Kein Ausstieg aus dem Euro

4. Juli 2015 | Kategorie: RottMeyer

Es hängt am „Kredit“

Endlos lässt sich die Schuldenwirtschaft nicht fortführen, auch nicht dadurch, dass der „Kredit“ künstlich geschönt wird.

Das Wort „Kredit“ leitet sich aus dem lateinischen credere ab und heißt glauben, vertrauen. Im Wirtschaftsleben ist Vertrauen unerlässlich. Man macht Geschäfte nur dann, wenn man darauf vertrauen kann, dass der Geschäftspartner seinen Verpflichtungen (etwas zu liefern oder zu bezahlen) auch nachkommen wird. Im Bereich des Geldes kommt dem Kredit eine ganz besondere Rolle zu.

Das heutige Geldwesen ist buchstäblich auf Kredit aufgebaut. Ob Euro, US-Dollar oder Chinesischer Renminbi: Sie alle werden per Bankkreditvergabe „aus dem Nichts“ geschaffen. Vergibt eine Bank einen Kredit, so wird dadurch neues Geld in Umlauf gebracht. Zahlt der Kreditnehmer seinen Bankkredit zurück, verschwindet das Geld wieder aus dem Wirtschaftskreislauf.

Damit die Geldmenge einer Volkswirtschaft unverändert bleibt beziehungsweise anwachsen kann, ist Kredit – Vertrauen – unverzichtbar, und zwar auf Seiten der Kreditnehmer wie auch auf Seiten der Kreditgeber. Der Kreditnehmer muss Vertrauen haben, dass er seinen Kredit samt Zinsen bei Fälligkeit zurückzahlen oder durch einen neuen Kredit ablösen kann. Der Kreditgeber muss Vertrauen haben, dass der Kreditnehmer seinen Schuldendienst leisten wird, nur dann wird er bereit sein, Geld zu verleihen.

In 2008/2009 und nachfolgend in 2011/2012 stiegen die Kreditausfallrisiken in den Finanzmärkten stark an – wie die Preisentwicklung der Kreditausfallversicherungen (der sogenannten „Credit Default Swaps“) gezeigt hat. Nachdem dann jedoch die Zentralbanken ihre Geldschleusen geöffnet hatten, setzte sich auf den Kreditmärkten die Erwartung durch, die Geldpolitiker werden keine politisch unerwünschten Zahlungsausfälle zulassen. Notfalls werfen sie eben die elektronische Notenpresse an und stellen strauchelnden Schuldnern jeden erforderlichen Geldbetrag bereit.

Der mangelnde Kredit vieler Kreditnehmer wurde folglich durch die Zentralbankpolitiken „geschönt“. Angesichts der Aussicht, die Zentralbanken werden Staaten und Banken nicht zahlungsunfähig werden lassen, begannen Sparer und Investoren, ihnen wieder Geld zu leihen – im Vertrauen darauf, dass die Zentralbanken die Schuldner über Wasser halten werden, komme was da wolle. Die Kreditausfallsorgen gingen zurück, und der internationale Kreditfluss kam wieder in Gang.

Ermutigung zur Schuldenwirtschaft

Die weltweite Kredit- und Geldarchitektur ist und bleibt dennoch verwundbar. Zwar können die Zentralbanken, wie bereits erwähnt, Zahlungsausfälle verhindern, indem sie dafür sorgen, dass offene Rechnungen mit sprichwörtlich neuem Geld bezahlt werden. Das aber setzt nach und nach die disziplinierenden Marktmechanismen außer Kraft. Beispielsweise sinkt der Anreiz für Staaten, Reformen anzugehen, wenn sie zur Finanzierung ihrer Ausgaben auf billige Zentralbankkredite zurückgreifen können.

Private Konsumenten und Unternehmen werden zu kreditfinanzierten Ausgaben verleitet, die sie bei einer „normalen Zinshöhe“ nicht angehen würden, weil sie Zweifel an ihrer Wirtschaftlichkeit haben müssten. Sparer und Investoren, auf der Suche nach auskömmlichen Renditen, leihen ihr Geld verstärkt chend gegen Verlustrisiken absichern. Vor allem Banken werden ermuntert, ausstehende Kredite zu erneuern (sie „zu rollen“) und zudem auch noch neue Kredite auszugeben. Das Ergebnis der Eingriffe der Zentralbanken in die Kreditmärkte liegt auf der Hand: Es ist eine Ermunterung zur Schuldenwirtschaft.

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Das Bestreben, den Kredit – das Vertrauen – mit geldpolitischen Mitteln zu erhalten beziehungsweise künstlich zu erhöhen, schlägt die Volkswirtschaften in Fesseln: Hat man die Schuldenwirtschaft erst einmal begonnen, wird ein Aussteigen – eine Abkehr von immer mehr Kredit und Geld – immer teurer. Denn kommt der Kreditfluss zum Erliegen, fällt die Produktions- und Beschäftigungsstruktur, die im Zuge der Politik des billigen Geldes errichtet wurde, in sich zusammen. Eine wirtschaftlich und politisch schmerzliche Rezession und Depression stellt sich ein.

Wenn jedoch eine solche „Bereinigung“ gescheut wird, werden Politiken auf den Weg gebracht, die eine solche Bereinigung verhindern. Dazu gehört vor allem ein Fortsetzen der Zinssenkungspolitik, begleitet von immer mehr Eingriffen in das Marktgeschehen. Mit Blick auf die Geschehnisse im Euroraum gehört hierzu beispielsweise das de facto Vergemeinschaften von Staatsschulden (etwa durch den „Europäischen Stabilitätsmechanismus“) oder das Entkräften des Wettbewerbs im Bankensektor (durch die „Bankenunion“, die darauf abzielt, die Risiken der Geldhäuser aus unterschiedlichen Nationen gleichzustellen). Märkte und Institutionen werden so umgestaltet und angepasst, wie es erforderlich ist, damit die Kredit- und Geldmengenausweitung ungehindert fortgesetzt werden kann.

Früher oder später hängt dann das Wohl und Wehe der Volkswirtschaft am künstlich geschönten Kredit, und es wird immer drastischere Maßnahmen erfordern, ihn zu erhalten. Noch scheinen sich immer neue Spielräume aufzutun, die es erlauben, die Schuldenwirtschaft fortzusetzen. Doch endlos wird sich die Schuldenwirtschaft nicht fortführen lassen: Schon heute ist vielerorts unübersehbar geworden, dass die Kredit- und Geldmengen chronisch stärker anschwellen als die Güterproduktion – und das ist wohl der beste Indikator dafür, dass sich Wirtschaftsstörungen aufbauen. Es ist also nicht die Frage, ob eine Bereinigung kommt, sondern wann sie kommt.

© Prof. Dr. Thorsten Polleit – Marktreport Degussa Goldhandel GmbH



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2 Kommentare auf "Kein Ausstieg aus dem Euro"

  1. normalo sagt:

    Solanange dort Renten bezahlt werden die ähnlich hoch oder noch höher als bei Deutschen Normalos sind wird in Griechenland sich gar nicht ändern, weder mit Euro noch mit Drachme.
    Man könnte noch viele Hindernisse aufzählen, die Griechenland zu einem gesunden Staat im Wege stehen. Fakilaki ist eingeboren, das nimmt denen keiner mehr aus den Köpfen. Die Reichen versuchen zu betrügen wo es nur geht. Griechenland kann nichts produzieren was China oder andere Länder aus dieser Region nicht könnten. Vergisst Grichenland, dort hilft nur eine Staatsbank ohne Börsenhandel, fießendes Geld mit Verfallsdatum, bescheidenes Leben mit Tourismus Landwirtschaft und etwas Kleinindustrie.

  2. stromerhannes sagt:

    Der € und dessen andauernde Rettung nur ein Potemkinsches Dorf? Ablenkung vom Wesentlichen?

    Nur einmal angedacht:

    Es wird mit allen (Geld)mitteln versucht, die derzeitige Eurozone nicht schrumpfen zu lassen. Das verschwiegene Hauptziel ist das Auslöschen der europäischen Nationalstaaten als Meilenstein Derer, die eine NWO anstreben. Ihre „Vollstrecker“ sind doch schon von Denen aus den USA und der City of London hier überall an den Schaltstellen der Macht platziert.

    Losgelöst von Inflationsgefahr bis möglichen Bürgerkriegen kann das perfide Gelddrucken bis zum St. Nimmerleinstag fortgesetzt werden. Jedenfall so lange, bis es kein zurück mehr für die jetzigen verfasten Staaten mehr gibt; sie ausgelöscht sind!

    Als Notbremse denke ich an den Austritt aus der EU, eine neue goldgedeckte nationale Währung sowie ein verstaatlichtes Bankwesen incl. Zinsverbot.

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