(Katzen)Gold-Jammer der Bundesbank?

21. Dezember 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Pünktlich vor dem Fest befasst sich die Presseagentur DPA mal wieder mit dem Bundesbank-Gold. Gähn! Die Bundesbank meint: Alles in bester Ordnung! Ein wichtiges Detail sollte dringend! aufhorchen lassen…

Viele Redakteure fragen sich in diesen Tagen wie sie denn die Zeitung in der „ruhigen Zeit“ über die Feiertage mit spannenden Themen voll bekommen. Also bietet die dpa ihren Kunden spannenden, vielleicht sogar zu brisanten Stoff an. Alle Jahre wieder meldet sich die Bundesbank um zu versichern, alles wäre mit dem Heimholen des Goldes aus dem Ausland im Plan, ja man wäre sogar über Plan. Hurra! Hurra! Hurra! Im Osten hatte man jeden Plan mit 108 Prozent erfüllt. 

Ich lese diese Artikel ja gerne, aber nur aus Spaß und Unterhaltung. Die Schreibspechte in den Nachrichtenagenturen gelten ja als Experten. Sie besitzen eine Art von Deutungshoheit nicht nur fürs Grobe, auch fürs Feine. Vor allem weiß man dort zwischen Realität und Verschwörungstheorie zu unterscheiden, besonders, wenn es um Gold geht. Ist das Gold der Bundesbank wirklich echt? Und vielleicht liest ja der eine oder andere verbliebe Zeitungsleser diese frohe Botschaft und lehnt sich dann zufrieden zurück. Wenn es da nicht eine Kleinigkeit gäbe, die stutzig machen sollte….

Ab Mitte 1951 baute die Bank deutscher Länder als Vorgängerin der Bundesbank erste Goldreserven auf, in den 1950er und 1960er Jahren wuchs der deutsche Goldschatz rasant. Denn die Wirtschaftswunderjahre brachten der Bundesrepublik dank des Exports viele Dollar ein, die bei der US-Zentralbank gegen Goldforderungen eingetauscht werden konnten.

War dieser Artikel ein Fehler? Eine Ungereimtheit? Eine Nachlässigkeit? Merken Sie die Kleinigkeit? 

Opa und Oma schufteten damals im Wirtschaftswunderland für Exportüberschüsse, mit denen dann angeblich echtes Gold gekauft wurde. Aus politischen Gründen wurde es im Ausland aufbewahrt, was ja verständlich war. Bis so ein paar Verschwörungstheoretiker, darunter Peter Gauweiler die Frage stellten, wo denn das deutsche Gold geblieben sei. Das war so was wie Gotteslästerung. Das fragt man nicht! Schon gar nicht Freunden gegenüber! Wer das tat, wankte plötzlich auf der letzten Sprosse der politischen Karriereleiter.

Die von der Bundesbank viel bemühte Transparenz um das deutsche Gold war vielleicht nur dem Druck der Öffentlichkeit geschuldet, also – den „Verschwörungstheoretikern“, die diese Frage immer wieder stellten. Oha! Ja, die meisten Barren waren im Ausland. Aber sicher. Ganz sicher verwahrt. Zwar hatte niemand das Gold gesehen, gewogen, begutachtet und auditiert, aber man erzählte gebetsmühlenartig, dass alles bestens wäre. Je mehr die Transparenz durch die Bundesbank bemüht wurde, desto mehr Fragen kamen auf – und es wurde sogar lächerlich. Nur weil man EINEN Barren vor laufenden Kameras den Leuten zeigte, musste das doch nicht bedeuten, dass die anderen Barren auch vorhanden wären. Die Bundesbank sah das anders. 

Und jetzt kommt die dpa kurz vor Weihnachten und schreibt, die US-Dollar aus den Überschüssen von damals wären in Goldforderungen getauscht worden. Heiliger Strohsack! Ja, Herrschaftszeiten! Hat denn die Bundesbank nicht noch mal über den Text der dpa lesen dürfen? Gold-Forderungen! Ha! Wir haben Goldforderungen, also Forderungen auf Gold. Nein liebe Leser, das ist kein Gold! Aber die dpa weiß doch alles! 

War das ein Fehler? Und vielleicht dauert auch die Heimkehr des deutschen Goldschatzes, den es vielleicht gar nicht gab, so lange, weil das Zeug erst mal aus dem Boden gebuddelt und in Barren gegossen werden muss? Fliegen die Bundesbanker denn jeden Barren einzeln von New York nach Frankfurt aus? Wer glaubt schon, dass so ein Vorgang für ein paar hundert Tonnen fast ein ganzes Jahrzehnt dauern soll? Wo ist der Haken? Ahhhh… Sicherheitsaspekte… 

Wenn das Oma und Opa wüssten. Geschuftet für Gold-Forderungen! Und dann erzählen ihnen die Chefs in dieser Angelegenheit jahrzehntelang etwas von einem Goldschatz…

Wie endet dieser blumige, wohlige und auf Weihnachten abgestimmte dpa-Artikel? Dass die Bundesbank erst im Januar 2017 verraten will, wieviel Gold zum Goldschatz in Frankfurt hinzukam. Ich bin sowas von gespannt! Vielleicht sollte die dpa die Bundesbank mal fragen, warum man in den USA nicht schneller das Gold schmelzen und der Bundesbank liefern kann. Aber das wäre ja schon wieder eine neue Verschwörungstheorie, die irgendwann mal Verschwörungspraxis wird – wie bei so vielen Dingen in finanzieller Hinsicht.

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5 Kommentare auf "(Katzen)Gold-Jammer der Bundesbank?"

  1. stonefights sagt:

    „Zeitlich befristetes Wissen“ und „Relatives Wissen“ sind korrekte Formulierungen für „Wissen“, das rückwärts betrachtet immer zu „Glauben“ mutiert.
    Jegliches (sogenanntes) „Wissen“ trägt bereits einen Geburtsfehler „Glauben“ während seiner Entstehung in sich.
    Gerade in diesen Tagen hilft mir eine Art – nennen wir es vorsichtig „abstrakte“ – Betrachtungsweise.
    Glauben ist das Komplement von Wissen in der dualistisch geprägten Welt unserer Zeit.
    Gibt es zeitlich unbefristetes Wissen ? Hier ließe sich trefflich streiten,
    gerade oder gerade wegen der obligatorisch einzubeziehenden Determinanten Zeit.
    Wie lange hatten Menschen gewusst, Entschuldigung, geglaubt, die Erde sei eine Scheibe ?
    In der überwiegenden Anzahl von (sogenanntem) „Wissen“ – auch bei dem hier im Artikel beschriebenen „Sachverhalt“ – handelt es sich immer um zeitlich befristetes Wissen und damit wieder oder gerade wieder wegen ihrer jeweiligen Halb-Wert(s)-Zeit um Glauben.
    Wer beispielsweise die Relativitätstheorie All-Umfassen(d) glaubt (verstanden zu haben),
    der könnte es auch als „relatives Wissen“ bezeichnen.
    Wer also weiß, glaubt bereits.
    Entsteht Wissen durch Glaube ?
    Die umgekehrte Fragestellung mag in diesen Tagen noch unbeantwortet sein.
    Entsteht Glaube erst durch Wissen ?
    In diesem Sinne,
    wünsche ich allen – explizit auch den Blogbetreibern und Gastautoren – eine erholsame und friedvolle Zeit im „Wissen“, danke für die alltägliche Arbeit und Mehrung des Glaubens.
    LG, stonefights

  2. bluestar sagt:

    Die Frage nach dem Gold in Übersee muss als gefährlicher Antiamerikanismus eingestuft werden. Sicherlich wurde Gauweiler auch von Putin bezahlt, um Misstrauen zu säen.
    Allgemein tut den Deutschen Vertrauen, Gehorsam und Dankbarkeit gegenüber unserer Kolonialmacht richtig gut. Schließlich verbinden uns untrennbar gemeinsame Werte wie Menschenrechte, Freiheit, Frieden und Demokratie. Das ist wichtiger als Gold.
    Wobei das mit den Werten durch den bösen Donald in Frage gestellt werden könnte. Aber unsere große, kluge Vorsitzende hat ja bereits vorsorglich ein Mahnschreiben an diesen Typ versendet und das wird er sich bestimmt zu Herzen genommen haben.

  3. Diederich Heßling sagt:

    GOLDFORDERUNGEN…Ja, genau wie alle anderen Forderungen, Guthaben, Sparkonten, Anleihen etc.pp.
    Genau davon haben Deutschland und die Bundesbank genug. Aber alle „Forderungen“ werden in den nächsten Wochen ausfallen. Dann ist auch das sogenannte „Gold“ weg.
    Gut wenn einige Deutsche ihren privaten Goldschatz dann in eigenen Händen haben…dem Rest wünsche ich ein frohes Erwachen… … …

  4. Frank Frei sagt:

    Ich habe vor etlichen Jahren eine Petition zur Repatrierung des deutschen Goldes gestartet. Der Petitionsausschuss lehnte die Veröffentlichung meiner Petition ab. Wie alle anderen auch, wie ich aus dem Schreiben erfahren konnte. Aus Gründen des fehlenden öffentlichen Interesses aber wurde meine Petition damit schon im Vorfeld abgelehnt. Woher kennen die die Interessen der Öffentlichkeit? 😀
    Der Begründung ist zu entnehmen (2011), dass der Anteil der Goldforderunge im niedrigen einstelligen Prozentbereich läge. Siehe Ablehnung Petitionsausschuss. http://browse.npage.de/get_file.php?id=15799160&vnr=990453
    Warum heisst der Petitionsausschuss ochmal Ausschuss? 😀

  5. Aristide sagt:

    Zum Thema „Ausschuss“ zitiere ich mal aus dem renommierten Gabler Wirtschaftslexikon:
    „1. Begriff: Erzeugnisse oder Erzeugnisteile, die für den vorgesehenen Zweck endgültig nicht mehr verwendet werden können (kein Abfall).“
    Es gibt noch eine weitere Bedeutung dieses Begriffes, die jedoch für diesen Petitionsausschuss ganz sicher nicht passt. 😉

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