Kein Preis für Bernanke. Noch nicht!

14. Oktober 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Der arme Alfred Nobel… In seinem Namen wird jährlich der Wirtschaftsnobelpreis verliehen – etwas, womit Herr Nobel wirklich nichts zu tun hatte, wohl aus gutem Grund. Gottlob! Es war nicht Ben Bernanke…

Nobel wäre sonst wahrscheinlich auferstanden, und hätte dem Spuk höchstpersönlich ein Ende gesetzt. Die Gefahr bestand in der Tat, dass Ben Bernanke diesen Preis erhalten würde – dazu umgerechnete 570.000 US-Dollar, ein paar zusätzliche Fernsehauftritte und einen noch größeren Marktwert als freiberuflicher Redner und Welterklärer.

Vielleicht hätte es für Bernanke dann auch noch mit einem neulich abgelehnten Immobilienkredit geklappt, den ihm seine Bank aufgrund seiner „Freiberuflichkeit“ verwehrt hatte. So muss er weiter betteln, ohne in den Genuss seiner eigenen FED-Politik zu kommen, obwohl ein Vortrag von ihm mit bis zu 750.000 US-Dollar vergütet wird.

Ein Franzose ist der neue Wirtschaftsheld, was den guten Geschmack der Götter auf Neue unterstreicht. Jean Triole hat sich mit dem „Zähmen mächtiger Firmen“ beschäftigt. Seine Theorie ist sicherlich spannend, fundiert, wasserdicht und für mich vollkommen unverständlich. Ich habe gelesen, dass er sich mit „Industrieökonomik“ beschäftigt hat. Dort geht es um Wettbewerbsprozesse und dem Zusammenwirken von Markt, Staat und Unternehmen. Er untersuchte, warum einige Firmen viel Macht haben und wie die Politik damit umgehen sollte. Zudem hat er die Spieltheoretik in die Industrieökonomik integriert. Das ist zwar nicht so spannend wie ein Tatort, aber vielleicht irgendwie wichtig.

Seiner Meinung nach sind Märkte nicht perfekt, wodurch Monopole und Oligopole entstehen, die die Preise diktieren. Ich langweile Sie? Mir geht es ebenso…

Ein letzter Satz sei noch erlaubt: Triole entwickelte Handlungsanleitungen für die Politik, wie sie mit solchen mächtigen Firmen umgehen solle. Daraus ergibt sich die Frage, wie das funktioniert, wenn diese mächtigen Firmen eigentlich regieren bzw. die Regierung stellen? Aber das ist ein ganz anderes Thema.

Das Erstaunliche am Wirtschaftsnobelpreis ist, dass ihn Alfred Nobel explizit nicht in seinem Testament erwähnt hat. Vielleicht sogar bewusst, wenn man bedenkt, dass Wirtschaft mehr Kunst statt Wissenschaft ist. So zahlt die Stiftung von Herrn Nobel auch nicht das Preisgeld von acht Millionen schwedischen Kronen (870.000 Euro) sondern die Schwedische Reichsbank – und das seit 1968.

Mit Sprengstoff reich geworden

Alfred Nobel war ein interessanter Mann. Er erforschte zwischen 1860 bis 1864 das Nitroglyzerin, wodurch sich 1864 Lebenszeit seines Bruders und die von vier weiteren Personen auf dramatische Art verkürzte, als sein Labor in die Luft flog. Irgendwann später besaß Nobel 90 Dynamit-Fabriken, die ihn sehr reich machten… auch an Erfahrung. Es steht geschrieben, dass Nobel den Krieg hasste. Das verhinderte aber nicht, dass er ein Vermögen auf 31 Millionen schwedische Kronen anwuchs, dem Grundstock seiner späteren Stiftung.

Das Vermögen der Stiftung sollte in „sichere Wertpapiere“ angelegt und deren Zinsertrag zu fünf gleichen Teilen auf die Gewinner der Kategorien Literatur, Physik, Chemie Medizin und für Friedensbemühungen ausgeschüttet werden. Letztere Kategorie ist sicherlich nicht zufällig gewählt. Vielleicht war ja Nobel auf tragische Art und Weise eine Art von Zauberlehrling. Und sein Meister sitzt immer noch in der Kantine herum…

Sichere Wertpapiere: Zinsen auf was?

Glücklicherweise ist Schweden (noch) nicht in der Eurozone und hält beharrlich an seinen bunten schwedischen Kronen fest. Ansonsten würde es ziemlich schwierig mit dem Anlegen in „sicheren Wertpapieren“ inmitten ausgerotteter Zinsen. Dieses Virus grassiert ähnlich dem der Ebola, allerdings seit Jahren schon und weltweit. Es wird noch ein paar Jahre dauern, bis der „Markt“ diese Zinslosigkeit beendet.

Zum Euro verhält sich die schwedische Krone einigermaßen stabil, abgesehen von der Zeit der Flucht inmitten der „Eurokrise“, als schwedische Papierwährung aufwertete. Dennoch führt sie gleiche Akte des Trauerspiels von langfristig schrumpfender Kaufkraft auf… (Seite 2)



 

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2 Kommentare auf "Kein Preis für Bernanke. Noch nicht!"

  1. samy sagt:

    Moin!
    Ich kann mich noch gut an die Glasschaukästen erinnern, in denen Goldmünzen ausgestellt wurden. Das war vor ca. 35 Jahren. Das war in den Sparkassen, die konservativen Geldanleger des kleinen Mannes, des Kleinbürgertums und des Mittelstandes. Irgendwann verschwanden diese Münzen. Wohl als Paul Volker erfolgreich die Inflation bekämpfte und der Realzins stieg. Andere Anlageklassen wurden interessanter. Ich habe das als Kind stets verurteilt, schließlich wussten wir alle aus unseren Taschenbüchern das Dagobert Duck in Gold schwimmt. Wie konnte der Bankdirektor nur so nur so ignorant sein. 🙂

    Heute lese ich das die Sparkassen wieder Goldbarren gießen lässt. Das freut mich.

    http://goldseiten.de/artikel/221992–Sparkassen-bringen-erste-eigene-Goldbarrenserie-auf-den-Markt.html

    http://www.goldseiten.de/bilder/upload/gs543b93d22d09b.pdf

    Aber was heißt das nun, wenn die Bank des kleinen Mannes dem kleinen Mann ein Fluchtort für Bares anbietet? Das die kümmerliche Verzinsung unmöglich das Risiko des Geldhaltens aufwiegt? Der Realzins eigentlich derzeit nicht aussagekräftig ist?

    Am Ende treibt nicht die Inflation die Menschen in das Gold, wie vor 35-40 Jahren, sondern die Deflationssorgen. Kann nicht schaden ein wenig Gold zu halten …

    Diesen Link habe ich gefunden, weiß nicht, ob das Institut seriös ist. Einer meiner Lieblingshändler ist nicht dabei, wohl zu klein:

    http://www.dk-institut.de/edelmetall-haendler/studie-deutschlands-beste-edelmetallhaendler/

    VG

  2. Michael sagt:

    Der Ben hat ja grad mal gesagt, ‚Lasst die Korken knallen, diesmal Fluten wir mit Champus‘. Das ist nicht wirklich nobelpreisverdächtig.

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