Kein Exit im Persischen Golf?

20. Februar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Der US-amerikanische Sicherheits-Experte und Buchautor Michael T. Klare erklärt, weshalb sich die Meeresstraße von Hormuz im Persischen Golf zum am leichtesten brennbaren Flecken auf dem Planeten entwickelte, prädestiniert als wahrscheinlichster Ort für einen großen Konflikt globaler Bedeutung in einer exklusiven Übersetzung für unseren Blog Rott & Meyer…

Von Michael T. Klare, Übersetzung Lars Schall

Seit dem 27. Dezember haben sich die Wolken des Krieges über der Straße von Hormuz gesammelt, dem schmalen Wasserstreifen, der den Persischen Golf mit dem Indischen Ozean und die Meere jenseits verbindet. An diesem Tag warnte der iranische Vizepräsident Mohammad Reza Rahimi, dass Teheran die Straße blockieren und Chaos an den internationalen Ölmärkten anrichten könnte, wenn der Westen neue wirtschaftliche Sanktionen gegen sein Land in Kraft setzen würde.

„Wenn sie Sanktionen gegen Irans Ölexporte verhängen“, erklärte Rahimi, „kann nicht auch nur ein Tropfen Öl durch die Straße von Hormuz fließen.“ Behauptend, dass ein solcher Schritt einen Angriff auf die vitalen Interessen Amerikas darstellte, informierte Präsident Obama Berichten zufolge Irans obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei, dass Washington Gewalt einsetzen würde, damit die Meerenge offen bliebe. Um ihre Drohungen zu untermauern, haben beide Seiten ihre Truppenstärken in der Region aufgestockt und jeder hat eine Reihe von provokanten militärischen Übungen durchgeführt.

Ganz plötzlich ist aus der Straße von Hormus der am leichtesten brennbare Flecken auf dem Planeten geworden, der wahrscheinlichste Ort für einen großen Konflikt zwischen gut bewaffneten Gegnern. Warum ist sie von allen Schauplätzen derart brisant geworden?

Öl ist natürlich ein wichtiger Teil der Antwort, aber – und das mag Sie überraschen – nur ein Teil davon.

Erdöl bleibt die weltweit wichtigste Energiequelle und etwa ein Fünftel der Ölversorgung des Planeten reist per Tanker durch die Meeresenge. „Hormuz ist aufgrund seines tägliche Öl-Flusses von fast 17 Millionen Barrel im Jahr 2011 das weltweit wichtigste Öl-Nadelöhr“, bemerkte das US-Energieministerium am Ende des letzten Jahres. Weil keine andere Region in der Lage ist, diese 17 Millionen Barrel zu ersetzen, würde jede längere Schließung einen globalen Mangel an Öl, einen Preisanstieg, und zweifellos damit verbundene wirtschaftlichen Panik und Unordnung bewirken.

Niemand weiß genau, wie hoch die Ölpreise unter solchen Umständen gehen würden, aber viele Energie-Analysten glauben, dass der Preis für ein Barrel sofort um $ 50 oder mehr springen könnte. „Sie würden eine internationale Reaktion bekommen, die nicht nur hoch sein würde, sondern irrational hoch“, sagt Lawrence J. Goldstein, ein Direktor der Energy Policy Research Foundation. Auch wenn militärische Experten davon ausgehen, dass die USA ihre überwältigende Macht nutzen würden, um die Meerenge von iranischen Minen und Hindernissen binnen weniger Tage oder Wochen zu räumen, würde das Chaos, das in der Region folgte, vielleicht nicht so schnell enden, was die Ölpreise für lange Zeit oben halten würde. Tatsächlich fürchten einige Analysten, dass die Ölpreise, die jetzt schon bei rund 100 Dollar pro Barrel schweben, sich schnell auf mehr als 200 Dollar verdoppeln könnte, um jede Aussicht auf eine wirtschaftliche Erholung in den Vereinigten Staaten und Westeuropa auszulöschen und möglicherweise den Planeten in eine erneute Große Rezession zu stürzen.

Die Iraner sind sich dessen bewusst, das alles, und es ist aufgrund eines solchen Alptraum-Szenarios, dass sie westliche Führer von weiteren wirtschaftlichen Sanktionen und anderen mehr verdeckten Handlungen abhalten wollen, wenn sie mit der Schließung der Meeresenge drohen. Um solche Ängste zu beruhigen, haben US-Beamte gleichermaßen unnachgiebig ihre Entschlossenheit betont, die Meerenge offen zu halten. In einem solchen Fall erhöhter Spannung könnte sich ein Fehltritt von beiden Seiten als katastrophal erweisen und gegenseitige rhetorische Kriegslust in einen tatsächlichen Konflikt verwandeln… (—> Seite 2)

 

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