Sparen als Krankheit

28. Februar 2009 | Kategorie: Kommentare

von Frank Meyer

Es waren immer die gleichen Botschaften in den letzten Jahren, Monaten und Wochen….. Kaufen! Kaufen! Kaufen! Kurbeln Sie die Wirtschaft an! Wir setzen auf Sie! Schnäppchen allerorten! Sparen dagegen gilt als Pfui Bäh! Vielleicht wird Sparen bald als Krankheit anerkannt. Doch noch ist es nicht soweit…

Sparen? Um Himmels Willen! Viele wissen gar nicht mehr was das ist, und schon gar nicht, wie es funktioniert. Wikipedia spuckt folgende Definition aus:

Sparen ist das Zurücklegen momentan freier Mittel zur späteren Verwendung. Häufig wird durch wiederholte Rücklage über längere Zeit ein Betrag aufsummiert, der dann für eine größere Anschaffung verwendet werden kann.

Einfacher ausgedrückt, ist es das Ergebnis aus weniger ausgeben als man einnimmt. Wieso ist das eigentlich so kompliziert? Wir sparen doch überall, egal wo wir sind, indem wir Dinge kaufen, die normalerweise vorher viel teurer waren. Dieser Begriff vom Sparen scheint sich inzwischen eingebürgert zu haben, vor allem bei den Jungen. Nach einem Kauf kommen zwei Glücksgefühle den Rücken hochgekrochen: Einerseits besitzt man jetzt etwas, was man wollte, andererseits hat man dabei auch gespart.

Wikipedia unterscheidet zwischen dem Zwecksparen, also Sparen, um später größere Anschaffungen zu ermöglichen. (Fahrzeug, Urlaub) und dem Vorsorgesparen, also dem Sparen, um sich vor Notsituationen zu schützen.(Krankheit, Arbeitslosigkeit)

Doch mal Hand aufs Herz. Wer legt schon heute noch Geld zur Seite, um bar ein Auto zu bezahlen, oder auf einen Urlaub zu verzichten, wenn man knapp bei Kasse ist. Kredite lösen doch alle unsere Probleme, und nebenbei auch noch die des Einzelhandels. So jedenfalls wird uns immer wieder erzählt, so lange, bis man es glaubt, bzw. dran glauben muss, wenn unangenehme Post den Briefkasten verstopft.

Vorsorgesparen an der Börse hat die meisten in den letzten Jahren arm gemacht. Steckt man das Geld unters Kopfkissen oder ins Sparschwein, frisst es die Inflation oder der Betrug. Legt man es auf das Sparbuch, hat es die Inflation nur etwas schwerer. Packt man Geld auf Festgeldkonten, ist die Inflation auch wieder schneller als der Zinsgewinn, denn die offiziellen Inflationszahlen liegen in der Realität weit höher, als es die Statistik uns weismachen will. Aktien brachten in den letzten zehn Jahren nicht viel, außer man hatte Volkswagen-Papiere. An Rürup haben höchstens der Verkäufer und der Erfinder partizipiert, bei Riester sieht es nicht viel anders aus. Irgendwie ist man immer gekniffen. Dann gleich die Euronen aus dem Fenster werfen. Oder?

Lebensversicherungen haben den „Charme“, dass sie unterm Strich weniger abwerfen, als der sich schon längst aus dem Staub gemachte Vertreter auf dem Papier versprochen hat. Sie hätte ihn eine Garantie unterschreiben lassen sollen…! Beim heutigen Zinsniveau bekommen Versicherer das klitzekleine Problemchen, dass sie die garantierte Garantieverzinsung von 2,25 Prozent nach Kosten nur schwer schaffen können. Der Charme liegt vor allem darin, dass Sie es nicht mitbekommen. Viele Versicherungen sind deshalb in den letzten Jahren Risiken eingegangen, über die jetzt die Zeitungen herziehen. Zudem war die Inflation mal wieder schneller. Wie schön klangen 50.000 D-Mark, damals im Jahr 1980, als man Ihnen für das Jahr 2010 diese Summe vorhergesagt hat (wenn nichts passieren würde). Im nächsten Jahr stellt man fest, dass 25.000 Euro für einen Golf nicht ausreichen, geschweige denn für eine Altersvorsorge. Am Ende ist man meist schlauer.

Doch zurück zum Grundgedanken des Sparens: Die Dinge sind einfacher als man denkt, sagen unsere Alten. Wenn man weniger ausgibt, als man einnimmt, dann ist das schon mal die halbe Miete und man damit auf der fast sicheren Seite. Doch wer weiß das heute schon noch. Und wer fragt überhaupt noch unsere Alten? Sie werden höchstens angeschnorrt, wenn es in der eigenen Kasse klemmt. So bringen freundliche Enkel ein paar Blumen mit und schleppen dann ein paar Scheine fort. Ein Hauch Freundlichkeit bewegt bei Großeltern Berge. Und so ist es heute oft der Brauch. Woher das Geld stammt, spielt dabei meist keine Rolle.

Sparen Sie sich reich! Das ist mein Lieblingsspruch. Wechseln Sie den Energieversorger, die Telefongesellschaft, die Versicherung, und schon starten Sie glücklicher in den Tag. Wie lustig!

Doch Sparen heißt Verzicht bzw. auch Einsicht in Notwendigkeiten, wenn die Dinge mal nicht mehr so laufen wie gewohnt. Wer knapp bei Kasse ist, überfordert oft das Konto, statt die Ausgaben einzuschränken.

Wer heute sein Konto um 4000 Euro überzogen hat, ist in guter Gesellschaft. Man zahlt für die Inanspruchnahme des „Dispo“ bei einem oft freundlichen Zinssatz von 12% jährlich 480 Euro Zinsen. Bei 4000 Euro Schulden stehen am Jahresende 4480 Euro angeschlagen, ein Jahr später 5017 Euro. Wer 4000 Euro Schulden nicht tilgt, hat nach fünf Jahren mal eben 3000 Euro Zinsen bezahlt. In vielen Fällen ist bei 4.000 Euro längst nicht Schluss. Der Kontoüberziehung folgt oft ein Privatkredit, womit die Einnahmen der Bank garantiert sind, außer Ihr Job ist weg. Die Zinslast steigt aber trotzdem weiter. An diesem Punkt hängen die meisten schon am Fliegenfänger.

Für den Fall, dass der Job wirklich wackelt, akzeptiert man dann notgedrungen auch Nullrunden, Gehalts – und Prämienkürzungen, Demütigungen, Mobbing und andere Dinge, die keiner braucht, nur um die monatlichen Einnahmen weiter fließen zu sehen. Ist der Job dann wirklich weg, wenn auch nur für ein paar Monate, dann laufen die festen Kosten trotzdem weiter und recht schnell schreibt Ihnen die Bank noch einen netten Brief: Bitte Konto ausgleichen!

Doch wie lässt man die Schuldenfalle erst gar nicht zuschnappen? Meine Oma hat dafür ein ganz eigenes System ohne viel Rechenarbeit und täglicher Kontrolle.

Zu Beginn des Jahres schreibt man alle Einnahmen auf, die zu erwarten sind. Dagegen setzt man dann alle Ausgaben des Jahres und teilt die Summe durch 12. Das ergibt den Betrag, den man monatlich ausgeben darf. Wer mag, teilt diesen Monatsbetrag durch 30 und steckt sich die Summe täglich in die Geldbörse. Die EC – oder Kreditkarte lässt man einfach zu Hause und bezahlt in bar. Was täglich übrig ist, steckt man in ein Sparschwein. Ist dieses fett geworden, kann man sich von dem Geld etwas gönnen (Anschaffungssparen) oder legt etwas auf die hohe Kante (Vorsorgesparen). Man kann auch etwas investieren in Aktien, Anleihen, Sparpläne oder Goldmünzen. Besser noch, man zahlt die alten Schulden ab, denn das senkt die monatliche Zinslast, soweit überhaupt vorhanden.

Nach einer gewissen Zeit steht man finanziell besser da als zuvor. Für viele bringt es auch ein Quantum mehr Freiheit, unbesorgter den Briefkasten zu öffnen, oder sich mit einem Puffer an Zeit auf die Suche nach einem neuen Job zu machen, wenn der Chef ein Idiot ist. Dann merkt man vielleicht auch, dass Sparen keine Krankheit ist, sondern eine Art von Medizin gegen tägliche Verführungen oder ein Schutzpanzer gegen schlechtere Zeiten.



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