Karneval erneut um 365 Tage verlängert

clenched fist 13. Februar 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

 von Frank Meyer

Die Chronologie des Wahnsinns überholt sich auch heute wieder. Man könnte lachen, wenn es nicht so traurig wäre. Oder man könnte weinen, wenn es nicht so lustig wäre. Ich kann das eine vom anderen schon nicht mehr unterscheiden. Das mag an den Nachwehen des Karnevals liegen, der niemals mehr endet… Eine Glosse

Welches Datum haben wir heute? Wir schreiben den 1. April. Schon wieder?

Finanzkriege, Währungskriege, Kriege… Das meint Gerald Celente. Was Währungskriege betrifft, sind wir schon mittendrin. Deshalb gab es auch dieses Karnevalstreffen der G-7, auf dem Finanzminister und Notenbankchefs sich gegen einen Abwertungswettlauf der Währungen ausgesprochen haben. Der Markt soll die Stärke der Währungen selbst bestimmen. Deshalb will man sich ja auch eng abstimmen. Helau! Moment, das heißt ab heute: Hellas!

Besonders beruhigend dabei waren die Aussagen des japanischen Finanzministers Taro Aso: “Die G7 haben voll anerkannt, dass die von uns unternommenen Schritte zur Bekämpfung der Deflation nicht darauf gerichtet sind, die Devisenmärkte zu beeinflussen.” Übersetzt heißt das, man will ja bloß die Deflation in Japan bekämpfen. Dass die Währung dabei abwertet, tja welch Zufall. Aso wollte vielleicht noch anfügen, dass er ja nur etwas am Gasofen spielen möchte. Dass dabei die Wohnung in die Luft fliegt, konnte er nicht ahnen.

Und ehrlich mal… interessiert das hierzulande jemanden?

Heute ist Mittwoch. Aschermittwoch, um es genau zu beschreiben. Angeblich ist damit alles vorbei. Mitnichten! Der Karneval wurde, wenn auch nicht offiziell, von der EU-Kommission um weitere 365 Tage verlängert. Das feiern wir mit Cola! Na besser nicht, denn in Neuseeland ist eine Frau gestorben, die täglich zehn Liter davon trank. Ein Richter forderte, Cola-Flaschen künftig mit Warnhinweisen zu versehen. Hätte die Frau täglich 20 Liter getrunken, wäre Coca Cola wahrscheinlich komplett aus dem Verkehr gezogen worden. An dieser Stelle wäre theoretisch Platz für ein stilles Gebet.

Würde ich jeden Tag zehn Kilo Rindfleisch essen, würde auch ich bald die Rinder von unten weiden sehen. Oder die Pferde. Da Rindfleisch heute zum Teil aus Pferdefleisch besteht, reichen vermutlich täglich acht Kilo. Aus verschiedenen Gründen werde ich das lassen. Zum einen verpasse ich die ganzen Schlagzeilen und zum anderen habe ich noch Rechnungen offen.

Im Übrigen muss ich mich bei Ihnen entschuldigen. Der gestern angekündigte große Crash am Gold – und Silbermarkt hat noch nicht stattgefunden. Vielleicht kommt er ja heute. Und wenn, nach oben? Oben und unten sind heute eine Frage der Definition und werden gerne verwechselt. Eigentlich wäre doch der gestrige Veilchen-Dienstag der passende Tag für ein Veilchen im Antlitz der Gold – und Silberpreise gewesen. Das kann ja heute mit der Asche am Mittwoch noch kommen. Bleiben Sie optimistisch!

Und was ist das? Ganz schön viel Müll steht in den europäischen Bankbilanzen. Die Kleinigkeit von 918 Milliarden Euro der ausgegebenen Krediten in Euroland können nicht, oder nur teilweise bedient werden. Immerhin sind das 7,6 Prozent aller ausgegeben Kredite. Muss man sich Sorgen machen? Nicht doch! Es liegt keineswegs an der Solvenz der Schuldner, sondern an der Art der Bilanzierung, dass Kredite ausfallen können.

Wenn Sie mich fragen, würde ich den Ausfall eines Kredits erst dann als gescheitert deklarieren, wenn er 30 Jahre lang nicht bedient wurde. Bis dahin aber würde ich Forderung als Guthaben ausweisen. Dreck gehört heute gefälligst unter den Teppich gekehrt. Dann klappt es auch mit dem Aufschwung und der Zuversicht – die dann in noch mehr Aufschwung und Zuversicht münden. Es gibt weit Wichtigeres:  (Seite 2)

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2 Kommentare auf "Karneval erneut um 365 Tage verlängert"

  1. Michael sagt:

    Auf nach Rio! Der Ofen geht langsam aus, Zeit wärmere Gefielde aufzusuchen. Es ist für Wohlstand gewohnte Regionen härter sich an das Zielniveau das schon 40% unter dem jetzigen liegt anzupassen, als gleich dort hinzugehen wo von Haus aus weniger zu holen ist aber der Chancenraum einfach ein größerer ist.

  2. neuheide sagt:

    Einfach nur köstlich…

    Herr Meyer,haben sie schonmal darüber nachgedacht,sich beruflich zu verbessern?

    Ihre Analysen auf NTV heben sich wohltuend von den Jubelkommentaren ihrer Kollegen ab.Obwohl man ihnen anmerkt… Die “Handbremse” ist aus Rücksicht auf ihren Arbeitgeber noch nicht gelöst.
    Ihre Artikel haben absolut Pispers Niveau.

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