Kaufrausch der besonderen Art. Konsumenten an die Front!

27. Juni 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

vom Smart Investor  Erfreuliche, nein ausgesprochen erfreuliche Zahlen vermeldete die GfK: Der dort ermittelte Konsumklimaindex für Juli stieg auf einen Wert von 6,8 Punkten – mehr als die erwarteten 6,6 Punkte – und zudem der höchste Wert seit Krisenbeginn im Jahre 2007. Die Jubelmeldungen der Massenmedien über den heroischen Kampf der Konsumenten an der Konjunkturfront überschlugen sich förmlich…

Spiegel.de: „Deutsche sind im Kaufrausch“
Stern.de: „Sparen ist out, Shoppen ist in“
Zeit.de: „Kauflaune der Deutschen so groß wie zuletzt 2007“
Suedeutsche.de: „Deutsche in Kauflaune: Konsumklima steigt weiter“

Mit dieser Interpretation der Zahlen gibt es allerdings ein Problem: Bislang wollte das gute Klima im Einzelhandel nicht recht ankommen. Die letztverfügbaren Daten des Statistischen Bundesamtes sprechen zumindest bislang noch eine andere Sprache. Kalender- und saisonbereinigt fiel der Einzelhandelsumsatz im April um 0,4% gegenüber dem Vormonat, nachdem er bereits im März um 0,1% zurückgegangen war. Ein weiteres negatives Schlaglicht kam aus der Autoindustrie: Die letztverfügbaren Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes zu den Pkw-Neuzulassungen (Mai) weisen ein sattes Minus von 9,9% aus. Woher kommt also der Konsumrausch, über den sich der Mainstream so freut?

Eine Frage der Abgrenzung

Es scheint vor allem eine Frage der Abgrenzung der Aggregate Konsum und Sparen zu sein, die sich hier auswirkt. Bei der Frage nach „größeren Anschaffungen“ meinen die Befragten eben auch Ausgaben für Immobilien und Ausgaben rund um die Immobilie. Das aber ist nicht nur klassischer Konsum, sondern auch eine Form des Sparens in Sachwerten.

Wie uns der GfK-Konsumforscher Rolf Bürkl auf Nachfrage bestätigte, spielen für diese Art des Konsums die historisch niedrigen Zinsen und die mangelnde Attraktivität der klassischen Geldanlagen eine Rolle. Es scheint so, als würden die Konsumenten den Rat beherzigen, den ifo-Präsident, Prof. Hans-Werner Sinn ihnen vor Jahresfrist gab:

 „Renoviert das Bad und werdet mündige Bürger!“

– zumindest den ersten Teil davon. Zwar ist Wirtschaft auch Psychologie, aber die Schönfärberei des Mainstreams geht angesichts des durchaus differenzierten Bildes fast schon an der Sache vorbei. Die Flucht in Sachwerte ist ja eben gerade kein Hinweis auf eine Rückkehr des Verbraucher- oder Sparervertrauens. In München, dem Sitz der Smart Investor Redaktion, kann man anhand der Preis- und Mietsteigerungen fast täglich die Blüten bewundern, die leichtes Geld am Immobilienmarkt treibt.

Unabhängig davon erscheinen uns auch Aussagen über die stabilisierende Wirkung des Konsums vorschnell zu sein. Kaum ein Land ist so exportabhängig wie die Bundesrepublik und zwar nicht nur was die absolute Höhe der Exporte, sondern vor allem was deren Anteil an der Wirtschaftsleitung betrifft. Vor diesem Hintergrund sind die Tariflohnerhöhungen, die im Zusammenhang mit dem Konsum als Kaufkraftmehrung bejubelt werden, ein zweischneidiges Schwert:

Aus Sicht der Exporteure sind es lediglich Kostensteigerungen, die deren Produkte weniger konkurrenzfähig machen. Man kann über die Sinnhaftigkeit des deutschen Exportmodells sicher trefflich diskutieren, besonders in Bezug auf jene Handelspartner, die seit Jahren überwiegend anschreiben lassen. Die deutsche Wettbewerbsfähigkeit aber mutwillig auf Eurozonenniveau abzuschwächen, ist aus deutscher Sicht sicher nicht zukunftsweisend… (Seite 2)

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