Kehrtwende in die gleiche Richtung

14. Juli 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer 

Eines kann man den Notenbankern dieser Welt testieren: Verlässlichkeit. Immer wenn die Minuszeichen an den Börsen größer werden, schalten sie sich ein. Darauf kann man sich verlassen, denn Scheitern ist weiterhin keine Option…

Diesmal war es etwas Prosa von US-Notenbankchef Ben Bernanke für die von Sorgen verzerrten Gesichter der Marktexperten, und schon geht an den Börsen die Post ab und die Party weiter. Schnell treiben dann hirntote Computerprogramme die Preise für Aktien und Anleihen in die gewünschten Richtungen. Auch die EZB verspricht jetzt dauerhaft billiges Geld wie Praktiker 20 Prozent auf alles. Die arme Baumarktkette hatte das große Pech, keine Bank zu sein und geht jetzt unter. Unternehmen täten gut daran, sich als Schutzmaßnahme eine Bank zu gründen wie beispielsweise die Autobauer. Die können nicht untergehen. Und mal ehrlich, wer finanziert heute nicht seine etwas größeren Einkäufe?

In den USA ruderte Bernanke von seiner kürzlich geäußerten Absicht zurück, die Geldhähne schließen zu wollen. Er hatte den Zinsmarkt gegen sich aufgebracht, der ihn dafür umgehend überfahren wollte. Sein Ausstieg aus dem Ausstieg wurde in dieser Woche mit deutlich höheren Kursen gefeiert. Die Wetten dürfen jetzt wieder größer werden.

Die Aussicht auf weiter kostenloses Geld soll zwar offiziell der Wirtschaft helfen, nützt aber vor allem den Banken. Im ersten Quartal hat die US-Finanzindustrie teils unanständige 500 Milliarden US-Dollar Gewinn gemacht und davon einige Kleckerbeträge als Steuer gezahlt.

Nicht die Wirtschaft bestimmt heute maßgeblich das Börsengeschehen, sondern die Gelddruckerei. Einmal damit angefangen, es ist wie mit Eierlikör, lässt sich damit nicht mehr aufhören. Kein Notenbanker der Welt hat den Mut, wirklich den Geldhahn zuzudrehen, und wenn, dann höchstens verbal. Sollte es dennoch passieren, fresse ich einen Besen – quer – und aus Lübecker Marzipan.

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten


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Ein Kommentar auf "Kehrtwende in die gleiche Richtung"

  1. Michael sagt:

    Ich habe den Eindruck, dass es weniger um Wirtschaft geht als um die Börsen. Wenn man sich die großen bullishen Momente anschaut so ist zwar einerseits klar, dass bei der Geldpolitik im Moment die Börsen rauf gehen inbesondere die Aktienmärkte, verdächtig ist aber eher dass die bullishen Momente just dann kamen wenn Börsen zuvor länger eierten.

    Ob das jetzt in die Richtung geht man, wer auch immer ‚man‘ ist – vermutlich die Phönizier;), stützten die Derivate oder wie auch immer.

    Ursache und Wirkung sind als Außenstehender schwer auseinaderzuhalten. Denke aber den Jungs und Damen geht langsam der Schmäh aus…

    Die Armen Aktienmärkte bald ist SALE … wie in Italien auf Urlaub wenn der Herbst hereinbricht …

    Alles in allem schaut das aus wie die Vorbereitung einer Änderung … eh schon wissen. Die Reichen kaufen sich noch was sie brauchen und das war es …

    Irgendetwas kann da nicht mehr stimmen. Irgendetwas ist da falsch gerannt.
    Irgendetwas, irgendjemand hat dir deine Freiheit aberkannt.
    Es zeigt mehr oft
    nur von Unbekümmertheit,
    wenn man mehr hofft
    als die nächsten 100 Atemzüge weit.
    (Kein Schöner Land, Reinhard Fendrich)

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