Kaufhysterie auf dünnem Eis

12. Januar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Ronald Gehrt) Immerhin haben viele noch in Erinnerung, wie sich manch eine miese Type während der Hyperinflation der Weimarer Republik durch Beziehungen Kredite sicherte, damit Grundstücke und Immobilien, teilweise ganze Unternehmen aufkaufte, diese Kredite dann später zum Gegenwert eines Leibes Brot zurückzahlte und sich und seinen Nachkommen so einen Platz unter den Superreichen der nächsten Jahrzehnte sicherte…

Nach außen hin wild empört streben nun die Neunmalklugen danach, diesmal genauso gewitzt zu sein. Was mich an dieser Situation freut: Sie werden allesamt mit Schwung auf die Schnauze fallen. Denn sie dürften am Ende feststellen, dass sie mit gigantischen Krediten Immobilien zu Höchstpreisen zusammengerafft haben, die dann auf einmal im Wert zügig abwärts trudeln, weil nach einer solchen Hysterie-Welle der Bedarf an zwei Zimmerwohnungen in bester Lage in Hamburg mit Mietgarantie (haha) gedeckt ist und jeder, der sich ein solches „Juwel“ kaufen wollte, dies bereits getan hat.

Die Preise ziehen jetzt durch diese Euro-Hysterie an, verursachen Inflation, weil so viele glauben, ihr Bargeld umgehend in Sachwerte verwandeln zu müssen und dadurch die Preise treiben. Zum Vorteil der Konjunktur, die durch diese blinde Kaufwut wenigstens einigermaßen stabilisiert wird. Aber letztlich ist das nur ein Eisbuckel auf einer Abfahrtspiste. Wenn man den hinter sich hat, geht’s umso hurtiger bergab, weil dann das große Loch kommt. Die, die konnten, haben gekauft, was sie wollten. Und die wachsende Zahl derer, die nicht konnten, können erst recht nicht. Das erinnert irgendwie an die Schnapsidee der Abwrackprämie.

Und genau dann wird es auch, bei schnell sinkender Nachfrage, eng mit der Inflation, auf welche die bauen, die jetzt für scheinbare Äpfel und Eier Wohnungen und Grundstücke hamstern. Genau dann zahlen sich nämlich diese Kredite nicht selber, sondern die zugrunde liegende Sicherheit verliert an Wert! Hatten wir schon mal, unlängst beim Immobilienboom in den USA. Aber wozu daraus lernen – und Apropos USA:

Amerikas geliehene Belebung

Was ist eigentlich mit deren beeindruckendem Aufschwung, den wir in den Konjunkturdaten seit November wiederfinden? Sollten wir neidisch „Amerika, du hast es besser“ seufzen … oder vielleicht doch mal genauer hinsehen? Mir kommt da irgendwas höchst seltsam vor.

Auf einmal zieht die Zahl neu geschaffener Stellen an. Das Verbrauchervertrauen steigt. Die Einkaufsmanager werden fröhlicher. Die Baubeginne steigen und die Neubauverkäufe ebenso. Gut, alles bewegt sich immer noch auf einem eher ungesund niedrigen Niveau, aber es ist auf einmal ein strahlendes Licht am Ende des Tunnels. Gerade rechtzeitig für die amtierende Regierung, pünktlich zu Beginn des Wahljahres. Kann man dieser Belebung trauen? Dazu ein glasklares „Jein“!

Wenn man sich die Divergenzen zwischen den ADP-Arbeitsmarktdaten (+325.000 Jobs) und den Zahlen der US-Regierung (+212.000) für Dezember ansieht, fragt man sich, wie solche Unterschiede möglich sind. Wenn man sich erinnert, dass unlängst die Jahresrate der Verkäufe gebrauchter Eigenheime um 15% nach unten genommen werden musste, weil man angeblich Datenprobleme gehabt habe und dadurch monatelang völligen Quatsch veröffentlicht hat … tja, da fragt man sich zu Recht, was diese Zahlen wert sind. In jedem Fall zeigen diese Beispiele, dass man da prima mogeln kann, wenn man will. Und ich bin sicher, dass man – wie überall – natürlich versucht, „das beste aus den Zahlen herauszuholen“. Aber so ein bisschen „besser“ dürfte da dennoch seit November übrig geblieben sein. Woher aber kommt diese leicht positive Entwicklung?

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2 Kommentare auf "Kaufhysterie auf dünnem Eis"

  1. Dagobert sagt:

    Vielen Dank an Ronald Gehrt für das „Doppelpack“ Wahrheit & Hysterie!

    „Only the disciplined mind can see reality, Winston!“

    …“Newspeak“ – „doublethink“ – „the mutability of the past“ scheinen doppelplusgut zu wirken! – Unwissenheit ist Stärke – Krieg ist Frieden – Freiheit ist Sklaverei – Gelddrucken ist Reichtum – T I N A ist unsere dauerhafte Rettung – das Ministry of Truth verkündet die alltäglich neue Wahrheit…- „Prolesfutter“ eben…

    Gruss
    Dagobert

  2. pearler sagt:

    Gefällt einfach dieser geläuterte Realitätssinn!

    Bravo.

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