Kaufen für die Müllhalde

18. August 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow, Zeitlos

von Bankhaus Rott

Der Müll, den eine westliche Volkswirtschaft produziert, ist scheinbar ein guter Indikator für die aktuelle konjunkturelle Entwicklung. Daten aus den USA zeigen Erstaunliches. So ist die Menge des mit der Bahn transportierten Abfalls ein guter Indikator für die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung. Die Korrelation, die das Ausmaß der durchs Land gefahrenen Müllberge zum BIP Wachstum hat, ist sogar deutlich größer als dies bei Basismetallen, Öl oder anderen Energieträgern ist…

Die folgende Grafik stammt von der Association of American Railroads. Die Institution ist mit ihren wöchentlichen Berichten eine gute Quelle für Informationen über den wirklichen ökonomischen Stand der Dinge. Was nicht produziert wird, wird nicht transportiert. Die Kernaussage, mehr Wachstum und mehr Müll gehen Hand in Hand, ist für eine westliche Ökonomie nicht verwunderlich. Eigenen Aussagen zufolge jedoch waren selbst die Macher der Studie, aus der die Abbildung stammt, erstaunt über den Spitzenplatzes für den Abfall und die sehr hohe Korrelation.  Die Tabelle zeigt die historischen Korrelationen der Veränderungen der transportieren Müllberge und der Änderung des Bruttoinlandsproduktes der USA.

Wirft der Betrachter einen festen Blick auf die beiden Säulen vieler „moderner“ Volkswirtschaften, so wird schnell klar: Eine Säule sind die Kredite. Mit dem Geld aus den Krediten wird der Kreislauf aus ständigem, fast schon zwanghaftem Massenkonsum finanziert. In einem Satz zusammengefasst: Mit Geld, das man nicht hat, werden Dinge erworben, die man nicht braucht.

Weil dieses Konzept nur dann wirklich ins Rollen kommt, wenn ständig neue Dinge gekauft werden, mussten Bedürfnisse geweckt werden. Wenn aber ein Bedürfnis mit einem guten Produkt gestillt wurde, dass auch noch richtig lange hält und im Notfall eigenständig mit Bordmitteln zu reparieren ist  – der gute „alte Benz“ zum Beispiel  – dann muss man sich etwas neues einfallen lassen, um das Hamsterrad in Schwung zu halten. Kaufen für die Müllhalde ist das Zauberwort. Im Fachjargon heißt das dann: Geplante Obsoleszenz.

Als Müllhalde dient seit der Auflösung des Ostblocks vor allem Afrika. So landet beispielsweise auch so der letzte Computerschrott  noch als „Gebrauchtgeräte“  an der Küste des Kontinents. Der Westen teilt gerne, vor allem seine Probleme.

Mit Obsoleszenz ist generell die Alterung eines Produktes gemeint, also etwa die Ermüdung von Materialien. Geplante Obsoleszenz allerdings bezeichnet eine Produktstrategie, was  eine reichlich harmlose Bezeichnung für die Entwicklung von Produkten ist, die darauf getrimmt sind, früher als nötig kaputtzugehen. Hier werden Ingenieurleistungen dafür aufgewendet, Produkte absichtlich schlechter zu machen um nur recht schnell neue Produkte verkaufen zu können… (Seite 2)

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