Keine Angst, der Regulierer will nur helfen!

3. November 2017 | Kategorie: RottMeyer

Von Bankhaus Rott

Der offizielle Name eines Berufes weicht oft von der gängigen Bezeichnung ab. Das bekannteste Beispiel ist die Reinigungsfachkraft, die im Volksmund immer noch erfrischend und jeglichen genderblödsinn ignorierend Putzfrau heißt. Auch für den Bankberater hat sich ein neuer Titel breitgemacht…

Auf Grund der jahrelangen Erfahrung vieler Kunden mit dem so genannten Beratungsgeschäft in vielen Banken schält sich derzeit die wirkliche Kompetenz der Angestellten heraus. Sie verkaufen Produkte. Daher ist der Name Finanzproduktverkäufer angemessener, Bankverkäufer klingt noch griffiger.

Das Geschäft in vielen Banken läuft seit Jahrzehnten nach dem gleichen Muster ab. Natürlich gibt es, wie so oft im Leben, eine Menge Ausnahmen. Menschen die aus persönlicher Motivation heraus das beste für den Kunden anstreben oder sogar Institute bei denen der Kunde tatsächlich zumindest in der Nähe des Mittelpunktes verortet ist. Im Großen und Ganzen darf ist es aber hier deutlich angemessener von Einzelfällen zu sprechen, als dies bei anderen gesellschaftlichen Entwicklungen derzeit der Fall ist.

Generell stehen Margen und Gewinne hoch im Kurs. Für diese Kennzahlen gibt es Ziele. Diese werden von der Jahresplanung heruntergebrochen auf gleiche Intervalle wobei Monate sehr gerne genommen werden. Natürlich ist eine Absatzplanung auf Monatsbasis nicht sonderlich gut mit einer langfristigen Vermögensplanung unter einen Hut zu bringen, aber solche Einwürfe gelten vielerorts als geradezu metaphyisch. Gerne genommen werden bei vielen Banken Umschichtungen innerhalb der eigens angebotenen Produkte wobei dies selten von hochmargigen in niedrigmargige Produkte geschieht. Sicher ein Zufall, da muss man noch ein paar hundert Jahre Daten sammeln um hier empirisch auf festem Eis zu stehen. Genügt die Umschichterei nicht oder fällt dem Kunden auf, dass Dinge wie Ausgabeaufschläge – ja, so etwas gibt es noch – bei Bundrenditen von 0,4% und Dividendenrenditen von knapp 3% eine ebenso sinnlose wie schmerzhafte Kerbe in die eigene Rendite hacken, dann wird man kreativ, legt ein neues Produkt auf, gerne auch ein strukturiertes Produkt.

Aber, das Requiem erklinge, so richtig margenträchtige Produkte wie die gute alte Lebensversicherung, bei der die Provisonen für manche Champagnerkiste reichte, liegen im Sterben. Bestenfalls mit fadenscheinigen Steuervorteilen lassen sich viele Menschen noch in Produkte treiben, die sich nur für wenige rechnen werden, wie etwa die Riester-Produkte vieler Anbieter, deren Gebühren jedem anständigen Menschen die Schamesröte ins Gesicht treiben sollte. Wer Menschen für die Altersvorsorge Produkte mit realen Gebühren von 4% oder noch viel mehr verkauft, der sollte gar nicht erst versuchen, sich moralisch herauszureden.

Nun sind aber viele Kunden des Lesens mächtig und sind zwar nicht hinsichtlich der Finanzprodukte aber doch im Hinblick auf die Gebühren zusehends informierter. Immer weniger Anleger schlucken unverhältnismäßig hohe Gebühren und das stellt die immer noch gut zahlende Branche so langsam vor ein echtes Ertragsproblem. Solange die Finanzmärkte steigen und die verwalteten Kapitalanlagen quasi von alleine zunehmen, regnet es noch Geld. Im Abwärtsmarkt sieht das schon anders aus.

Um in Stress zu geraten, braucht es jedoch nicht mal einen fallenden Aktienmarkt. Dank der immer absurder und krakenhafter werdenden Regulierung wird die Luft nun auch enger, wenn die Märkte sich nicht nach unten abreagieren. Viele Privatkunden haben noch nichts von der ab dem kommenden Jahr geltenden MiFID 2 Regulierung gehört. Bald werden aber alle Kunden Post von Ihrer Bank bekommen, in der eine Broschüre steckt, die die Kunden über die Änderungen aufklärt.

Den Menschen kann man nur raten, diese Broschüre aufmerksam zu lesen, denn die Rechte der Anleger werden maßgeblich gestärkt. Viele Rechte muss man aber explizit einfordern. Einer der wichtigsten Punkte ist der detaillierte Ausweis aller Kosten, die im Rahmen eines Finanzgeschäftes anfallen. Darunter fallen bestimmte Transaktionskosten, Devisenmargen, Absatzgebühren und laufende Kosten einer Transaktion. Kaufen Sie also einen Fonds können Sie nicht nur eine aggregierte Sicht anschauen, sondern eine detaillierte Auflistung einfordern. Das ist interessanter als viele denken.

Der Rest der Regulierung ist ein unüberschaubarer Wust an kaum zu kontrollierbaren und größtenteils realitätsfernen Anforderungen, die in einigen Terabyte an Daten täglich bei der Bafin sorgen dürften. Diese Daten werden bestenfalls so viel Nutzen stiften wie ein von außen verstellbarer Innenspiegel im Auto. Der reale Aufwand steht wie bei den meisten öffentlichen Projekten in keinem Verhältnis zu einem erhofften Nutzen. Alternativ hätte man mit nur einem Satz viel erreichen können. Insgesamt hätten die Kunden durch ein sofortiges Verbot von Ausgabeaufschlägen bei Fonds oder sonstigen Agios mehr gespart als durch die paar hundert Seiten Prosa. Das hätte allerdings nur zwei Beamte halbtags beschäftigt und wäre daher viel zu einfach gewesen.

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