Karstadt – Quelle : Die jetzt auch noch?

11. Mai 2009 | Kategorie: Kommentare

Arcandor braucht dringend Geld. Das schreibt die „Bild am Sonntag“. Die Mai-Gehälter wären noch sicher, aber der Rest wohl nicht mehr so richtig. Schließlich klafft im Gebilde aus Karstadt, Primondo und Thomas Cook eine Finanzierungslücke. Im Juni müssen Kredite in Höhe von 650 Mio. EUR bedient werden und zudem bis Ende des Jahres Kredite in Höhe von 950 Mio. EUR mit den Banken neu verhandelt werden. Das Totenglöckchen läutet. Jetzt am Wochenende etwas lauter…

Was hat wohl Gerhard Eick, den ehemaligen Finanzchef der Deutschen Telekom bewogen, in dieses Boot voller Löcher zu steigen. Jetzt, wo er nur wenige Wochen im Amt ist, sagte er:

„Wir streben an, in Kürze über die Banken einen offiziellen Antrag auf Staatsbürgschaften zu stellen.“

Die Verhandlungen mit den Vermietern sind kein Spaziergang.“

Karstadt-Quelle hatte sein Immobilien-Portfolio vor drei Jahren für 4,5 Mrd. Euro verkauft. Käufer war ein Konsortium von Goldman Sachs und Karstadt selber.

Nach Informationen der Bild am Sonntag wollen kleinere Banken ihre Kredite in Höhe von 90 Mio. EUR zurückziehen. Die Commerzbank, einer der Hauptgläubiger des Konzerns, will ihre Kreditlinien wohl verlängern, nicht aber erhöhen. Und damit kommt Arcandor ins Schlingern. Der ehemalige DAX-Konzern beschäftigt 53.000 Mitarbeiter und hat 2,6 Milliarden Euro Schulden. Mythos Karstadt – eine Geschichte der Nachkriegszeit.

Thomas Middelhoff sagte mir auf n-tv in einem Interview im Herbst noch, dass er positive Zahlen schreiben will. Wir haben uns danach angeschaut und gefragt, welche Teesorte er getrunken hätte. Die Kreditkrise hat damals begonnen, sich richtig auszuwachsen. Und jetzt schon die Pleite? Middelhoff ist inzwischen von Bord gegangen, mit 2,3 Mio. Euro Sonderbonus in der Tasche. Hintergrund sei das Erreichen zuvor vereinbarter Ziele, sagte der seit November 2008 amtierende Arcandor-Aufsichtsratsvorsitzende Friedrich Carl Janssen auf der Hauptversammlung. Welche Ziele eigentlich? Thomas Middelhoff selbst sagte im Februar:

„Ich übergebe das Unternehmen am 1. März sicher nicht vollständig besenrein, aber geordnet und aufgeräumt“, und hinzugefügt: „Wir haben das Unternehmen gerettet.“

Der Sanierer hatte das Ziel die Aktie auf 40 Euro + X zu bringen. Im Geschäftsjahr 2007/2008 hatte Arcandor dagegen einen Verlust von 746 Mio. Euro eingefahren, bei einem Umsatz von 20 Mrd. Euro.

Irgendwann schlägt es nun mal dreizehn. Und irgendwie reicht es auch. Ein Besuch im Karstadt in Darmstadt am Wochenende hat mich davon überzeugt, dass mein Leben auch ganz ohne Karstadt weitergehen würde. Ich könnte auch ganz gut ohne die Hypo Real Estate leben – und auch ohne die Commerzbank, denn es gäbe bestimmt noch andere Geldinstitute. Aber andere wissen besser, was für mich gut ist. Und vielleicht meinen sie, dass ich Arcandor (Karstadt, Quelle, Thomas Cook) wirklich brauche. Sie brauchen im Gegenzug von mir dafür bloß die Steuern.

Naja, bei dieser Systemrelevanz sehe ich das doch gerne auch noch ein…

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