Kartell-Bingo

26. Juli 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Das jetzt auch noch! Offenbar flog ein deutsches Autokartell auf, die Vereinigten Motorenwerke Deutschlands. Die Lebenslüge der deutschen Autobauer vom sauberen Diesel ist damit ausgeträumt und das Sommerloch nicht nur mit Dauerregen gefüllt. Sogar der DAX reagiert…

Die medialen Kanäle sind prall gefüllt wie die Flüsse durch Hochwasser. Es ist wohl die größte Verschwörung in der  Menschheit. Aufgeregte Menschen regen sich auf. Selbst Leute ohne Wissen haben einer Meinung. Was für ein Skandal! Und wem nutzt er? Den deutschen Autobauern sicherlich nicht. Der bislang gute Ruf ist ramponiert, doch Kunden vergessen schnell. Interessiert es wirklich jemanden, was hinten aus seinem Auspuff rauskommt, wenn vorn der Preis stimmt? Na sehen Sie!

Hinter dem Autokartell verschwindet sogar die Bundestagswahl in der Bedeutungslosigkeit. Was kostet das den deutschen Steuerzahler, fragen schon einige witzige Experten. Was ist den Wiederverkaufswerten der Dieselautos, aus denen doch früher nur frische Luft heraus kam. Wie komme ich morgen zur Arbeit?

Gute und schlechte Kartelle

Der Begriff „Kartell“ ist laut Wikipedia ein mehrdeutiger Begriff. Nein, liebe Schulabgänger, das hat nicht nur etwas mit Karten zu tun, sondern auch mit einem Karussell. Wer sich in einer solchen Verschwörung zuerst anzeigt, bekommt einen straffreien Freiflug. Ist das denn so schwierig?

Wer Gewinne maximieren und Kosten senken möchte, der gründet eben ein Kartell und hält tunlichst die Klappe. Er gibt etwas vor, was es gar nicht gibt. Man könnte es auch organisierte Kriminalität bezeichnen, wenn Preise im Geheimen abgesprochen werden. Aber es gibt feine Unterschiede, gilt es doch zwischen guten und schlechten Kartellen streng zu unterscheiden, was meist Geschmacks – oder Auslegungssache ist.

Die schlechten Kartelle sind wirklich schlecht. Sie erinnern sich bestimmt noch an das „Zuckerkartell“ und die Zeit, in denen Zucker fast schon unbezahlbar war. Nein? Jedenfalls hatte das „Zuckerkartell“ die Zuckerpreise abgesprochen und damit die Verbraucher extrem geschädigt. Um wieviel, weiß man nicht, aber offenbar haben wir viel zu viel für Zucker bezahlt, was wir bald schon mit dem Leben bezahlen werden. Fakt ist: Zucker ist an sich böse, aber ein Leben ohne Zucker komplett sinnlos. Das Kartell wollte uns wie alle anderen Kartelle sicherlich nur vor Unheil bewahren, flog aber auf. Mist!

In den letzten Jahren gab es doch kaum etwas, was preislich nicht abgesprochen war: Bier, Wurst, Schienen, LKW`s, Traktoren, Zement, Teddybären – geheime Preisabsprachen sorgten meist für zu hohe Preise. Zumindest bekamen das die Kartelle hin, woran die EZB offiziell seit Jahren versagt. Noch so ein Kartell, aber angeblich ein gutes….

Schlechte Kartelle werden früher oder später von den angeblich guten Kartellen zerschlagen. Dabei machen die guten Kartelle wie die Politik auch nichts anderes als Dinge und Preise abzusprechen und haben etwas mehr Macht als ein schlechtes Kartel – dazu eine mächtige Lobby – die Presse. Wir wissen ja spätestens seit der letzten Studie der Hamburg Media School, dass Journalisten gerne die Argumente des Politik-Kartells übernehmen.

Zu den guten Kartellen gehört zweifelsfrei das Gold-Kartell, was nicht nachweisbar ist trotz erdrückender Indizien. Wo kein Richter ist, laufen die Kläger ins Leere. Aber wozu klagen, sorgt dieses Kartell doch immer für günstige Kurse, selbst mitten in der Nacht und ganz selbstlos.

Ein Autokartell aber muss eine ganz böse Sache sein. Jeder siebte Arbeitsplatz hängt direkt oder indirekt an dieser Branche. Und wer weiß, wie viel die Autokäufer zu viel bezahlt und wie viel die Zulieferer zu wenig bekommen haben?

Wenn stimmt, was man so liest, dann geht es erst einmal darum, wer zuerst wen verpetzt hat und dafür als Kronzeuge straffrei ausgehen kann. Angeblich war Daimler die Ober-Petze mit der Aussicht auf Straffreiheit.

Kartelle und Mikado haben eine nicht zu unterschätzende Gemeinsamkeit. Wer sich beim Mikado zuerst bewegt, hat verloren. Wer aber beim Petzen bzw., der Selbstanzeige der Erste ist, gewinnt den Jackpot bzw. spart sich die Strafe.

Nur das Beste

Wer sich um keine Zerschlagung fürchten muss, ist das OPEC-Kartell. Aber auch die Zentralbanken leben in dieser Hinsicht sorgenfrei, was sie nicht unbedingt in die Nähe der guten Kartelle rückt. Während man den Schaden, den böse Kartelle anrichten in etwa ausrechnen kann, ist der bei guten Kartellen auch in etwa zu beziffern, doch es interessiert keinen oder hat keinen zu interessieren. Schließlich haben Zentralbanken ebenfalls die Journalisten auf ihrer Seite.

Der Verbraucher wird nie nachweisen können, um wie viel er durch Kartelle geschädigt wurde. Er bekommt aber das Geld indirekt als Strafzahlung wieder, zumindest in der Theorie. Doch leider tummeln sich auf dem Weg des Geldes auf dem Weg zum Verbraucher immer andere, die diese Zusatzeinnahmen vor ihm schon abschöpfen.

Freie Märkte sind schon was Schönes. In diesen Märkten würden Angebot und Nachfrage die Preise bestimmen. Es gäbe Aufschwünge und Abschwünge und wahrscheinlich auch Kartelle. Selbst die Zinsen würden sich von selbst finden und das ganz ohne eine Zentralbank. Und sie stünden nicht bei null. Dafür sorgt das Kartell der Politik, das das Kartell der Zentralbanken ermöglicht und verteidigt. Eine Hand wäscht hier die andere und beide das Gesicht unter dem Aspekt der „Unabhängigkeit“. Offiziell wollen alle Kartelle unser Gutes. Und sie nehmen es sich auch.

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2 Kommentare auf "Kartell-Bingo"

  1. beko sagt:

    Chapeau!
    Politik und Wirtschaft erscheinen zuweilen als ein Contest der Heuchelei. Nun hat im abendländischen Kultukreis die Heuchelei ein schlechtes Image, wofür Jesus zu biblischen Zeiten eine Steilvorlage geliefert hat: Bekanntlich nannte er Pharisäer äußerich fromm und edel, doch innerlich voller Pech und Schwefel. Im Lichte historischer und aktueller Erfahrungen müssen wir wohl das harsche Urteil etwas mildern, denn …

    Es weiß doch heutzutage jedermann
    Ohne Heucheln ginge nur wenig voran,
    Auch könnte die Politik mitnichten
    Alle ihre Aufgaben verrichten.

    Bei Schlapphüten ist das ganz evident
    Denn diese wären schon bald am End‘
    Verstünden sich diese Agenten
    Nicht aufs Täuschen, Fingieren und Blenden.

    Auf dem diplomatischen Parkette
    Ist Verstellung Teil der Etikette
    Gesandte hindernd, zu vielen Fragen
    Frank und frei ihre Meinung zu sagen.

    Erst recht im Streit globaler Mächte
    Um Märkte, Ressourcen, Hegemonie
    Beschwören die Kämpen hehre Motive
    Wie Frieden, Freiheit und Demokratie.

    Der Kleriker Macht und Herrlichkeut
    könnte nicht prosperieren bis heut‘,
    Wenn Kirchenfürsten und Hochwürden
    Jedes Gebot strikt befolgen würden.

    Auch im ganz alltäglichen Leben
    Sei’n es Geschäfte, sei es Streben
    Ist Heucheln Schmierstoff für’s Getriebe
    Damit nicht stockt das Sozialgefüge:

    Manch clever kreiertes Investpapier
    Als sicher und rentierlich gepriesen –
    Was für die Bank auch stimmte – doch dafür
    Gerieten Anleger in die Miesen.

    Der Jungbeamte Pfiffikus
    Sich heimlich eingestehen muss,
    Dass sein Vorwärtskommen leichter geht,
    Seit er dem Chef nach dem Munde red‘.

    Das Filmesternchen Sehradrett
    Geht mit dem Regisseur in’s Bett,
    Obwohl er ihr weiß Gott nicht sympathisch
    Aber als Karriereturbo ist er emphatisch.

    Was nützt es also in diesen Tagen
    Heuchler und Heuchelei zu beklagen,
    Sie widerwärtig zu schelten und schlecht?
    Denn ohne sie käm‘ der Mensch nicht zurecht.

  2. Otto sagt:

    Und wieder beginnt das alte Spiel.
    Zuerst muss dringend festgestellt werden, wer alles unschuldig ist bzw. nicht für sein Fehlverhalten verantwortlich ist.
    Dann kommt man über mehr oder weniger saubere Verfahren zu dem einstimmigen Ergebnis, die Aktionäre waren es, Selbige müssen natürlich hart bestraft werden. Dort kann ohne viel Gegenwehr sehr viel Geld abgeholt werden. Wo dieses Geld dann hin fließt, weiß keiner. Ach so, die Übeltäter, die Schurken, die Kriminellen, die gibt ja auch noch. Diese Herren behalten natürlich Pfründe, Pensionen, Erfolgsprämien, Dienstwagen, dicke Renten und natürlich gutes Ansehen. Wo kämen wir auch hin, wenn Verantwortung auch Verantwortung und vor allem Haftung bedeutet. Schon die Gesetzeskonstellationen sind so gestrickt, dass nach dem großen Raubzug das Strafrecht kaum mehr in Frage kommt.
    Im Innenverhältnis sieht es kaum besser aus. Aufsichtsräte lassen die Geschichte erst mal laufen, obwohl sie im Sinne der Aufsicht handeln müssten, zumindest beurlauben müssten, schließlich kennt man sich, reden von Compliance = Regeltreue. Welche Regeln oder gar Gesetze, dort oben gibt es keine Regeln, wo kämen wir da hin.
    Es kommt dann die Androhung von Bonusminderung, wobei die Boni an sich auch bei größtem, schuldhaftem und strafbewehrtem Versagen erhalten bleiben müssen, und natürlich passiert nichts. Schließlich heißt der Spruch „Der Aktionär ist immer der Dumme“, von anderen ist da nicht die Rede.
    Und dann wären da noch die Gewerkschafter im Aufsichtsrat. Sozialisten kauft man, hat man längst gekauft mit übermäßiger und gesetzwidriger Bezahlung und anderen zweifelhaften Vergünstigungen. Beinahe hätte ich Entlohnung geschrieben, aber Lohn hat ja was mit Arbeitsleistung zu tun. Zu guter Letzt und zur endgültigen Absicherung haben wir dann immer noch die weisungsgebundenen Staatsanwälte. Um diese ehrenwerten Herrn ihren letzten Tango tanzen zu lassen, sollten wir dafür sorgen, dass sie zur rechten Zeit in die USA reisen, eine geschenkte Urlaubsreise wäre doch was Verlockendes für empfängliche Geister.

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