Keine Milliarden. Kein Mitleid. Keine Geschenke?

6. Dezember 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Das war völlig daneben, liebe EZB, nicht noch mehr Gelddrogen zu liefern – und das vor dem Fest! Damit killte der vermeintliche Super-Mario die größte jemals gefühlte Jahresendrally der Welt an der Börse…

Das „kostete“ den DAX allein 700 Punkte binnen zwei Stunden. Die allwissenden Experten glaubten von Tag zu Tag an die eine neue Geldschwemme ganz fest, so fest wie ein Verband um den Oberarm eines Junkies vor der nächsten Injektion. Zum Börsenfeste nur das Beste! Hat sich jemand für den Unsinn entschuldigt?

Dabei war es klar. Der Euro soll künftig eine stärkere Weichwährung werden. Hä? Schwache Währungen sind ja gute bzw. starke Währungen. Nein? Entsprechend stieg der DAX. Wahrscheinlich aus Angst als aus Freude. Nach oben ging es jedoch mühsam über die Treppe und rasant dann abwärts mit dem Fahrstuhl bzw. über den Balkon – wie sich eben Geldsüchtige unter Entzug verhalten.

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Die EZB „vernichtete“ mit ihrer Nicht-Entscheidung rund 60 Milliarden Euro an Börsenwert allein im DAX, also einer ganzen normalen monatlichen Druck-Einheit. Europaweit summiert sich der „Schaden“ übrigens auf einige hundert Milliarden Euro. Zusammengerechnet sind das die Preisrückgänge bei allen europäischen Indizes und dem Kursabschlag des billionenschweren Anleihemarktes. Wie viel ist das eigentlich?

Nun, Lübeck allein hätte sich davon locker zehn oder zwanzig weitere sinnlose Flughäfen leisten und ein weiteres Holsten-Tor aus purem Gold. Den maroden Konzertsaal hätte man einhundert Mal renovieren können. Es hätte sogar noch für 40.000 Stunden Dauerkonzert mit Justin Bieber gereicht. Aber wer will das schon?

Lübecks Stadtfinanzen wären auf Jahrhunderte saniert. Jedes Schlagloch hätte zudem eine goldene Füllung erhalten können. Genug wäre dann auch noch übrig, um das Wasser im Hafen durch prickelnden Champagner zu ersetzen. Nein, soviel Champagner gibt es gar nicht!

Das alles wäre jedoch sinnvoller, als jetzt dumm dazustehen und den Christbaum anzubeten, dass der Draghi doch noch mehr frisches Geld für eine bessere (Börsen-)Welt liefern möge. Schon am Freitag legte er in einem Interview nach „Es gibt keine Grenzen!“ Siehste? Wir wissen doch: Die EZB kann nicht anders mit ihrem „Weihnachten, was nie endet“…

Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)

 

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3 Kommentare auf "Keine Milliarden. Kein Mitleid. Keine Geschenke?"

  1. Hallo,

    ist schon unglaublich wie schnell die meisten sogenannten Experten das kleine einmal eins der Börse vergessen haben (oder einfach aus Profitgier beiseite geschoben). Früher ist den Börsen wichtig gewesen wie gut die Wirtschaft läuft oder nicht. Oder welche Firmen solide wirtschaften oder nicht. Daran wurden die Kurse dann festgemacht. Heute warten alle auf eine Entscheidung eines einzelnen und danach spielen die Kurse verrückt ( nach oben oder nach unten). Bin mal gespannt wie lange das noch so weiter geht. Ich hoffe zudem, das wieder die Vernunft an den Börsen einzug hält, bevor es zu einer großen Finanziellen Katastrophe kommt.

    Gruß Klaus-Dieter

  2. Sebastian sagt:

    Wieder mal ein Klasse Artikel. Nach dem Lacher kann ich jetzt gut schlafen.
    Danke Herr Meyer!

  3. Argonautiker sagt:

    Verständlich würde das eigentlich nur dann, wenn es längst abgemachte Sache ist, daß die Währung/en kollabieren sollen, und es einfach nur um das Zeitschinden geht, bis man alles für die Währungsreform bereitet hat. Dann könnte man sie auch vorher ruhig bis zur Unkenntlichkeit verwässern.

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