Keine Kohle für Erholung

30. August 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Wenn es an den Finanzmärkten nach Rauch riecht, rennen manche dem Qualm entgegen. Es kann schließlich nicht sein, dass es brennt, weil mit einem Brand niemand etwas anfangen kann. Immer noch herrscht der Irrglaube, der Finanzmarkt sei dazu da, Renditewünsche zu erfüllen…

Niemand käme auf die Idee, das Meer sei immer passend für ein Badeabenteuer temperiert. Nur die wenigsten springen im Dezember voller Wonne in die Nordsee um ein bisschen zu plantschen. Am Finanzmarkt darf es jedoch nur den Sommer geben. Manchmal darf es regnen. Das geht schon in Ordnung Herr Markt. Aber generell wären 5% pro Jahr nach Kosten prima. Mehr ist auch in Ordnung.

Diese vollkommen groteske Vorstellung ändert sich auch nicht, wenn die Planer umgeben von den rauchenden Trümmern benachbarter Marktbrände umgeben sind. Unfälle passieren eben nur den anderen.

In vielen Segementen stochern die Anleger derzeit in der heißen Glut und grabschen nach allem was noch da ist. Mal redet man sich die Renditeniveaus der Emerging Markets schön, mal sind es die High Yield Bonds, mal sind es die Aktien, die natürlich bewertungsunabhängig nur steigen können.

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Trotz der Erholung bei vielen Rohstoffen und einer in einigen Sektoren möglichen Bodenbildung kämpfen viele Firmen im Sektor noch immer mit mit dem Überleben.

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Ein Blick auf einige Preisverläufe macht klar, warum die Erholung in mancher Bilanz allein durch Kostenreduktion oder Verkäufe von Firmenteilen zustande kam. Das ist eine gute Sache, schlussendlich muss man erst einmal überleben um alt zu werden. Bis zu alten Ertragsniveaus ist es jedoch bei vielen Firmen noch ein sehr weiter Weg. Für zahlreichen Firmen muss schon eine wesentlich ausgeprägtere Erholung kommen, um die aktuellen Niveaus zu rechtfertigen. Und wenn jemand damit rechnet, das Kupfer sich verdopppelt, warum sollte er dann die Anleihe einer angeschlagenen Kupfermine mit gerade noch 6% Rendite kaufen und nicht gleich ein paar Kupferkontrakte.

nick

Die meisten angeschlagenen Bonds stammen größtenteils aus den Sektoren Energie und Bergbau. Die Aufwärtskorrektur auch bei den Anleihen von Firmen, die von Woche zu Woche das nötige Geld zusammenkratzen hat so gut wie keine attraktiven Gelegenheiten in diesen Segmenten des Anleihemarktes übriggelassen. Angesichts des aktuellen Herdentriebs gerät das Hinterfragen von Renditeniveaus jedoch nicht mehr zum guten Ton.

Beachten sollte man bei der Beurteilung der aktuellen Risikoaufschläge die drastisch gesunkene Kreditqualität und die damit verbundenen geringeren Restwerte im Falle einer Pleite (recovery). Der mittlere Wert für diese Restwerte ist in den letzten Monaten auf ein neues Tief gefallen. Verblieben früher bei leveraged loans noch 67% so sind es derzeit 41%. Das sind Welten.

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Wenn man als Anleger trotzdem nur die selben Risikoprämien für die Anleihen erhält wie zuvor, dann ist der Markt nicht genauso teuer wie vorher sondern wesentlich teurer. Das geht in vielen „Analysen“ unter, die lediglich Renditen gegenüberstellen.

Die aktuellen Risikoaufschläge sind in keiner Weise angemessen und befinden sich auf einem lächerlich niedrigen Niveau. Die Chancen und die Risiken stehen in einem derartigen Missverhältnis, dass -0,4% Verzinsung auf dem Konto zusehendes attraktiver wirken.

Sollte es mal wieder brennen, warten Sie bis der Qualm sich gelegt hat. Einfach in die Glut greifen ist nie eine gute Idee.

 

 

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