Kein Entkommen aus der Tiefzinspolitik

6. Oktober 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Prof. Thorsten Polleit

Die Zinserhöhungen, die die Fed in Aussicht stellt, wird es vermutlich nicht geben.Geht es nach der Federal Reserve (Fed), steht der amerikanischen Leitzins Ende 2017 bei 3,75 Prozent. Dass es so kommen wird, ist unwahrscheinlich…

Eine derartige Verteuerung der Kreditkosten würde nämlich absehbar den nächsten Tornado in den Finanzmärkten auslösen und die weltweiten Konjunkturen aus dem Gleis werfen.

Dazu muss man wissen, dass der amerikanische Leitzins im Grunde der Weltleitzins ist. Er bestimmt nicht nur maßgeblich die Kreditkonditionen in den Vereinigten Staaten von Amerika, sondern auch anderswo. Im Dezember 2008 wurde der Fed-Zins auf de facto null Prozent gesenkt. Schuldner können seither neue Kredite zu Tiefstzinsen aufnehmen und fällige Kredite zu tiefen Zinsen ersetzen.

Der künstliche Tiefzins gesundet die Banken, indem sie sich Geld von ihren Einlegern zum Nullzins leihen und Kreditkunden (saftige) Sollzinsen in Rechnung stellen. Er verschafft verschuldeten Haushalten und Unternehmen neue Ausgabenspielräume. Die künstlich tiefen Zinsen erzeugen zudem „Scheinvermögen“: Die Marktwerte von Aktien, Grundstücken und Häusern werden künstlich aufgebläht, es stellt sich eine trügerische „Reichtumsillusion“ ein, die die Marktakteure zu fehlerhaften Entscheidungen verlockt.

Es ist also absehbar, dass ein steigender Fed-Zins vielerorts große Probleme bringen würde. Ein zentrales Problem ist das Folgende: Ein steigender Fed-Leitzins würde ein Abflachen der Zinskurve bewirken – die kurzen Zinsen steigen stärker als die langen Zinsen. Das wirkt im Grunde wie ein kräftiger Tritt auf die Bremse bei der Kreditvergabe:

Wird die Zinskurve jedoch flach, wird auch die Kreditvergabe schwieriger. Der Kreditzufluss ebbt ab. Dauerschuldner geraten daraufhin in Probleme: Unternehmensgewinne sinken, Häuslebauer geraten in Schieflage. Auch für die aufstrebenden Volkswirtschaften wird es brisant: In Erwartung höherer Dollarzinsen ziehen Investoren ihr Kapital ab, die Konjunkturen in den auf-strebenden Volkswirtschaften geraten ins Wanken.

Für Banken lohnt es sich ganz besonders, neue Kredite zu vergeben, wenn sie sich kurzfristiges Geld zu tiefen Zinsen leihen und es langfristig zu höheren Zinsen verleihen können.

Doch die Geldpolitik der Zentralbanken, die den Zins auf immer tiefere Niveaus senkt, hat natürlich auch ihre Schattenseiten: Sie ist überhaupt erst der Grund dafür, dass die Volkswirtschaften immer wieder von Boom-und-Bust-Zyklen heimgesucht werden, dass sich die weltweite Schuldenpyramide immer weiter auftürmt, und dass mittlerweile vielerorts „japanische Zinsverhältnisse“ herrschen, die die Sparer de facto enteignen und weitreichende Fehlentwicklungen einleiten.

Eine amerikanische Zinsanhebung hat also das Zeug, die wirtschaftliche Scheinblüte (Boom), die dank der tiefen Zinsen fast überall auf der Welt entstanden ist, in einen neuerlichen Abschwung (Bust) zu verwandeln. Denn die ökonomische Wahrheit ist die: Die statistisch ausgewiesenen Einkommenszuwächse lassen sich vielerorts nur noch erzielen, weil – und wenn – die Zinsen künstlich tief gehalten werden.

Die Zinsanhebungen, die die Fed jetzt in Aussicht stellt, wird es daher vermutlich nicht geben. Sie würden nämlich genau die Entwicklungen in Gang setzen, die man geldpolitisch mit allen Mitteln „bekämpfen“ will. Zu befürchten ist vielmehr, dass es aus der Tiefzinspolitik kein Entkommen mehr gibt. Anleger sollten sich daher auf die Kundmachungen der Zentralbanken, die Zinsen würden normalisiert, nicht verlassen – und einen Teil ihres Vermögens in Gold halten. Denn die Währungsschicht zeigt: Gold war für den Sparer stets eine wirkungsvolle Impfung gegen die Willkür der Zentralbankpolitiken.

© Prof. Dr. Thorsten Polleit – Marktreport Degussa Goldhandel GmbH



 

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4 Kommentare auf "Kein Entkommen aus der Tiefzinspolitik"

  1. Michael sagt:

    Geldmetalle sind neutral.

    Eine Schritt einer Lösung ist aus meiner Sicht rekursive Unternehmen. Bevor man den Trend weiterhin verfolgt Gewinne an jene Investoren auszuschütten die eh schon nicht mehr wissen – Wohin mit dem eingesammelten Tauschmittel – kann man hergehen und Mitarbeiter am Unternehmen beteiligen auf eine ehrliche Art und Weise. In kleineren Strukturen gibt es andere Formen. Betriebliche GemütlichkeitsErgänzung.

    Stellt sich die Frage, ob es nicht möglich ist, die Reduktion der Arbeitszeit weiterzugeben und die Lohndifferenz netto auf diese Art und Weise weiterzugeben. Wenn sich der Erfolg im Unternehmen nicht einstellt und eine zu geringe Ausschüttung zustande käme, dann ist eben wieder etwas Einsatz gefordert.

    Wir von der Gemütlichkeitsbewegung sehen da schon eine Chance eine Balance wiederzuerlangen im Wirtschaftsraum die sagt, ‚Mögen alle Gemütlichkeit wiederfahren und andere daran mitwirken‘. Wir entkoppeln damit die 40 Stunden Woche. Der Staat bekommt aus dem Titel halt nichts, warum auch?

    Das wäre mal ein erster Schritt die Mensch zu motivieren diese Billionen an Sparvermögen dann doch zu investieren und organisiert über Fonds usw… Es sitzt jeder wie die Glucke auf dem Spargutaben, kann aber nicht mal mehr wirklich, außer bestenfalls im regional orientierten Bioladen, mal die Tauschmittel so halten, dass sie nicht sofort der Staubsauer in die Taschen der Finanzinvestoren absaugt.

    Die Übernehmen fertige Geschäfte im großen Stiel. Für welches Risiko wollte diese den Zins? Unternehmensgewinn ist auch Zins. Teil der Abgeltung von nicht vorhersehbaren Risken. Das ist der Gewinn oder Teil davon. Unser ‚Geld‘ ist ein Tauschmittel es ist kein Wertspeicher.

    Die einfachste Sache, wenn man unentschieden ist – ist Geldmetall. Die Message ist, es kann jemand seine Schulden oder einen Teil loswerden und man bekommt etwas dafür. Was man gedenkt auszugeben spielt keine Rolle, aber der Mensch versucht und ist versucht aus dem laufenden Einkommen den Unterhalt zu bestreiten. Er will das Tauschmittel wieder loswerden. Bringt er es auf die Bank bekommt er auch einen Vermerk – soviel wurde am Schalter abgegeben. Es verliert bei einer Währungsreform keiner ein Guthaben.

    Es wird einfach so getan als wäre unnotwendiges Tauschmittel nicht abgegeben worden. Das Darlehen ist der Packen virtuell überreichtes Tauschmittel. Der ist das Gegengewicht. Ein Zinseinkommen für den Einzelnen ist nicht schlechter als ein Arbeitseinkommen. Miete, Unternehmensgewinne usw. sind auch Zins, aber die kann man wenn man ehrlich ist nicht ausschütten. Ab der ersten Renovierung läuft der Zins zurück in die Erhaltung des Objekts in die ‚Pflanze‘.

  2. Michael sagt:

    Stellt sich die Frage, ob es nicht möglich ist, die Reduktion der Arbeitszeit weiterzugeben und die Lohndifferenz netto auf diese Art und Weise weiterzugeben.

    Auszugleichen selbstverständlich. Gilt für alle Unternehmen auch wenn die Spielart im Moment eher differenziert umgesetzt werden muss aufgrund der Tauschmittelunordnung.

  3. Michael sagt:

    Entlang der Gemütlichkeitsdefintion ist ein Sparguthaben das Guthaben über die Arbeit die man sich hätte sparen können und Lebenszeit die man für sich hätte verwenden können, außerhalb der Betriebsstätte – schaut man auf die traditionelle Wirtschaftsdefintion im Kontext des technologischen Fortschritts.

  4. FDominicus sagt:

    Nehmen wir einfach mal an die USA müssen sich tatsächlich zu 3,75 % finanzieren dann wären es grob 637 500 000 000 Mrd USD an Zinsen, bei einem derzeitigen Haushalt von 1.1 Bio, also mehr als die Hälfte. Ich denke Herr Polleit hat recht: Das wird nichts….

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