Kein Umsatz – keine Schubkraft. Oder: Warum Gold und Silber die bessere Wahl sind

30. August 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(vom Smart Investor) Paris, wir haben ein Problem! In Paris macht sich der nicht mehr ganz so frisch gewählte Präsident Hollande an die Umsetzung des alten sozialistischen Mottos „Armut für alle!“.

Denn nur da, wo alle nichts mehr haben, und damit die heilige Gerechtigkeit auf Erden Einzug hält, nur da herrscht der Partei- und Staatsfunktionär unumschränkt unter den selbst geschaffenen Abhängigen.

Reichen- und Finanztransaktionssteuer sind nur die populistischsten Auswüchse des neuen Kurses, aber sie zeigen: Auch Symbolpolitik hat Effekte – und die sind manchmal sogar noch negativer als die der ganz gewöhnlicher Politik. In London jedenfalls reibt man sich die Hände, über die französischen „Flüchtlinge“, die gerade massenweise an den Ufern der Themse stranden.

Für die meisten europäischen Wohlfahrtsstaaten dürfte das ohnehin eine ungewohnte Erfahrung sein, dass sich „Flüchtlinge“ unmittelbar nach ihrer Ankunft in die besseren Lagen ihrer Wahlheimat einkaufen, statt das Amt aufzusuchen. Wäre es Hollandes Ziel gewesen, das obere Prozent der Einkommens- und Vermögenspyramide direkt aus dem Land zu treiben, er hätte es kaum geschickter anstellen können. So aber verschärft die Flucht von Kapital und Unternehmergeist die Probleme des Landes, und davon hat Frankreich reichlich.

Beobachtern gilt das Land schon seit einiger Zeit als die am stärksten überschätzte Volkswirtschaft der Euro-Zone. Wirtschaftlich eher ein zweites Italien, gebietet es der Stolz der Grande Nation die eigene wirtschaftliche Leistungskraft stets als mindestens ebenbürtig mit der deutschen anzusehen und vor allem darzustellen. Dabei stürzt die französische Konjunktur gerade im Rekordtempo ab und erreicht damit fast die Fallgeschwindigkeit der Popularitätswerte des Präsidenten Hollande.

Deutschland kann dies alles nicht gleichgültig sein, denn Frankreich ist DER Partner Deutschlands in der Euro-„Rettung“. Nicht nur aus wohlverstandenem Eigeninteresse lautet daher der Schlachtruf des Editorials im aktuellen Smart Investor 9/2012: „Vive la France!“

Wenig Anlass zur Selbstzufriedenheit

Zur Selbstzufriedenheit besteht allerdings hierzulande ohnehin kein Anlass. Noch überdecken der künstliche, weil aus eigener Tasche finanzierte Export in die Krisenländer der EU und die Fluchtgeldströme aus der europäischen Peripherie, die prekäre Lage der deutschen Wirtschaft.

Das Münchner ifo-Institut meldete diese Woche etwa, dass der ifo-Geschäftsklimaindex im August den vierten Monat in Folge rückläufig war und sogar noch unter den nicht gerade hohen Erwartungen lag. Linderung scheint kaum in Sicht, denn die besonders stark verflochtene deutsche Wirtschaft wird auf Sicht überproportional unter der europäischen und auch weltweiten Konjunktureintrübung leiden.

Die USA meldeten gestern beispielsweise einen massiven Rücksetzer des Verbrauchervertrauens auf 60,6 nach 65,9 Punkten. Eine weitere Verschärfung der Schulden- und Geldsystemkrise, die wir für höchstwahrscheinlich halten, dürfte zudem Abschottungstendenzen im Welthandel Vorschub leisten… (zu den Märkten, Seite 2)

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3 Kommentare auf "Kein Umsatz – keine Schubkraft. Oder: Warum Gold und Silber die bessere Wahl sind"

  1. 4fairconomy sagt:

    Nicht, dass ich die Politik eines Hollande uneingeschränkt gutheisse, aber man stelle sich vor, Spanien hätte lange vor der Immobilienkrise eine Politik eingeführt bzw. der Finanzwelt einen Dämpfer verpasst, die Gewinne durch höhere Abgaben etwas unattraktiver gemacht. Vielleicht stünde Spanien, was die Bankenkrise anbelang, besser da?

    Ein spanischer Präsident, welcher vor 10 Jahren der Party einen Dämpfer hätte verpasst, hätte das nicht auch ein Aufschrei gegeben wegen seines wirtschaftsfeindlichen Handeln, wegen der Verhinderung angeblich guter Geschäfte?

    Also, die Finanzwelt muss erst noch beweisen, dass sie fähig ist, die Freiheiten welche ihr den Staat angeblich lassen soll, auch zum langfristigen Wohle der Allgemeinheit einzusetzen und nicht Katastrophen zu produzieren, welche dann die Allgemeinheit teuer auslöffeln muss.

    In dem Sinne ist die Kritik an Hollande zu einseitig.

    Ich vertrete die Auffassung, dass der Finanzwelt Rahmenbedingungen gesetzt werden müssen, dass gar keine Gewinne entstehen können, welche langfristig auf Kosten der Gesellschaft gehen, welche also sozusagen nur externalisierte zukünftige Verluste darstellen (siehe USA, Spanien, Japan u. viele mehr!). Dann muss auch der Staat nicht intervenieren und eine teure und ineffiziente Umverteilungsmaschinerie in Gang setzen. Die Kritik an ein solches staatliches Vorgehen greift aber zu kurz.

  2. purity sagt:

    „Wäre es Hollandes Ziel gewesen, das obere Prozent der Einkommens- und Vermögenspyramide direkt aus dem Land zu treiben, er hätte es kaum geschickter anstellen können.“

    Das glaube ich nicht! Einem Multimillionär ist die Lebensqualität wichtiger, als sie Frage, ob er nun 50 oder 45 Millionen hat. Wer zieht schon von Südfrankreich auf die regnerische britische Insel? Manch Spekulant wird seinen Handelsplatz verlagern, aber den Wohnsitz und damit die Steuerpflicht wird fast niemand ändern, und wenn, dann wären die schon lange in Monaco!
    Die Vermögensverteilung kann eben auch nicht ewig in die eine Richtung gehen, dass eine kleine Oberschicht fast alles besitzt und der Rest dafür die Zinsen und Mieten bezahlt.
    Hier Deutschland:
    http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61781/vermoegensverteilung

  3. walt sagt:

    Die Jungs von Smart Investor hatte ich 2010 kennengelernt. Und damit die Österreichische Schule. Und deren Überzeugungen. Viel mehr Leute sollten diese kennenlernen. Und gerne auch das Printheft Smart Investor abonnieren (leider nicht erhältlich am Kiosk, schade eigentlich).

    Ich würde mir wünschen, dass deren Finanzentscheidungen nicht nur reine Hoffnungsnummern wären, sondern auch in der Gegenwart funktionieren würden. Weshalb ich dies schreibe? Ich verfolge deren Finanztipps seit drei Jahren. Was sie kauften brachte bis jetzt ca. minus 40% an „Gewinn“. Gegenprobe Verkäufe? Ein Plus von ca. 20%. Sorry, es fällt wirklich schwer, hier noch irgendwo so etwas wie eine erfolgreiche Beratung erkennen zu können. Wobei ich aus Überzeugung sage: Ja, in 10 oder 15 Jahren kann diese Bilanz der Jungs in der Tat vollkommen anders aussehen. Ich persönlich kann mir das übrigens gut vorstellen.

    Für den „Investor in der Gegenwart“ waren die Tipps bisher leider nicht nur wertlos, sondern ganz eindeutig die falsche Fährte. Das muss man ehrlicherweise für alle hier sagen.

    Leider hat die Smart Investor-Redaktion von ihrer eigenen Überzeugung noch vor Jahren, dem CrackUp-Boom, inzwischen erkennbar selbst Abstand genommen. Alle, die 2010 an die Voraussage „CrackUp-Boom“ in zwei Jahren (2012) glaubten, sind heute leider die Möpse. Denn der DAX hätte laut Smart Investor damals mindestens heute bei 8.500 stehen müssen. Bekommen real haben wir fast 7000. Auch nicht so schlecht. Stimmungsmäßig würden dem DAX heute aktuell auch 3500 gut stehen, nicht wahr?

    Wie auch immer: Ein Lob an alle, die sich so viel Mühe machen mit dem Thema Finanzen.

    Nur – keiner weiß was kommen mag. Ihr „Experten“ leider auch nicht.
    Grämt Euch bitte nicht und macht weiter. Euren Kollegen vom Wetterdienst geht es auch nicht besser….

    Walt

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