Kauft! Weihnachten gibts jetzt täglich!

4. März 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Wer sagt`s denn? Die Deutschen kauften im Januar für 0,9 Prozent mehr Waren und Dienstleistungen ein als vor einem Jahr. Dem desaströsen Dezember folgt endlich ein euphorischer Januar. Und es wird noch besser! Helau!

Es fliegen Kamelle und Jubelmeldungen. Die Iden des März tanzen Samba. Ich platze vor Optimismus. Schließlich mündet Hochstimmung in Kaufwut. Aber dieses Konsummärchen kaufe ich Euch nicht ab, liebe GfK. Denn wenn das so weiter geht, wie überall geschrieben steht, gibt es bald wieder lange Schlangen wie vor den Läden der einstigen DDR.

Noch aber liegen die realen, um die Teuerung bereinigten Ausgaben, unter dem Niveau von 1991. Und dabei kocht die Laune der Konsumenten schon jetzt über – was ja nicht zu übersehen ist. Nein? (Quelle: Querschuesse.de)

1a349

Das waren noch Zeiten, als es bei Karstadt richtige „Kaufregung“ gab, als es aus dem Radio trällerte „Gut einkaufen, schöner leben“. Damals bekam man für seine Mark noch etwas mehr als heute, sagen die Verschwörungstheoretiker. Und in der Tat! Karstadt ist (fast) weg und auch so viele andere konsumptive Glücksspender. Schaut man auf die langfristigen realen Einzelhandelsumsätze, dann waren die 90er Jahre der Hochpunkt des Kaufrausches. Wir tanzten zu „Joyride“ von Roxette und zu „Crazy“ von Seal – und trugen weiße Socken. Der „Wind of Change“ der Scorpions wehte aus den Radiolautsprechern. Und seitdem geht’s bergab. Crazy!

Seitdem gab es auch real weniger Geld in der Tasche und folgerichtig auch weniger Konsum – aber dafür mehr monatliche Jubelmeldungen über uns, die Exportweltmeister. Das gleicht sich aus, wenn auch nur unterm Strich für die Statistiker.

Mangelnde Kaufkraft wird inzwischen durch steigende Stimmungsindikatoren ersetzt. Die Leute übten auf Geheiß von Regierung, Gewerkschaft und Lobbyverbänden gerne Lohnverzicht und erhielten im Gegenzug schnell Unmengen an Erfolgsmeldungen aus der Presse. Das nenne ich effizient!

Januar-Indikator?

Waren die Januar-Zahlen aus dem Einzelhandel ein grandioser Auftakt für bessere Zeiten? Dann müssten ja die Leute plötzlich auch mehr Geld zum Ausgeben haben. Oder ist damit gemeint höhere Preise für Energie, Mieten, Alltägliches, Abgaben und Steuern? Oder die Leute verfeuern ihre Ersparnisse, bevor sie die Inflation verfeuert – oder so ähnlich sagte es ein Händler auf dem Parkett.

Fast hätte ich mich auch noch verschluckt, denn die GfK teilt mit, wegen der Rekordbeschäftigung und Aussicht auf steigende Löhne hierzulande, ist die Stimmung so gut wie seit sieben Jahren nicht mehr. Helau! Ja, Wahnsinn, wenn man sich in der Realität umschaut. Selbst die Flaschensammler in Frankfurt sorgen inzwischen für Reinlichkeit, damit den Leuten die Lust auf Konsum nicht vergeht. Auch sie sehen, man haut das Geld raus, als wäre es Konfetti. Okay, diese Schlagzeile wird Bestandteil einer künftigen Pressemitteilung der Konsumforscher… (—> Seite 2)

 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , , ,

6 Kommentare auf "Kauft! Weihnachten gibts jetzt täglich!"

  1. Michael sagt:

    Wenn man schon so nützliches Zahlungsmittel in unbegrenzter Menge kann herstellen, sollte wohl darauf geachtet werden, dass in jedem Börserl sich genug befindet. Befinden und Finden von Tauschmittel besonders im eigenen Börserl hängt zusammen.

  2. Skyjumper sagt:

    Herr Meyer, Herr Meyer. Laaaaangsam, Sie kriegen sonst noch einen Herzkasper. Das steigert zwar sicherlich auch den Konsum, sollte aber doch tunlichst vermieden werden 😉

    „Aber dieses Jahr, so die GfK wird der Konsument den Aufschwung tragen. Nur von wo nach wohin?“

    Na auch von hier in den Keller muss schließlich irgendwer den alt und müde gewordenen Aufschwung tragen.

  3. bluestar sagt:

    Wie wird diese Konsum-Laune eigentlich ermittelt“
    Lieber Frank Meyer, diese GfK Märchen verdienen doch niemals das Wort ermittelt.
    Eher schon erlogen. Wie in der ehemaligen DDR, wenn Anspruch und Wirklichkeit immer mehr auseinandertriften leben die Eliten und deren Schmeißfliegen immer mehr im Bereich der Selbsttäuschung und produzieren selbst die Nachrichten zum Erhalt dieses Zustandes. Auf dieser Basis werden dann politischen Entscheidungen getroffen mit sofort folgendem Eigenlob und neuen Erfolgs-Nachrichten und Statistiken.
    Also, Sie müssen sich leider auf weitere und noch drastischere Erfolgslügen in allen Bereichen einstellen und dem dabei einem gesunden Menschenverstand zugefügten Schmerz tapfer ertragen. Kleiner Trost: Sie leiden nicht allein.

    LG und einen schönen Tag.

  4. Michael sagt:

    Ein wenig Off-Topic aber wohl interessant. Insbesondere wenn man genau hinhört.
    http://www.youtube.com/watch?v=Hm4Tdc0oMZU
    (Neues Denken in Geldtheorie und Geldpolitik)

  5. Avantgarde sagt:

    Ob man nicht nur kaufwillig sondern auch fähig dazu ist entscheidet letztlich alles.

    Schauen wir doch mal auf die EU insgesamt
    http://ec.europa.eu/economy_finance/db_indicators/surveys/documents/2014/fcci_2014_02_en.pdf
    So wahnsinnig super ist die Stimmung nach Meinung der EU also doch nicht – wenn sie sich auch gesamteuropäisch gebessert hat – was ja auch der Realität entspricht.
    Im Durchschnitt freilich. D und GR dürften ziemlich gegensätzlich sein.

    Was das für Fragen sind ist hier zu finden
    http://ec.europa.eu/economy_finance/db_indicators/surveys/documents/questionnaires/questionnaires_de_cons_en.pdf

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.