Kaufen für die Müllhalde

18. August 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow, Zeitlos

von Bankhaus Rott

Der Müll, den eine westliche Volkswirtschaft produziert, ist scheinbar ein guter Indikator für die aktuelle konjunkturelle Entwicklung. Daten aus den USA zeigen Erstaunliches. So ist die Menge des mit der Bahn transportierten Abfalls ein guter Indikator für die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung. Die Korrelation, die das Ausmaß der durchs Land gefahrenen Müllberge zum BIP Wachstum hat, ist sogar deutlich größer als dies bei Basismetallen, Öl oder anderen Energieträgern ist…

Die folgende Grafik stammt von der Association of American Railroads. Die Institution ist mit ihren wöchentlichen Berichten eine gute Quelle für Informationen über den wirklichen ökonomischen Stand der Dinge. Was nicht produziert wird, wird nicht transportiert. Die Kernaussage, mehr Wachstum und mehr Müll gehen Hand in Hand, ist für eine westliche Ökonomie nicht verwunderlich. Eigenen Aussagen zufolge jedoch waren selbst die Macher der Studie, aus der die Abbildung stammt, erstaunt über den Spitzenplatzes für den Abfall und die sehr hohe Korrelation.  Die Tabelle zeigt die historischen Korrelationen der Veränderungen der transportieren Müllberge und der Änderung des Bruttoinlandsproduktes der USA.

Wirft der Betrachter einen festen Blick auf die beiden Säulen vieler „moderner“ Volkswirtschaften, so wird schnell klar: Eine Säule sind die Kredite. Mit dem Geld aus den Krediten wird der Kreislauf aus ständigem, fast schon zwanghaftem Massenkonsum finanziert. In einem Satz zusammengefasst: Mit Geld, das man nicht hat, werden Dinge erworben, die man nicht braucht.

Weil dieses Konzept nur dann wirklich ins Rollen kommt, wenn ständig neue Dinge gekauft werden, mussten Bedürfnisse geweckt werden. Wenn aber ein Bedürfnis mit einem guten Produkt gestillt wurde, dass auch noch richtig lange hält und im Notfall eigenständig mit Bordmitteln zu reparieren ist  – der gute „alte Benz“ zum Beispiel  – dann muss man sich etwas neues einfallen lassen, um das Hamsterrad in Schwung zu halten. Kaufen für die Müllhalde ist das Zauberwort. Im Fachjargon heißt das dann: Geplante Obsoleszenz.

Als Müllhalde dient seit der Auflösung des Ostblocks vor allem Afrika. So landet beispielsweise auch so der letzte Computerschrott  noch als „Gebrauchtgeräte“  an der Küste des Kontinents. Der Westen teilt gerne, vor allem seine Probleme.

Mit Obsoleszenz ist generell die Alterung eines Produktes gemeint, also etwa die Ermüdung von Materialien. Geplante Obsoleszenz allerdings bezeichnet eine Produktstrategie, was  eine reichlich harmlose Bezeichnung für die Entwicklung von Produkten ist, die darauf getrimmt sind, früher als nötig kaputtzugehen. Hier werden Ingenieurleistungen dafür aufgewendet, Produkte absichtlich schlechter zu machen um nur recht schnell neue Produkte verkaufen zu können… (Seite 2)

 

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22 Kommentare auf "Kaufen für die Müllhalde"

  1. auroria sagt:

    Zitat eines Mangers einer, ich glaube Haushaltsgerätefirma:
    „Früher haben wir Geräte gebaut, die haben 15-20 Jahre gehalten. Was waren wir für Idioten.“

    Das Problem, bzw. diese Methode ist aber noch viel weiter verbreitet (habe den Film noch nicht gesehen):
    In Flugzeugen könnte man mit minimalen Änderungen bei der Sitzanordnung mehr Beinfreiheit schaffen, wollen die Fluggesellschaften aber nicht, da sie dann keine Businessclasstickets mehr verkaufen könnten.

    Bei Verbrauchsprodukten werden ständig „Weiterentwicklungen“ präsentiert mit denen dann immer höhere Preise gerechtfertigt werden sollen („Die neue Generation Zahnbürste, jetzt neu mit extra Spezial seitlichen X-Borsten“, „Die neue Dimension von XYZ, vergessen sie alles bislang dagewesene“, usw.)
    Man fragt sich, warum die Hersteller nicht schon lange Perfektion erreicht haben, wenn sie doch immer so tolle Fortschritte machen.
    Und warum man die neue Generation Produkte kaufen soll, wenn sie in einem halben Jahr schon wieder völlig überholt sein wird.

    Im IT Bereich ist es besonders schlimm. Fast jeder Hersteller, vor allem die größeren, versucht bestehende Standards zu ignorieren und eigene durchzudrücken, damit ja nicht die eigenen Produkte kompatibel, also austauschbar und vergleichbar werden.
    Patente und Lizenzen dienen längst zur Innovationsbehinderung, Konkurrenz vom Lieb halten und zum bilden von legalen Kartellen. (Google muss sich für 12 Milliarden Motorolas Patente kaufen, damit es von der Konkurrenz nicht zu tode geklagt wird)
    Microsoft und AOL sind zum Glück gescheitert mit dem Versuch das Internet zu kontrollieren, Apple und Facebook versuchen es gerade erneut.
    Kein Mensch braucht 300 Video und Foto (Datei-)formate.

    Die Handyhersteller mussten erst von der EU gezwungen werden damit man nicht für jedes Handy ein eigenes Ladegerät braucht.

    Die „FreeTV“ Sender senden ihr Programm in HD nur verschlüsselt, damit man teure Smartcards und Receiver braucht, die dann verhindern, dass man z.b. in einer aufgenommenen Sendung bei der Werbung vorspult usw. http://de.wikipedia.org/wiki/HD%2B http://xxhdplusxx.wordpress.com/

    Die ÖR Sendern wurden gezwungen ihre Archive aus dem Netz zu entfernen, weil die Bürger, welche alle diese Inhalte schon bezahlt haben, lieber für die Suche in Archiven der privaten Medien nochmal bezhahlen sollen.

    Die Bild „Zeitung“ sperrt ihre Website fürs Ipad, damit man dort die kostenpflichtige App kaufen muss. Dann kommt auch noch die „Investigativ-Journalistische“ Sendung Akte 2011 und hält es für einen Skandal, dass ein Händer einer Kundin ein „kaputtes“ Ipad verkauft hat, weil diese Frau mit dem Ipad die Bild-Webseite nicht aufrufen kann. http://www.stefan-niggemeier.de/blog/akte-deckt-auf-alle-ipads-kaputt/

    Ich könnte hier noch tagelang weiterschreiben und Beispiele aufzählen, mir geht diese ganze proprietäre ******* sowas von auf den ****. Dieses System ist sowas von kaputt.

  2. oli sagt:

    Ja, es ist eine VT:

    Warum brennen Glühbirnen nicht länger: Es gibt Glühbirnen für Ampeln, die wesentlich länger halten aber auch teurer sind. Abgesehen davon sind energieschluckende Glühbirnen sowas von out: es gibt ESL und LED-Lampen mit gutem Licht, die sich allein finanziell schnell rentieren – auch über die Haltbarkeit! Haben Sie schon eine LED-Lampe? Wenn nein: warum nicht…?

    Warum brennt besagte Lampe 100 Jahre? Weil sie nur glimmt und nicht mit voller Kraft leuchtet. Weil die Glühwendel wesentlich dicker ist. Jede normale Glühbirne hielte Jahre, wenn sie nie an- und ausgeschaltet wird und permanent gedimmt ist…

    Geräte werden nicht absichtlich gebaut, damit sie schneller kaputtgehen (auch wenn das seit Loriot in vielen Köpfen steckt).

    Würden Sie einen Computer kaufen, der seine 10-15 Jahre hält? Wenn die Rechenleistung für das neue Betriebssystem schon nach 2-3 Jahren nicht mehr ausreicht? Eben! Bescheiden Sie sich für die Textverarbeitung mit Windows 3.1? Ach, nein?

    Es ist kein Problem, Geräte „für die Ewigkeit“ zu bauen. Aber: Qualität hat ihren Preis, das summiert sich über viele Kleinigkeiten, vom Material, über die Enticklungszeiten, sorgfältige Tests usw. Warum gibt es dann soviele Geräte, die zu schnell kaputtgehen?

    –> WEIL DIE GUTEN GERÄTE KEINER KAUFT!

    Billig, billig ist die Devise. Geiz ist geil. Damit setzt sich jedes Produkt durch, daß ein bißchen billiger als ein anderes ist. Dann ist das Teil aus Plastik statt aus Metall und bricht irgendwann, wenn Kunststoff durch diffundierten Weichmacher zu spröde wird.

    Der MARKT liefert, was der MARKT verlangt. Der Ingenieur entwickelt, was sich verkaufen läßt. WIR ALLE sind schuld an der Qualität der Produkte.

    Bei aller sehr berechtigter Kritik am Export von Elektromüll nach Afrika: man muß dazu keine VT bemühen, sowas diskreditiert die Sache.

    Mfg

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo,

      wir halten es für unwahrscheinlich, dass Kunden einen Drucker, der sich nicht nach 2000 Ausdrucken per Zähler mit einer kryptischen „Defekt“ Meldung automatisch abschaltet, verlangen.

      Eine großartige Leistungssteigerung unserer Office Software, die in nachvollziehbarem Zusammenhang zur benötigten Rechnerleistung steht, konnten wir in den letzten zehn Jahren übrigens leider nicht feststellen 😉

      Es ist vollkommen richtig, schlussendlich entscheidet der Konsument. Die Basis der Entscheidungsfindung ist aber nicht transparent, das fängt beim „Joghurt nach Erdbeer-Art“ an, der mit Erdbeeren nichts zu tun hat. Die Ausrede vom mündigen Verbraucher, der scheinbar neben allen E-Listen noch sechs technische Taschenbücher zu jedem Einkauf mitschleppen soll, greift unserer Meinung nach zu kurz.

      Vielleicht schauen Sie sich den Film einmal an, er ist in der Tat sehenswert.

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

      • Jenny sagt:

        Hallo,
        mir ist diese Problematik schon lange bewusst. Auch Max Otte schrieb in einem seiner letzten Bücher über diese Informationsprobleme der Konsumenten. Jedoch was ist die Alternative? Mehr Regulierungen? Ich glaube das führt zu mehr Problemen als zu Lösungen. Wenn es wirklich so ist, dass z.B. Glühbirnen intentioniert schnell kaputt gehen, dann sollte über kurz oder lang eine Konkurrenz entstehen, die das Problem löst. Falls das Kartell bestehen bleibt, dann ist es halt so. Offensichtlich ist den Konsumenten diese ineffiziente Produktion nicht wichtig genug, dort weiter nachzugehen. Wir werden niemals in einer perfekten Welt leben, doch denke ich, dass die Vorteile von Regulierungen deren Nachteilen unterliegen.

        Den Hinweis auf die Korrelation zwischen Müll und BIP fand ich sehr interessant, vielen Dank dafür!

        • Bankhaus Rott sagt:

          Hallo!

          >
          Wenn es wirklich so ist, dass z.B. Glühbirnen intentioniert schnell kaputt gehen, dann sollte über kurz oder lang eine Konkurrenz entstehen, die das Problem löst.
          >

          Das wäre auch die von uns bevorzugte Variante. Kommt es dazu nicht, was oft der Fall ist, spricht man von einem Kartell. Das ist leider oft der Fall und schränkt die Auswahl des Konsumenten ein.

          Beste Grüße
          Bankhaus Rott

      • Fnord23 sagt:

        Hallo Herr Ponzi,

        der Verbraucher hat es in der Hand.

        Ich war letzte Woche so weit meinen 2 Jahre alten Fax/Drucker der Firma Ca… aus Wut aus dem Fenster zu werfen. Da ist aber der Dorfbach und ich bin kein Umweltverschmutzer.

        Die Gründe kennen viele. Kurze Meldung, dass die Tinte alle ist. Ich wollte, bzw. mußte aber nur schnell ewas faxen. Es hat locker 20 Minuten gedauert, bis ich im Netz eine Anleitung gefunden habe, wie man das Geräte zwingen kann diese Teilfunktion wieder zu aktivieren.

        Was mich dieser Art von Problemen mit vielen gekauften Dingen schon für Lebenszeit gekostet hat. Und darum geht es eigentlich.

        Man belastet sich mit Dingen, die nicht funktionieren und mich dadurch Lebenszeit kosten. Das Finanzsystem tut durch ständigen Geldwertverfall ja auch nichts anderes, wenn man Geld als eingefrorene Arbeitszeit/Lebenszeit betrachtet.

        Eigentum macht unfrei!

        Was kann der Käufer nun tun? Einmal ist das Fass am Überlaufen. Dann pack ich das Gerät ein und schick es zum Hertsller zurück, mit einer entsprechenden Bemerkung. Wenn das viele machen….Wie soll man sich sonst wehren.

        Die Gründe, warum die Haltbarkeit der Produkte immer kürzer wird, liegt doch auch in der exponentiellen Struktur unseres Finanzsytems? Zumindest sehe ich das so.

        VG aus Sachsen

  3. crunchy sagt:

    Na, das war vor der letzten Depression nicht anders:
    Neuemissionen, brauchten:
    … nur Schlote, die rauchten!

    Wir, die Green Shoots des nächsten Aufschwungs achten:

    … auf soziale Verantwortung,
    … Not zu teilen,
    … Demokratie aufzubauen.

    Nur, das Rad werden auch wir nicht neu erfinden.
    Es gibt halt zu wenige Menschen, die begreifen,
    dass Geschichte sich wiederholt, weil wir aus
    unseren Fehlern nicht lernen wollen.

    Übrigens: Die Bibel hat das auch schon beschrieben…!
    Damit stelle ich keine Religion über eine andere.

  4. oli sagt:

    Hallo,

    daß Druckköpfe (insbesondere für Tintendrucker) nach Austausch verlangen, läßt sich neben der Begründung „Gier“ inhaltlich noch halbwegs begründen (nachlassendes Druckbild wg Alterung der Düsen).

    Daß alle Drucker (nicht nur Druckkopf!) dieses Typs nach exakt 2000 Ausdrucken auf „Defekt“ gehen, ist offensichtlicher Unsinn und durch etwas Nachdenken als urbane Legende zu entlarven:

    Wenn das so programmiert wäre, wäre auch ohne CCC leicht technisch nachweisbar (z.B. durch Auslesen des Codes oder Simulation der Druckvorgänge) und ein klarer Fall von vorsätzlicher Sachbeschädigung, die a) für die Presse zu einem gefundenen Fressen und b) besonders für die US-Juristen ein finanzielles Schlachtfest werden würde. Das Risiko kann sich keine Firma leisten.

    Ich lese Ihre Artikel zur Finanzkrise gerne (Schuster, bleib bei Deinen Leisten!), ärgere mich aber als Ingenieur (Elektrotechnik!), wenn ich VT zu techn. Sachverhalten lese. Auch und gerade über Glühwendellampen.

    Und, warum nutzen Sie dann trotzdem einen aktuellen PC? Warum keine LED-Beleuchtung, die viel länger hält? 😉 Eben! :]

    Würde man Wegwerfprodukte durch gesetzl. Regeln behindern (ich wäre sehr dafür!) würde sofort das Geschrei losgehen: „Bürger für unmündig erklärt“, „Bevormundung“, „Behinderung von innovativen Produkten“, „Zerstörung der Konsumindustrie“. Es gab erst eine Verlängerung der gesetzl. Gewährleistung mit entsprechendem Gejaule aller Lobbyisten…

    Die Welt ist nun mal kompliziert geworden. Ich lese mir Verträge, Kleingedrucktes und Inhaltsangaben durch. Aber man sieht auch ohne Studium einem Joghurt nach „Erdbeerart“ an, wenn da keine Früchte mehr drin sind. Gekauft werden sie trotzdem immer wieder.

    findet OLI

    • Frank Meyer sagt:

      Mich erinnert die Diskussion an die letzten Jahre. Wenn man einem Banker oder Analysten erzählte, was im Geldsystem los ist, sagten die Finanzingenieure, ich möge mich doch mal untersuchen lassen. Die VT von gestern ist jedenfalls dort die Realität von heute. Ob das mit meinen Haushaltsgeräte etwas zu tun hat, weiß ich nicht. Aber vielleicht sollte man sich mal bei ARTE beschweren. Wie können die nur sowas senden 🙂

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo,

      kurz noch zum Kartell „Phoebus“. Entsprechende Berichte finden sich dankenswerterweise ebenfalls auf den Seiten der britischen Wettbewerbsbehörde (competition-commission.org.uk). Auch auf den Seiten der noch existierenden, damaligen Kartellmitglieder sind Informationen zu finden, wobei hier natürlich, wie bei Kartellen üblich, das Wohl und die Sicherung der Versorgung der Konsumenten im Mittelpunkt steht (z.B. unter Osram.com). Ob ein Kartell dem Käufer oder dem Verkäufer dient mag jeder für sich entscheiden.

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

  5. Takuto sagt:

    Hier scheint es ja zwei Meinungen zu geben, die Schuld wird der Industrie oder (auch) den Verbrauchern zugeschoben. Dass sich Drucker automatisch nach 2000 Seiten abschalten, glaube ich auch eher nicht. Aber als Programmierer weiß ich, dass diese dazu angehalten werden, ineffektiv zu programmieren. Ganze Softwarepakete werden in Programmiersprachen geschrieben, die vor jeder Ausführung ad hoc kompiliert oder teilkompiliert werden müssen, sogenannte Interpreter. Das ist ein Skandal, aber die Öffentlichkeit versteht zu wenig Technik dafür. Der Sinn ist klar: Langsam laufende Programme schreiben nach schnellerer Software, und so profitieren die Hardwareabteilungen von den Softwareabteilungen. Das ist mit Sicherheit kein Gerücht, da ich das selbst erlebt habe und auch von Kollegen weiß.

    • Jenny sagt:

      Hi Takuto,
      ich glaube absolut, dass Unternehmen aus Gründen der Gewinnmaximierung so bzw. auf dem ersten Blick unmoralisch handeln. Ähnlich ist es mit sogenannten „nutzenorientierten Preisstrategien“ z.B. an Flughäfen oder bei Tankstellen. Jedoch was ist die Alternative?

  6. EuroTanic sagt:

    Ein zentraler Satz den ich immer wieder bei unseren heutigen Problemen „hervorkrame“ ist von Adorno: „Es gibt kein richtiges Leben im Falschen.“ Wir haben ein falsches Wirtschaftssystem, wir haben ein falsches Geldsystem und (mittlerweile) ein falsches politisches System.
    Wir müssen heute alles neu diskutieren was uns zur schlechten Gewohnheit geworden ist um zu einem richtigem Leben auf unserem Planeten u finden.

  7. Robert sagt:

    Offensichtlich arbeitet das System „Industrie“ komplett ohne Mitarbeiter aus der Gruppe „Verbraucher“. Umgekehrt arbeitet kein „Verbraucher“ in der „Industrie“.

    Falls doch müsste man vermuten, dass sich die Leute die ganze Zeit selbst bescheissen.

  8. auroria sagt:

    Das Problem sind nicht die fehlenden Technologien oder Produkte, sondern einzig die mangelhafte Information der Verbraucher.
    Am besten sieht man das in den Firmen. Die kämen nie auf die Idee, Glühbirnen zu verwenden, die ständig kaputtgehen (wobei hier eher die Kosten fürs auswechseln entscheidend sind), Drucker zu kaufen die nur 2000 Seiten drucken (oder diese horrenden Kosten für Tinte / Toner auszugeben), oder Tesafilm für 2€ das Stück zu kaufen(und da gehts nicht nur um Mengenrabatt).

    Eine Firma mit genügend Mitarbeitern, bzw. entsprechendem Bürobedarf, kann es sich leisten, Zeit zu investieren um die Kosten von z.b. Druckern incl. Toner, Strom, etc. (also TCO) zu kalkulieren und verschiedene Varianten zu vergleichen (und hat Zugriff auf Vergleichstests, usw.).
    Aus diesem Grund sind die Druckkosten pro Seite in den Firmen um Größenordnungen kleiner als zu Hause.
    Und in vielen Bereichen ist das änlich, im Baumarkt wird die „Heimwerkerlinie“ der Werkzeuge verkauft, an die Handwerker die Professionellen (Elektro-)Geräte. Kosten etwas mehr, halten aber 4 mal so lange und man bekommt nach Jahren noch Ersatzteile.

    Wer einen Drucker sucht, kauft euch gebrauchte Geräte von Firmen (-auflösungen). Gerade 1 min bei ebay geschaut, 1. Treffer ein gebrauchter Laserdrucker 100€ Sofortkauf, incl. Toner, hält ~ 10 Jahre und wenn der Toner halb voll ist, druckt der alleine so viel wie 2 neue Drucker mit Nachfülltinte halten würden.

    Nochmal zur fehlenden Information: Es hat schon einen Grund, warum die Hersteller die Inhaltsangaben auf die Rückseite schreiben und nicht auf die Vorderseite. Und warum man die Schrift möglichst klein und die Sprache möglichst kryptisch wählt. Die Lebensmittellobby hat sich mit Händen und Füßen (leider erfolgreich) dagegen gewehrt, dass sie deutlich sichtbar auf der Vorderseite eine Ampel für Zucker, Kalorien, etc. Werte aufdrucken müssen. Wenn die Leute wüssten, was an Analogkäse, Kunstschinken usw. alles im Regal liegt, viele Dinge wären unverkäuflich.

    @oli: ja, es gibt länger haltbare Produkte (siehe auch DDR Glühbirne im Film), aber wie gesagt, die für den Consumerbereich sind absichtlich auf kurze Lebensdauer getrimmt.
    Die Auswahl und Suche ist für die Verbraucher in Einzelfällen möglich, aber nicht bei allen Produkten.
    Wer geht denn wirklich mit der Stiftung Warentestausgabe durch den Super oder ELektronikmarkt?
    Echte Fachzeitschriften lesen die wenigsten und solches Klopapier wie die ComputerBLÖD arbeiten auf dem Gleichen Niveau wie die Sendung Akte 2011, siehe 1. Antwort oben.
    Verkäufer, die wirklich Ahnung haben, von den Geräten, die sie Verkaufen, müssen nicht als Verkäufer arbeiten.

    Ein 6 Jahre alter PC mit 10 Jahre altem WinXP und Office 2000 (+ kostenloser aktueller Internet Software), reicht heute noch locker aus für Internetbrowsen, Email, Metallwoche und co.

    @Jenny: Ist es zu viel Regulierung, wenn die Hersteller deutlich auf die Packung draufschreiben müssen, was drin ist und diese nicht zu 75% aus Luft bestehen darf?

    @oli2: Es gab auch schonmal Patronen mit Düsen incls., die konnte man dann gleich mitwechseln, das ist kein Argument.

    Bei den Patronen sind Zähler fakt, bei den Druckern ebenfalls. http://www.struzyna.de/6203/7003.html
    Auslesen geht mittels Software, Option war im Film zu sehen.
    Zu den Klagen: siehe im Film über Ipods. Und wenn im Kleingedruckten der Druckerbeschreibung steht, dass er für 2000 Druckvorgänge ausgelegt ist, werden die Anwälte schon vorgesorgt haben.

    Wegwerfprodukte werden in der Praxis schon durch Regelungen behindert, sehe Dosenpfand. Und es funktioniert.
    Die Verlängerund der Gewährleistung ist ein Witz, weil nach 6 Monaten Beweislastumkehr.

    @Takuto: Das mit dem absichtlich ineffizient Programmieren ist unfug. Dort muss es vor allem schnell fertig sein, weswegen es nicht genug Zeit für Fehlerbehebung und Optimierungen gibt. Ich könnte jetzt anfangen von Just-in-Time Compilern und gecachetem Code zu reden, was dann aber keiner mehr versteht. Java ist (jedenfalls nicht aus diesem Grund) da kaum langsamer als kompilierte sprachen, manchmal sogar schneller.
    Ja, es gibt interpretierten Code, z.b. das HTML und JavaScript, das dein Browser dir hier als Website anzeigt. Man könnte das auch fertig kompilieren, aber das müsste man für jedes Betreibsystem, Browser, Handy, etc. machen, ein pures Chaos. Man könnte die meisten Seiten auf den Meißten Geräten nicht anschauen.
    Richtig ist, dass neue Hardware neue Betriebssysteme und Software braucht um sie auszunutzen und die neue Software braucht wieder neue Hardware. Aber das hat nicht unbedingt was mit den Sprachen zu tun.

    ===

    Vielleicht können wir uns ja drauf einigen, dass die Frauen Schuld sind:

    http://www.youtube.com/watch?v=f0x5Pzm7kdM

  9. Waldfee sagt:

    @ alle
    natürlich kann der Verbraucher was machen. Nur die meisten sind zu faul, sich zu bemühen. „ach nööö. Das macht ja Mühe. Das ist mir zu aufwendig. Bringt ja nix. Ich kann nix tun….“ Man muss den Schrott nehmen und dem Händler zurück bringen. Auch kleinere Anschaffungen gehören reklamiert. Und wenn sich der Händler uneinsichtig zeigt, dann erklärt man ihm, daß man als Kunde nicht wiederkommt (woran man sich dann aber auch tunlichst halten sollte).

    Erst gestern habe ich einem älteren Mitbürger empfohlen, sich direkt beim Hersteller seiner A-Klasse zu beschweren und sich nicht vom unmotivierten Servicemann vor Ort abspeisen zu lassen. Wie war das noch vor einigen Jahren, als Shell die Brent Spa in der Nordsee versenken wollte. Da waren sich die Verbraucher ausnahmsweise mal einig und haben da nicht mehr getankt.

    Es gilt, seinen inneren Schweinehund zu überwinden. Ich arbeite dran.

  10. Karl Napp sagt:

    @ Bankhaus Rott
    Kongratuliere zu dem Beitrag über die Dollar Swaps. Das aufgezeigte Szenario scheint sich ja gerade zu realisieren.

  11. MH sagt:

    Ein sehr bewegender Film mit einem aufschlussreichen Ende. Ob sich aber jemals diese Lösungsansätze in der Industrie umsetzen lassen? Das müsste dann wirklich, wie im Film bereits angesprochen, mit einem gesellschaftlichen Werte- und Bewusstseinswandel einhergehen. Bleibt die Frage, warum es Nachhaltigkeit so schwer hat, sich durchzusetzen. Das wäre immerhin ein Qualitätsgewinn für alle auf allen Ebenen. Aber natürlich ist es leichter zu wachsen als zu reduzieren. Es müsste einfach zu vieles geändert werden!!
    Nur am Rande: neben vielen kurzlebigen Glühlampen besitze ich zwei, die seit 1982 im Einsatz sind. Die müssten nach grober Schätzung ca. 15.000 Arbeitsstunden auf dem Buckel haben. Zwei kleine Ausreißer…

  12. sx2011 sagt:

    Ein Beispiel aus der Firma in der ich arbeite:
    Eine Software, die zum Ansteuern von diversen Geräte aus unserem Hause benötigt wird kostet 300 Euro pro Arbeitsplatz und muss lizensiert werden.
    Nun wurde mit Absicht die Installation unter Windows 7 unterbunden und im Prinzip die gleiche Software unter neuem Namen herausgebracht.
    Eine Kunde, der sich neue Rechner mit Win7 anschafft muss also erneut bezahlen.
    Die alte Software läuft aber problemlos unter Win7 wenn man beim Installtionsprogramm auf den Windows XP Kompatibilitätslevel umstellt, aber das wissen unsere Kunden ja nicht.
    Jetzt wurde der Preis für die alte Software um 40% erhöht um zusätzlichen Anreiz zu schaffen, dass nur noch die neue Software gekauft wird.
    Unsere Kundenberater misstrauen teilweise der neuen Software und raten zum Kauf der alten Software obwohl es ja im Prinzip das gleiche Produkt ist.
    Ichh bin sicher dass diese Tricks auch in anderen Firmen ganz und gäbe sind.

  13. Kaufen für die Müllhalde - Der Crypto-Jude und andere Schweinereien... sagt:

    […] absichtlich schlechter zu machen um nur recht schnell neue Produkte verkaufen zu können… (Seite 2) […]

  14. wolfswurt sagt:

    Der Umstand von immer weniger Qualität der Güter spiegelt die abnehmende Qualität des Geistes.

    Menschen mit Intelligenz und Charakter produzieren nicht nach solchen Standards und kaufen auch keine solchen Güter!

    Masse wird von Massendurchschnitt versorgt und gefüttert.

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