Keine Dollars? Dann wird’s brenzlig!

11. November 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Seit einigen Wochen steigt die Anspannung in den EU-Banken. Nachdem man die Suche nach einem Geschäftsmodell aufgegeben hat kümmert man sich nun um seine Dollarverbindlichkeiten. Wer die vergangenen Jahre nicht zum Aufräumen seiner Bilanz genutzt hat, dem bleibt wohl erneut nur die Hoffnung auf eine Rettung durch die Zentralbanken. 

Die aktuellen Wellen, die den Euro gegen den Dollar wieder ein bisschen Luft schnappen lassen, werden vor allem mit der US-Wahl und den Visionen mancher Propheten erklärt, was passiert wenn der gewinnt, von dem die gleichen Propheten sagten, er könne nicht gewinnen. Auf solche Propheten sollte man nicht hören, denn abgesehen von der Hand am vermeintlichen Denkerkinn und einer penetranten Medienpräsenz haben sie nicht viel zu bieten. An den wichtigen Themen am Devisenmarkt ändert auch eine politische Börse, die bekanntlich kurze Beine hat, nichts.

Mehrmals berichteten wir über die anstehende mögliche Klemme bei der Dollarfinanzierung für Banken außerhalb der USA. Das Problem ist einfach darzustellen aber nicht leicht zu lösen. Viele europäische Banken haben beachtliche Bestände an Dollar-Papieren in den Büchern. Diese Positionen müssen mehr oder weniger häufig refinanziert werden. Nun legen Banken gerne langfristig an und finanzieren kurzfristig. Das umschreibt man gerne mit dem Begriff „Fristentransformation“. Jedem normalen Kaufmann lässt so etwas die Haare zu Berge stehen, aber lang anlegen und mit entsprechender Laufzeit zu finanzieren ist einfach zu margenschwach und langweilig. Der Umkehrschluss gilt natürlich nicht immer. Ständiges kurzfristiges Refinanzieren mag spannend sein. Ob eine solche Vorgehensweise jedoch profitabler ist, sollte man erst im Nachhinein beurteilen. Angesichts der kumulierten Bankgewinne der letzten hundert Jahre muss man wohl noch mal rund tausend Jahre warten, um verlässliche schwarze Zahlen zu sehen.

Das Risiko einer solchen „kurzfristig leihen und langfristig anlegen“- Vorgehensweise ist hoch. Dieses Risiko steigt zudem enorm an, wenn die kurzfristige Refinanzierung in einer Fremdwährung erfolgen muss. Genau mit diesem Risiko schlagen sich derzeit viele europäische Banken herum.

Solange es eine ausreichende Nachfrage nach kurzlaufenden Dollarpapieren europäischer Banken gibt, ist alles entspannt. Sinkt diese Nachfrage abrupt steigt die Anspannung. Wer dieses Risiko frühzeitig erkannt hat, konnte gegensteuern und zu einer längerfristigen Finanzierung übergehen. Zeit genug dafür war allemal. Das ist zwar erst einmal teurer, aber das Risiko einer Finanzierungsklemme ist vom Tisch.

Eine sinkende Nachfrage nach kurzlaufenden Dollar-Papieren war seit mehr als einem Jahr sicher zu erwarten. Die Ursache dafür ist eine seit geraumer Zeit bekannte Änderung in der Regulierung der US-Geldmarktfonds. Siehe dazu unser Artikel aus dem April des Jahres 2015.

Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung des Anteils nichtstaatlicher Papiere in den US-Geldmarktfonds.

proptrend

Die Länder, deren Banken am meisten  unter dem Abgabedruck gelitten haben, sind folgender Tabelle zu entnehmen. Prominent vertreten sind mit Abstand die französischen Institute.

assprime

Wer den oben genannten Artikel gelesen hat, den wird das nicht überraschen. Hier noch einmal die im April 2015 veröffentlichte Grafik mit den Herkunftsländern der am stärksten vertretenen Emittenten. So eine Überraschung.

Ein Blick auf die ausstehenden Volumina der von Banken emittierten kurzfristigen Dollar Papiere in den USA belohnt den Beobachter mit einem klaren Bild.

Die wundervolle und über mehrere Quartale vorhandene Gelegenheit haben die europäischen Banken jedoch offenbar nicht so umfangreich genutzt, wie es angemessen gewesen wäre. Nun kommt der Bumerang auf Kopfhöhe zurückgeflogen. Die Kosten für kurzfristige Dollarfinanzierungen ziehen seit Monaten deutlich an. Die folgende Grafik zeigt den Verlauf des 3-Monats-LIBOR.

lib

Diese Veränderung ist wesentlich relevanter als das gesamte Geschwafel von Frau Yellen und ihren Arbeitskollegen. Auch das mediale Dauerfeuer der Interpretation inhaltsamer Äußerungen von Zentralbänkern erinnert an blinde Archäologen die im Vakuum herumstochern.

Wer langfristig angelegt hat und kurzfristig zu diesem deutlich gestiegenen Satz refinanzieren muss, der darf die Veränderung der letzten 12 Monate von nunmehr 30 Basispunkten direkt von der Marge abziehen. Diese 0,3% klingen nicht aufregend. Dummerweise sind die Renditen der langfristigen Anlagen ebenfalls sehr dünn, so dass bereits diese marginale Veränderung überaus schmerzhaft ist. Gleichzeitig sind die langfristigen Sätze leicht angestiegen, so dass die langfristigen Anlagen Kursverluste zu verzeichnen haben. Was es bedeutet, wenn man sich erst Geld billig leiht, sich davon etwas überteuertes kauft, dessen Preis dann fällt, während die Finanzierungskosten steigen, kann sich jeder ausmalen.

Die Auswirkungen der steigenden Zinsen in den USA spüren natürlich nicht nur ausländische Banken. Auch ein Volumen von zig Milliarden Konsumkrediten in den Staaten hängen direkt von den LIBOR Sätzen ab. Die Attraktivität für die Vergabe kurzlaufender Kredite in den Staaten steigt somit. Für den Konsumenten aber gilt das Gegenteil. Kurz vor der Rezession aber kann es ohnehin nicht schaden, sich schon mal an sinkende Nachfrage gewöhnen. Wenn in der „Ökonomie 0.3“ schon steigende Preise gut für die Wirtschaft sein sollen, dann müssten diese gemeinsam mit sinkender Nachfrage direkt einen neuen Boom entfachen. Neben dem Modethema „Internet of Things“ gibt es dann in Bälde eben eine wachsende „Realwirtschaft des Nothings“. Auch der Boom ist „bekanntlich eine Frage der Definition. 

 

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8 Kommentare auf "Keine Dollars? Dann wird’s brenzlig!"

  1. FDominicus sagt:

    Ich weiß genau was ich an Ihrem Blog habe. Sehr schön aufbereitet

  2. Insasse sagt:

    „Ständiges kurzfristiges Refinanzieren mag spannend sein. Ob eine solche Vorgehensweise jedoch profitabler ist, sollte man erst im Nachhinein beurteilen.“

    Hin und her macht Taschen leer. Wer sollte diese alte Anlegerweisheit besser kennen und beachten, als die Bankster selbst? Aber Gier besiegt eben Hirn. Und die Bankster sind inzwischen genauso realitätsfern, wie Politik und Mainstream-Medien. Wie sollte es auch anders sein? Sind sie doch ein (wesentlicher) Teil ein und desselben abgehobenen „Establishments“.

  3. Bankhaus Rott sagt:

    Hallo FDominicus,

    besten Dank und Ihnen und der versammelten Leserschaft ein schönes Wochenende!

    Beste Grüße
    Bankhaus Rott

  4. Bankhaus Rott sagt:

    Hallo Insasse,

    in diesem Fall geht es gar nicht so sehr um die Transaktionskosten, die halten sich für Institutionelle in den meisten Segmenten in engen Grenzen. Es geht eher um das Risiko, keine oder eine nur erheblich teurer als erwartete Anschlussfinanzierung zu erhalten. Dieses Risiko wird vielerseits in der Tat geradezu gewohnheitsmäßig eingegangen. In einer dreißig Jahre Periode sinkender Zinsen läuft das von einigen Ausreißern abgesehen wunderbar. In die andere Richtung funktioniert das nicht halb so gut.

    Manchmal fragt man sich ob es nur Gier (nicht schön aber auf bestimmte Weise rational) oder einfach nur Unwissenheit gepaart mit Arglosigkeit ist. Wenn sich nun auch Banken wie die Coba als Venture Capital Experten verstehen und ganz en vogue in Berlin dem Irrsinn das Schaumkrönchen aufsetzen, dann erscheint die zweite Möglichkeit nicht unplausibel.

    Beste Grüße, Ihnen ein schönes Wochenende
    Bankhaus Rott

  5. frankeha sagt:

    Was hat Trump mit der massiven Kurssteigerung der Deutschen Bank zu tun? Irgendwas mit Aufhebung Dodd Frank oder doch mit Dollarverbindlichkeiten?

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