„Aufstand der Bundesbanker“ – zu spät!

23. Juli 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer

Bundesbank-Chef Jens Weidmann steht jetzt groß in den Schlagzeilen. Er „schießt“ gegen den Euro-Gipfel und warnt vor einer Transfairunion. Zum Glück für sein Haus: Einen Tag zu spät…

Es ist eine seltsame Politik der Bundesbank, die stets auf ihre Unabhängigkeit Wert legt. Dabei hat sie kaum noch etwas zu sagen, seit sie ihre Geldhoheit an die EZB abgetreten hat und dort zuschaut, wie sie von anderen Mitgliedern überstimmt wird.

Einen Tag nach dem Euro-Gipfel warnt Jens Weidmann in scharfen Worten vor einem langfristigen Schaden für den europäischen Währungsraum. Damit hat er recht. Nur ist dieser Schaden schon längst eingetreten und wird mit den Absichten des Euro-Gipfel manifestiert und ausgeweitet.

Wenn der Schaden absehbar ist, warum hat die Bundesbank nicht schon vor dem Euro-Gipfel in Brüssel iese Warnungen in die Schlagzeilen geschickt? Wieso gab es keinen „Aufstand der Bundesbanker“, wenn der Schaden absehbar ist, und die Bundesbank so unabhängig wäre, wie von ihr behauptet wird?

Die Sorgen und Warnungen der Bundesbank kommen zu spät. Und die Politik in Berlin dürfte das entspannt sehen. Bislang hat man in Berlin eine Transferunion vehement abgelehnte und auch die Aufweichung der Haushaltsdisziplin in Europa. Jetzt stimmt man dem allen zu und spricht von einem Erfolg. Was soll man von solch einer Politik halten?

„Indem umfangreiche zusätzliche Risiken auf die Hilfe leistenden Länder und deren Steuerzahler verlagert werden, hat der Euro-Raum aber einen großen Schritt hin zu einer Vergemeinschaftung von Risiken im Falle unsolider Staatsfinanzen und gesamtwirtschaftlicher Fehlentwicklungen gemacht“

kritisierte Weidmann.

„Dies schwächt die Grundlagen der auf fiskalischer Eigenverantwortung bauenden Währungsunion. Künftig wird es noch schwieriger, die Anreize für solide Finanzpolitiken aufrechtzuerhalten“

bemängelte der Bundesbank-Chef, der bis vor einigen Wochen noch engsten Berater der Kanzlerin war.

Dabei sitzt die Bundesbank selbst in der Tinte, hat sie doch in den letzten Monaten Kredite an andere nationale Notenbanken ausgereicht, die bei einem Schnitt der Schulden Griechenlands abzuschreiben gewesen wären. Man weiß nicht wieviele Milliarden der insgesamt rund 330 Milliarden Kredite dann in Rauch aufgingen, doch um Kleckerbeträge“ dürfte es hier wahrscheinlich nicht gehen. Die Schlagzeilen hätten es in sich gehabt: „Bundesbank versemmelt xxx Milliarden“.

Nein, daher ist es jetzt nicht erstaunlich, dass Weidmann vor den Folgen warnt. Ihm hätte die Lage durchaus vorher bewusst sein können und müssen. Vielleicht war dem auch so. Von daher ist seine Warnung vor einer Transferunion in großen Lettern nur noch eine Sache für das Protokoll – einen Tag zu spät.



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5 Kommentare auf "„Aufstand der Bundesbanker“ – zu spät!"

  1. Skeptiker sagt:

    Wenn die Bundesbank tatsächlich so viele Milliarden zusätzlich noch verliehen hat- Deutschland hat ja schon überproportional in den „Rettungsschirm“ reingebuttert- dann erscheint die Forderung der „Wirtschaftsweisen“, Griechenland mind. 50% der Schulden zu erlassen noch skuriler, aber scheinbar immer noch nicht abwegig genug, als dass die drei Pfeifen der SPD (G. und 2x St.)sowie die Grünen (Trittin, Özdemir) das nicht noch gleich nachplappern müssen. Hier gehts um Volksvermögen, mit unseren Steuergeldern erschaffen. Da sollte die Politik doch erst mal unsere Interessen vertreten und den Schaden für Deutschland so gering wie möglich halten. Ich habe aber das Gefühl, dass die genau wissen, dass der Karren eh schon an die Wand gefahren wurde und jetzt werden schnell noch ganz andere Ziele umgesetzt, sprich Auflösung der Nationalstaaten und Schaffung eines europäischen Einheitsstaates. Anders kann ich rückblickend die politischen Entscheidungen der letzten 20 Jahre nicht deuten.
    Ich fühle mich von der jetzigen Regierung verraten und verkauft. In zwei Jahren kommen dann aber mit den Grünen und der SPD Kräfte an die Macht, die bereit sind alles, was Deutschland dann noch ausmacht, ohne ein Wimpernzuckern für die europäische Lüge zu opfern. Keine guten Aussichten.

  2. Zukunft sagt:

    Die Äußerungen von Herrn Weidmann wirken obskur.

    Eine Analyse durch Herrn Weidmann zur Rolle der anglo-amerikanischen Finanzzentren wäre weitaus sinnvoller.
    Ergänzend seine Ideen, was Europa tun muss, damit die Bedeutung dieser Zentren an die Wirtschaftleistung ihrer Staaten angepasst wird.

    Herr Weidmann sollte seine Fähigkeiten nutzen, um die Bildung einer europäischen Ratingagentur zu unterstützen, die mit den eurasischen Finanzmärkten eng kooperiert.

  3. JayJay sagt:

    Die Transferunion oder wie immer es auch heißen wird, ist seit dem Tag der Tage zur sogenannten Eurorettung, beschlossene Sache.
    Die Politikerkaste zu des Großkapitals Gnaden, wird es dem gemeinem, deutschen Steuerzahler, schon irgendwie als alternativlos verkaufen.
    Armes Deutschland, Armer Bürger
    Gold & Silber Ahoi

  4. matt06 sagt:

    Hab ich mich gefreut als die Mauer gefallen ist,doch die Merkel hätte man damals schon nach Sibirien schicken sollen.Jetzt macht sie mein Vaterland kaputt und wir sollen uns auch noch freuen.Ist ja alles alternativlos und das die Menschen Angst vor der Zukunft haben Interessiert ja auch niemand.Reisefreiheit haben wir ja noch,oder bald nur noch innerhalb der EU?Die wenigen Blogger sind ja alles finstere Typen die sich um jeden Mist Gedanken machen,V.T die nicht mehr ganz richtig ticken oder wer tickt nicht mehr Richtig?Vielen Dank an unseren Blogwart der uns mit immer wieder gelungenen Artikeln beglückt,auch wenn ich nicht immer glücklich bin.L.G. Matt06

  5. rolandus sagt:

    So bekommt der Abgang von Axel Weber doch Hand und Fuss, denn der hat bestimmt noch daran gedacht vorher auf die Malesche hinzuweisen.

    Sieht alles nach : So-jetzt-darfst-du-auch-was-dazu-sagen aus.

    Schön Gruß ins Ried in Erwartung einer bestimmt spannenden Metallwoche
    rolandus

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