Kaufkraft: O`gezapft is!

29. September 2014 | Kategorie: RottMeyer

Glosse von Frank Meyer

Ja Himmi, Herrgott, Sakrament! Bei aller Zinslosigkeit in unserer Welt, erinnert man sich doch gerne an gute alte Zeiten. Das Sparbuch bot noch mehr Prozente als ein gutes altes Wiesnbier…

Normales Bier enthält rund fünf Prozent Alkohol. Wiesnbier mit sechs Prozent dreht schon etwas schneller. Das Sparbuch dagegen schwebt heute im prozentfreien Raum. Dann doch besser der Griff zur Maß auf der Wiesn zum Oktoberfest. Selbst die Börse bringt kaum diese Prozente.

Da es ja offiziell keine Inflation gab, nicht gibt und angeblich nie geben wird, ist es bloße Verschwörungstheorie, dass heute eine Maß Bier auf dem Oktoberfest (auch schon im September) rund zehn Euro kostet. Das sind politisch unkorrekte 20 D-Mark. 1980 waren es nur 2,50 Euro, also ein Viertel. Kann es sein, dass die Kaufkraft unseres Geldes dreiviertel seiner Kaufkraft verloren hat? 1923 gab es übrigens wegen der galoppierenden Inflation in Deutschland kein Oktoberfest.

Gerstensaft ist wohl eines der teuersten Getränke im Herbst. Ein Barrel Bier, also 159 Liter, kostet heute damit 1.590 Euro. Nordseeöl der gleichen Menge schlägt dagegen nur mit 76 Euro zu Buche. Bier ist also 21 mal teurer, obwohl es angeblich nur innerlich heizt und ein Liter Nordseeöl kaum Stimmung bringt. Und wenn, dann nur bei der Wasserschutzpolizei, versehen mit einem Minuszeichen.

1950 kostete eine Maß 83 Cents. Während der Benzinpreis seitdem um 385 Prozent stieg, legte der des Biers um 1.100 Prozent zu. Anders gerechnet, ist sowohl ein Liter Benzin und Bier weiterhin ein Liter, während das Geld in Bezug auf die „Ware“ weicher wurde und man mehr davon über den Tresen schieben muss.

Das Satirische Bundesamt geht unterdessen davon aus, dass der Durchschnittsverdienst damals bei 1,24 D-Mark lag und man fast anderthalb Stunden für eine Maß arbeiten musste. Heute liegt der Durchschnittsverdienst bei 17,40 Euro. (?) Entsprechend muss man (man?) heute nur noch rund 30 Minuten für eine Maß in München arbeiten. Bier ist also viel billiger geworden. Ein „Aufstocker“ braucht etwas länger, Investmentbanker nur noch Millisekunden.

Bier gegen Gold (Quelle: Boerse-go)

Wiesn_Gold_Ratio

1980 war auch das berühmte Jahr, als der Goldpreis bei umgerechnet 800 Euro pro Feinunze notierte. Trinkfeste hätten für eine Goldmünze damals rund 300 Maß Bier bekommen, das wahrscheinlich aber kaum überlebt. Heute kostet Gold rund 950 Euro. Dafür gäbe es nur noch 95 Maß Bier. Dass man für eine Unze Gold wieder 300 Maß Bier kaufen kann, müsste der Goldpreis auf rund 3.500 Euro steigen oder der Bierpreis für eine Maß auf der Wiesn auf 3,20 Euro fallen. Was glauben Sie, was ist wahrscheinlicher?

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)



 

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11 Kommentare auf "Kaufkraft: O`gezapft is!"

  1. bluestar sagt:

    Na also, es geht aufwärts in Deutschland, zumindest bei Bierpreisen und Alkoholgehalt.
    Auch der Bierverbrauch pro Besucher ist seit 1980 von 0,75 auf 1,05 Maß um sanfte 28 %gestiegen. Das kann man inflationsbereinigt bewerten, allerdings vor Berücksichtigung von Alkoholgehalten.
    Leider liegen mir keine verlässlichen Angaben über die positive Entwicklung der Teilnahme von wichtigen C bis F – Promis vor, aber ich vermute einen jährlichen Anstieg der dem aktuellen Alkoholgehalt entsprechen könnte. Auch in diesem Bereich ist alles paletti.
    Die Beteiligung der Deutschen an Bundestagswahlen ist dagegen von 1883 bis 2013 um leichte 20% zurückgegangen. Bei Landtagswahlen in meinem Heimatland Sachsen von 1990 mit 72,8 Prozent um satte 33 Prozent auf 49,1 Prozent in 2014.
    Da die Realität und Politikzustimmung der Masse wohl doch nicht so rosig ist wie Politiker ununterbrochen behaupten, sollte wesentlich mehr gefeiert werden. Freude und Lachen sind gesund. Das ist dann auch politisch wieder vollkommen korrekt und stärkt die körperliche Volksgesundheit. Diese wiederum ist auch wichtig für die Wehrfähigkeit des Volkes gegen Bedrohungen aus dem Osten.
    Darauf ein gutes Bockbier….

  2. Michael sagt:

    Frank Meyer. Kann es sein dass das Durchschnittseinkommen netto (korrekt) in EUR gemessen aus den 70er Jahren haben angesetzt in DM bei DM 1,24?

    Es sind ca. 1,5 Stunden auch im 80er Jahr;). Das ist eine ökonomische Konstante.

    http://de.statista.com/statistik/daten/studie/164047/umfrage/jahresarbeitslohn-in-deutschland-seit-1960/
    http://www.oktoberfest.de/de/article/Das+Oktoberfest/Bier/Der+historische+Bierpreis!/2752/

    Die Werte kommen hin (auch lt. SV Durchschnittarbeitseinkommen weichen die nicht ab). Bin mal von 2000 Stunde so ca. und 50% Abgaben ausgegangen.

    Es wäre besser wir messen in Gramm Gold … dann bleiben wir eindeutig. Währe schon ein Vorteil

    • Michael sagt:

      Vergessen sie es. Die ewige Kaufkrafthalbierung pro Dekade … hat mich jetzt auf die falsche Fährte gelockt. Ihre Ausführungen sind korrekt.

    • Michael sagt:

      Aha. Seit den 70er Jahren dreht sich das Verhältnis zuungunsten des Trinkenden und damit Ertrinkenden. Mit hat jetzt der Maßpreis der 70er mit den Studenlohn netto verwirrt. Daher meine kühne Ansage zuvor. Der ist 1,25 aber EUR.

      1950 = ca. 1500 Maß (gemessen am Brutto)
      1970 = ca. 5600 Maß bis 7000 (teuer vs. günstig)
      2014 = ca. 3000 bis 3200

      Das ist eine bedenkliche Entwicklung. Positiv ist bis zu den 70ern stieg die Produktivität und die Früchte kamen irgendwie an. Jetzt kehrt sich schon ein Weilchen um.

      • Reiner Vogels sagt:

        Zitat: „Positiv ist bis zu den 70ern stieg die Produktivität und die Früchte kamen irgendwie an. Jetzt kehrt sich schon ein Weilchen um.“

        In Orwells 1984 wird über diesen Mechanismus gesprochen. Eigentlich müsste wegen des unaufhaltsamen technischen Fortschritts der allgemeine Wohlstand immer weiter steigen.

        Anmerkung von mir: Zwar spiegelt sich in dieser optimistischen Annahme der Forschrittsoptimismus des Sozialisten Orwell, aber ganz unberechtigt ist die Annahme ja nicht. In der Tat ist die Produktivität in der produzierenden Wirtschaft immer wieder und immer weiter gestiegen.

        Die Steigerung des allgemeinen Wohlstands jedoch – hier weiter das Referat ü

  3. Reiner Vogels sagt:

    Fortsetzung: Die Steigerung des allgemeinen Wohlstands jedoch – hier weiter das Referat über Orwell – wäre für die herrschende Schicht eine schlimme und bedrohliche Sache. Denn dies würde ihrer Herrschaft auf Dauer die Basis entziehen. Schließlich: Wer würde denn noch bereit sich, vor Fürsten auf die Knie zu gehen oder im Hamsterrad von morgens bis abends für kleines Geld sich abzurackern, wenn jeder durch eigene Kraft und eigene Arbeit ohne allzu große Mühe genug für sich und seine Familie verdienen könnte?

    Es muss also aus der Sicht der Herrschenden eine Wohlstandsbremse her. Bei Orwell dient der ständige Krieg mit Eurasien oder Ostasien als Senke des Wohlstandes. Heute sind Kriege zu gefährlich. Also sucht man nach Alternativen. Eine Alternative ist die ständige Ausweitung des Staatssektors mit seinen unproduktiven Beschäftigungsmechanismenanismen. Eine andere Wohlstandsbremse ist ganz ohne Frage die Ökodiktatur mit ihren ständig neuen Vorschriften, Auflagen und Einschränkungen, also im Endeffekt mit ihren Verteuerungen.

    Fazit: Ich halte es für gut möglich, dass es den herrschenden Kreisen durchaus nicht unangenehm ist, daß die Produktivitätsfortschritte sich nicht in Wohlstandszuwächse der breiten Massen auswirken. Dann bestünde doch die Gefahr, dass die Menschen weniger bereit wären, sich als Schafe führen und als Kulis ausbeuten zu lassen.

  4. Reiner Vogels sagt:

    Sorry, aus irgeneinem Grund werden meine beiden Kommentarhälften in der falschen zeitlichen Reihenfolge wiedergegeben. Ich bitte also, sich beim Lesen an den Zeitstempeln zu orientieren.

    • Michael sagt:

      Kein Drama.

      Ich sehe mit ein großes Übel in der Falschen Darstellung der Schulden. Ich bin eher streng und sage: „Sei Tauschmittel knapp und es rentierte sich damit sorgsam umzugehen sonst macht Emulation der Verknappung eines beliebig reproduzieren Guts, des Falschgeld das wir verwenden, wenig Sinn“. Sein das Tauschmittel wirklich so wertvoll, dass nicht mehr da wäre, als dass jeder alles wieder ausgibt, Gewinne reinvestiert werden und der Zins reflektierte die Ergänzung der bestehenden Bedarfe. Man bekommt dann immer das selbe Säckchen Gold am Monatsersten wieder zurück – individuelle Umlaufgeschwindigkeit von 12. D.h. das eingesetzte Tauschmittel für das BIP ist ein 12tel. Dementsprechend kann man aber auch sagen – die Schulden bspw. des Staates grad in Mitteleuropa sind 12mal so hoch. Es mag sein, dass sie ein Bruchteil sind, so realistisch bin ich.

      D.h. der Staat ist nicht mit 80% des BIPS verschuldet sondern mit dem Mehrfachen des BIPs. Der Rest wird entlang der Organsisation des Wirtschaftsraum verludert.

      Man kann diskutieren inwieweit diese Sicht zulässig ist. Ich nehme aber jetzt mal den Kleinverdiener für den sich die Lage so darstellt.

      Der wird belogen und betrogen, damit man sich mit dem 11fachen der eingesetzten Tauschmittel ein schönes Leben kann finanzieren. Die Nutzernießer bereichern sich wissentlich oder unwissentlich an dem Raub der Umlaufgeschwindigkeit der der kleine Mann hinterher hächelt und eigentlich auch die essentiellen Teile der Realwirtschaft die Bedarfe decken.

      Das Lügengerüst das rund um den Einkommensbezieher wurde errichtet ist erstaunlich. Der gibt das überflüssige Tauschmittel bei der Bank ab bekommt eine Aufzeichnung über den Vorgang und keinen Gegenwert, aber die Schulden des einen sind die Tauschmittelvorräte respektive Geld ausgedrückt in Sparguthaben des anders.

      Daraus folgt aber das Geld gar nicht da ist und Schulden kein Geld sein können.

      Es kann ruhig Unterschiede geben oder die Staatschulden sind ein Mehrfaches der Tauschmittel die für die Realisierung des BIPs notwendig sind. Man muss Bestandsgrößen vergleichen. Ein Packerl Tauschmittel vs. dem anderen großen Berg und will man nicht Käfer, Gras und Erde essen, dann eher jenes Mini Packerl, das am Monatsende der Bank wird übergeben die Vergleichsbasis.

      Einer will ein schnelles Auto, ein großes Haus, gekleidet sein wie der Pfau und sich auch so benehmen. Ich brauche allein ein Radl und gehe lieber zu Fuß. Mir ist sogar das Verhalten desjenen egal – jeder soll glücklich sein wie er glaubt. Aber damit ist es auch notwendig die individuelle Umlaufgeschwindigkeit bezogen auf die erhaltenen Tauschmittel zu kappen, dann kann sich derjene die Arbeit selbst machen 88 Stunden am Tag. Viel Spaß dabei.

  5. Deerhunter sagt:

    Ja,ja die Gold-Wiesnmaß-Ratio.
    Wunderschön, weil in der Wiesnmaß so einiges eingepreist ist:
    – Rohstoffpreise (z.B. über Kunstdünger und Diesel zum Gerstenanbau)
    – Gehälter und Nebenkosten
    – Energiepreise für den Sudkessel
    – Musikgebühren
    – Steuern ….
    Aber ein paar sachliche Unsauberheiten sind schon drin, im Text:
    1. Der Bierpreis auf der Wiesn wurde nach dem Krieg lange vom Stadtrat nach oben limitiert, war also kein Marktpreis.
    2. In der Wiesn-Maß steckt Musik drin: die Blaskapelle wird ebenso davon bezahlt wie die Gema, der Auf- und Abbau des Zeltes, der Sicherheitsdienst, die Toilettenreiniger etc. . Ein direkter Vergleich mit dem Ölpreis verbietet sich also. Denn sonst müsste man schon das Oettinger-Bier hernehmen, das ein echtes Industrieprodukt ist.

    Dennoch: Bier ist zu teuer bzw. Gold zu billig.
    Und darauf lass ich mir jetzt noch eins einschenken. Was man hat, kann einem keiner nehmen. Prost!
    2.

  6. Rahel sagt:

    Hallo Frank,

    ein großen Lob, einfach wieder herrlich dein Schreibstil! Zitat: „Dass man für eine Unze Gold wieder 300 Maß Bier kaufen kann, müsste der Goldpreis auf rund 3.500 Euro steigen oder der Bierpreis für eine Maß auf der Wiesn auf 3,20 Euro fallen. Was glauben Sie, was ist wahrscheinlicher?“

    Mhhh….., ich befürchte das o.g. werden wir sicherlich nicht so schnell sehen, bzw. uns für den Preis die Maß uns zu Gemüte führen können, aber ich „persönlich“ würde eher diese Wechselbeziehung begrüßen. Der Goldpreis auf 3.500 € und die Maß bei 3,20 € 😉

    Grüße aus Ladenburg

    • Frank Meyer sagt:

      Danke! Und viele Grüße zurück…
      Natürlich fehlt hier die Betrachtung aller Kosten, die in ein Maß mit einfließen. Hier in Spanien an den Stränen ist auch alles extrem teuer, weil allein schon die Konzessionen von einigen zehntausend Euro mit auf die Preise aufgeschlagen werden müssen. Man könnte es auch anhand des Strompreises ausrechnen, habe ich ja schon mal.

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