Keine Risiken, keine Nebenwirkungen

8. Juni 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Mack & Weise

Obwohl die Krise in der Eurozone laut EZB-Chef Draghi nun „hinter uns liegt“ und die wirtschaftliche Erholung „über Ländergrenzen und Sektoren hinweg solide und zusehends breiter angelegt ist“, sehen die „Hüter“ der mit 4.196 Mrd. Euro nunmehr „schwersten“ Notenbankbilanz der Welt noch immer keine Gründe, ihre im März 2015 zur Rettung der Eurozone etablierte Staatsfinanzierung auch nur ansatzweise einzuschränken.

Konnte sich Draghis Druckerpressenpolitik lange Zeit der breiten Zustimmung der Politik erfreuen, so gilt dieses nach einer Parlamentsanhörung Draghis in den Niederlanden seit Mai nur noch eingeschränkt. Deutlich stieß die aktuelle EZB-Geldpolitik dort nicht nur auf Ablehnung, Pieter Duisenberg, der Sohn des ersten EZB-Chefs, schenkte Draghi zum Abschied obendrein eine … Tulpe, womit dieser – in Mahnung an die 1637 in den Niederlanden geplatzte Tulpenzwiebel-Spekulationsblase – plakativ auf die Folgen der EZB-Politik hinwies.

Konjunktur:

Über der von Trump-Verheißungen getragenen US-Konjunktur ziehen inzwischen immer dunklere Wolken auf. Hatte bislang schon der Einzelhandel schwer zu kämpfen, so ist nun auch die US-Autobranche betroffen. Hier zeichnet sich sogar eine veritable Rezession am Horizont ab, sanken doch zuletzt die Fahrzeugabsätze bereits den vierten Monat in Folge, während der US-Lagerbestand an Autos ein 13-Jahreshoch markierte und Neuwagen – wie zuletzt 2009 – erst nach mehr als 70 Tagen einen Käufer fanden.

Zwangsläufig kassierten die US-Autobauer nun nicht nur ihre Umsatz-Prognosen, auch kündigten sie die Kürzung ihrer Produktion und Belegschaft an. Erstmals seit Januar 2009 stottern nun drei große Automärkte gleichzeitig, gingen doch im April auch die Absätze in Westeuropa und China zurück! Verfestigen sich diese Entwicklungen, dann dürfte die globale 2,7%-Weltbank-Wachstumsprognose dieses Jahr nur schwer zu erreichen sein.

Finanzmärkte:

Zwar behauptet EZB-Chef Draghi unermüdlich, dass die „Nebenwirkungen“ seiner Geldpolitik „begrenzt geblieben wären“, doch wird diese Aussage – auch nach noch so vielen Wiederholungen – mit Blick auf die von seiner Geldpolitik befeuerten größten Finanzblasen der Geschichte nicht wahrer! Schließlich rentieren derzeit „dank“ Draghi stattliche 40% (!) aller europäischen Staatsschulden im Negativbereich und bei einer aktuellen Rendite von nur noch 2,7% am … „Hochzins“-Ramsch-Anleihemarkt muss dort schon von alle Risiken ignorierenden Verzweiflungskäufen gesprochen werden.

Aktien:

Die US-Aktienmärkte sind weiter auf Rekordjagd, ungeachtet der jüngsten Warnung der Bank of America, dass mittlerweile 18 von 20 Kennzahlen des S&P 500 eine deutliche Überbewertung anzeigen. Und obwohl die Rallye hauptsächlich nur noch von den FAANG-Aktien (Facebook, Amazon, Apple, Netflix, Google) getriebenen wird, und die Investoren mit aktuell 549,2 Mrd. USD den gewaltigsten Kredithebel aller Zeiten einsetzen, treibt die Sorglosigkeit immer größerer Blüten.

Jeder wähnt sich besonders werthaltige „Zwiebeln“ zu besitzen, obwohl doch die US-Unternehmen nicht nur ihre Verschuldung in den letzten sieben Jahren um unfassbare 7.800 Mrd. USD erhöht haben, sondern bereits jedes zehnte (!) US-Unternehmen – trotz rekordtiefer Zinsen – die resultierenden Zinslasten nicht aus laufenden Gewinnen leisten kann.

Fondsmanager-Kommentar:

Gleich zu Monatsbeginn musste Gold den größten Wochenverlust seit November 2011 erleiden, der einmal mehr durch blitzartige, hochvolumige COMEX-Papiergold(leer)verkäufe verursacht wurde.

Auch wenn das augenfällige COMEX-Preismanagement die Kurse von Gold, Silber oder den Edelmetallminenaktien immer wieder Kapriolen schießen lässt, so eröffnen sich dadurch auch immer wieder quasi „subventionierte“ (Nach-)Kaufchancen, wie die deutliche Kurserholung im Monatsverlauf wieder gezeigt hat.
© Mack & Weise – Homepage

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