Katertag statt Vatertag

22. Mai 2009 | Kategorie: Kommentare

Alles wird gut! Endlich kommt die Wirtschaft wieder in Gang. Der DAX krabbelt auf 5.000 Punkte. Börsianerherz, was willst Du mehr? Man kann doch nicht Milliarden ausgeben, ohne dass die Wirkung ausbleibt. Und dann dieser Vatertag – ein Schuss in den Ofen, ein Hort des Staunens..

Jetzt, wo der Aufschwung so greifbar ist, kommt Ben Bernanke, und kippt Wasser in den ohnehin schon dünnen Wein. Die Wirtschaft schrumpft jetzt doch stärker als bislang erwartet, nämlich 1,3 – 2 Prozent. Surprise! Surprise!
Mit Grauen schaue ich auf den amerikanischen Markt. Das Geld fließt aus Aktien, aus dem Dollar und vor allem – aus Anleihen. Oh ist dem Dollar heute schlecht. Er sieht ganz grün aus…

Nun könnte man ja einwenden, dass der Euro nichts anderes ist als der Dollar. Stimmt ja auch. Unterlegt mit Vertrauen, scheint dieses heute aber stark gewachsen zu sein, was uns alle freut. Wir könnten theoretisch gedacht mit unseren Euros heute viel mehr Autos von General Motors kaufen. Was hätte Amerika noch alles anzubieten? Hmmmmmmmmmm….

Man könnte heute für einen schmaleren Taler dorthin reisen, um sich umzusehen, Land und Leute kennenlernen, alte Freunde treffen und den „Change“ bewundern. Ich weiß aber nicht, ob ich mich am Flughafen befummeln lassen möchte, so wie es den Nonnen da auch passiert, meine biometrischen Einzelheiten hinterlassen und meine Kontonummer und all das, was die Stasi auch immer so gerne wissen wollte. Gibt es dort schon Nacktscanner? Ich weiß nicht. Und wenn nicht, dann vielleicht bald. Ich bleibe lieber hier, denn es wird ja jetzt alles wieder gut. Das sagt zumindest unsere Kanzlerin auf all ihren Wahlkampfveranstaltungen. Ihre Kollegen sind der gleichen Meinung. Ich höre das solange, bis ich es glaube.

Zurück zum Eigentlichen. Die 10-jährigen amerikanischen Anleihen sind wieder über die Marke von 3,30 Prozent gestiegen. Flucht.

130 Minuspunkte hat sich der Dow ja irgendwie verdient. Aber der Bondmarkt nacht Ärger. Sollten die Renditen weiter steigen und die Kurse fallen,wird es teurer und teurer für den Staat, neue Kredite aufzunehmen und die alten Kredite zu refinanzieren. Zusätzlich kommen alle unter Wasser, die zu viel tieferen Kursen gekauft haben. Da dieser Markt (Staat, Unternehmen, Banken) 31 Billionen schwer ist und damit fast doppelt so groß wie der amerikanische Immobilienmarkt, kostet ein Prozent Kursverlust gleich mal schlappe 300 Milliarden USD. Pooof! Bei einer Verschuldung der Amerikaner in Höhe von 51 Billionen USD wird es schwer, diese Schulden weiter aufzublähen und die vorhandenen Schulden zu refinanzieren. Schwieriger vielleicht nicht, aber sicherlich teurer. Bill Gross (Pimco) sagt, dass der Markt in Sorge ist, dass die USA ihr AAA-Rating verlieren wird.

Das ist einer der Gründe, warum Ben Bernanke und seine Kollegen Anleihen aufkaufen, um die Zinsen unten zu halten. Vielleicht feiern die auch gerade diesen Vatertag, sonst wäre es ihnen ja aufgefallen, auch dass Gold 20 Dollar zugelegt hat, bzw. man jetzt 954 USD auf den Tisch blättern muss, um eine Unze zu kaufen, 20 mehr als gestern.

Heute ist zumindest für Aktienbesitzer ein Katertag. Für Anleihebesitzer gibt es heute die doppelte Drönung. Und morgen vielleicht noch einen Schnaps mehr – wovon auch immer.

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