicht, Investmententscheidungen rational zu treffen. Der kurzfristige Erfolg fällt ins Auge und vielleicht kennt man noch jemanden, der auch diesen tollen Fonds hat und natürlich – wie sollte es in diesem Falle anders sein – diesen weiterempfiehlt, obwohl er selbst ebenfalls keinen Plan hat. Dazu kommt der Neid auf andere Anleger die mehr Buchgewinne vorzuweisen haben.

Das Muster ist bekannt. Früher waren es die Internetexperten, die zwar beruflich Sozialversicherungsfachangestellter waren, aber im Kern eben doch Internetexperten. Meistens reichten die abgelesenen Kenntnisse nicht einmal zur Unterscheidung des world wide web vom Internet, aber wer will schon Haare spalten. Heute ist es der Blockchain-Papst, morgen sind es die Robo-Empfehler. Experten wohin man blickt. Finanzen kann eben jeder. Bis es schiefgeht. Es gibt eine einfache Regel ob man jemandem zuhören sollte, der einem im privaten Umfeld heiße Tipps gibt. Wenn man sich für langfristige Geldanlage interessiert, sollte man einen weiten Bogen um die Ratschläge von Menschen machen, die jeden Tag ihren Depotwert anschauen. Manche tun dies sogar mehrmals täglich, was abgesehen von aktiven professionellen Tradern auf ein zumindest beginnendes Suchtverhalten hindeutet. Lassen Sie sich nicht in ein solches Verhalten hineinziehen.

Ein letzter Blick soll den aktiven Fonds gelten. Deren Performance gegenüber den üblichen Vergleichsindizes ist nicht besonders attraktiv. Die folgende Tabelle zeigt einen Ausschnitt aus den regelmäßig erscheinenden SPIVA Reports von S&P. Das größte Problem sind in der Regel die Kosten und fehlende konsistente Anlageprozesse.

Aktive Manager haben Probleme ihre Benchmarks zu schlagen.

Die übliche Schlussfolgerung legt nahe, ein passiver Investor würde in den genannten Zeiträumen zwingend besser abschneiden. Das ist mitnichten der Fall, denn der passive Investor muss die zwischenzeitlichen Kursverluste der passiven Fonds durchhalten. Diese haben auch beim DAX schon mal 75% erreicht, inklusive Dividenden und vor Kosten. Die wenigsten Anleger halten das durch. Wer einmal an der falschen Stelle gezuckt hat, der kommt möglicherweise bei noch viel schlechteren Ergebnissen heraus als die aktiven Manager in der Tabelle. So ist auch der Bericht von Hedge Fund Manager David Druz interessant. Druz ist offenbar auch nach 40 Jahren unfassbar erfolgreicher Arbeit selbst völlig zurecht von der mangelnden Disziplin vieler Anleger und den Folgen überrascht. Seine Kernprodukt fuhr über knapp 40 Jahre 17% jährlich ein, nach allen Kosten. Die Hälfte seiner Anleger schaffte es dennoch auf Grund dämlicher Ein- und Ausstiege mit diesem Produkt Geld zu verlieren. Ein fast unmögliches Unterfangen, denn schon auf Sicht von nur 10 Jahren hätte ein Anleger sein Geld in etwa verfünffacht.

Genauso wie man aktive Manager nicht überschätzen sollte, sollte man auch die eigene Disziplin nicht überschätzen. Die meisten Menschen werden schon bei Verlusten von rund 25% nervös. Da kommen dann Kostolanys Schlaftabletten wieder ins Spiel. Kostolany war ein schlauer Mann.

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2 Kommentare auf "Keine Zeit aber jede Menge Kohle!"

  1. tito sagt:

    Hallo Herr Rott,
    schöner Artikel!

    „Die meisten Menschen werden schon bei Verlusten von rund 25% nervös.“
    Da kann ich Ihnen nur zustimmen aus zwei Gründen:
    1. weil man in Panik verkaufen möchte
    2. weil es einem kribbelt und man nachkaufen möchte.
    Jeder sollte die Entfaltung der Kraft aus einer solchen Erfahrung wirklich einmal erlebt haben. Es gibt aber im Umgang mit Verlusten viele widersprüchliche Strategien, leider gibt es dazu keine generelle „goldene Regel“, oder?

    David Druz kannte ich bis jetzt noch nicht. Ich habe ein wenig recherchiert und musste feststellen dass seine Returns sich wirklich sehen lassen können, chapeau! Allerdings ist sein Unternehmen nicht unbedingt für einen Kleinanleger geeignet weil man bei ihm schon mit einem Geldkoffer von 10Mio vorfahren muss, bevor man seine Dienste in Anspruch nehmen kann.
    Gibt es Alternativen?

    Herzliche Grüsse und Danke
    tito

    • Skyjumper sagt:

      „Gibt es Alternativen?“

      Gibt es. Fleiß, Erfahrung und Selbstdisziplin. Und letzteres VOR dem Kauf.

      Nach einigen Jahrzehnten an dr Börse kann ich rekapitulieren, dass ich in 2 Zeitspannen am erfolgreichsten war. In den ersten, und in den letzten Jahren. In den ersten Jahren habe ich auf Teufel komm raus spekuliert. „all in“ am laufenden Band. Und „all in“ meinte genau das: Alles was ich hatte. Nur hatte ich noch nicht so viel und lebte noch im Elternhaus. Ich habe immer vorher alles an Informationen versucht auszuwerten. Das war zu der Zeit zugegebenerweise viel weniger als es einem heute zur Verfügung steht. Dieses Prinzip lief wie geschnitten Brot. Ich habe viel verloren, aber noch viel mehr gewonnen.

      Dann kam eine Phase wo ich nach dem gleichen Schema verfuhr, genauso sorgfältig vorbereitete. Aber mittlerweile war ich im Berufsleben, verdiente Geld, unterhielt meinen eigenen Wohnsitz und spielte mit viel höheren Summen. Plötzlich verlor ich mehr als ich gewann. Rückblickend stimmte mein Timing einfach nicht mehr. Es ging nämlich nicht nur um höhere Summen, sondern auch um mehr Verantwortung. Ich habe oft nicht gut geschlafen in der Zeit.

      Heute agiere ich nach einem relativ simplen Schema. Zunächst einmal habe ich eine recht regide Aufteilung meines Vermögens. Der die Hälfte ist erzkonservativ verwahrt, von investiert möchte ich da nicht sprechen. Einziger Fokus ist der Erhalt. Die andere Hälfte ist investiert und soll einen Ertrag abwerfen. Allerdings ist dieser Teil nie mehr in einer einzigen Anlage. Es gibt kein „all in“ mehr bei mir. Ich mache immer noch hochrisikobehaftete Anlagen. Aber nie mehr kommt da ein Vermögensanteil von mehr als 2-3 % bei raus. Und genau das ist die Entscheidung die man vor dem Kauf treffen muss.

      Ein Buchverlust von 25%, 50% oder 90% macht mich heute nicht mehr nervös. Wenn es so sein soll, dann ist das eben ein Totalverlust und mein Vermögen reduziert sich entsprechend. Meist merke ich es am Jahresende nicht mal mehr weil die anderen Geschäfte es überkompensiert haben. Seitdem stimmt mein Timing auch wieder. Würde ich Haus und Hof auf 1 Aktie stehen haben würden meine Nerven auch blank liegen.

      Meiner Meinung nach ist der Hauptteil der Selbstdisziplin daher vor dem Kauf aufzubringen. Nämlich bei der Entscheidung wieviel ich kaufe. Und das zugrundeliegende Konzept nennt sich Diversifikation nach persönlichen Möglichkeiten.

      Nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt dass eine gute Vorbereitung selbstredend trotzdem dazu gehört. Man sollte das Ziel seiner Begierde kennen und das Konstrukt verstehen. Kaufen Sie nie etwas bei dem Sie nicht verstanden haben wie und warum sich der Preis verändert.

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