Kapitalquote sinkt, Bonuspool wächst. Grüße aus der Schweiz

28. März 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Die Credit Suisse Group hat laut CEO Thiam zu wenig Kapital. Für eine Erhöhung des Bonuspools scheint die Portokasse jedoch noch auszureichen. Ein Statusbericht aus einem sterbenden Sektor, der nur noch bei den Tantiemen von alter Größe träumt.

(Bloomberg) Credit Suisse Raises Bonus Pool
Swiss bank handed out $3.1 billion in bonuses for 2016. Thiam gets raise after waiving much of bonus last year.

Bei 2,4 Milliarden Verlust sind 3,1 Mrd. Bonus sicher adäquat.

Credit Suisse Group AG increased its bonus pool by 6 percent, defying a trend toward smaller payouts at many of its peers in an effort to prevent an exodus of talent from its investment banking and Asian operations.

Die großartigen Talente, die die Erfolge der letzten Jahre herbeigeführt haben, muss man einfach halten. Sie gehören in die Hall of Fame des Bankgeschäfts, weil, weil, äh, weil sie in der Schweiz arbeiten und da ist ja bekanntlich alles super.

The bank awarded 3.09 billion francs ($3.1 billion) in bonuses for 2016, according to its annual report published Friday, even as charges tied to legal settlements pushed it to its second consecutive annual loss. Credit Suisse restated its full-year earnings to reflect a charge of 272 million francs after reaching a settlement on toxic mortgage securities with the U.S. National Credit Union Administration.

Die Begründungen für die Probleme sind wie immer atemberaubend. Überraschende Verluste, gähn. Auch nett ist die penetrante Trennung von Rechtsrisiken und operativem Geschäft. Die Rechtsrisiken fallen ja nicht vom Himmel.

Ob man sich schon auf die nächsten überraschenden Verluste aus dem Schweizer Immobiliengeschäft vorbereitet, oder ob man sich lieber wieder überraschen lässt?

Credit Suisse is in the second year of a costly turnaround plan that has been hampered by market turmoil, surprise trading losses and legacy issues. The bank’s common equity Tier 1 capital ratio, a key measure of financial strength, fell to 11.5 percent from 11.6 percent as a result of the settlement announced.

Einer Informationsplattform wie Bloomberg, die ihr Geld mit den Banken verdient muss man so eine fade Berichterstattung wohl nachsehen. Es ist wie mit den Wirtschaftsgazetten, die ihr Geld mit der Werbung von Fondsverkäufern verdienen. Welchen „Market Turmoil“ der Autor der Zeilen wohl in den letzen beiden Jahren entdeckt zu haben glaubt? Gab es einen Crash der Briefmarkenpreise?

Liest man sich die Liste der Erfolge durch wird einem geradezu schwindelig.

Angefangen beim Aufsichtsrat, der 25% mehr erhält …

Die Grossbank Credit Suisse passt das Jahresresultat für 2016 um 272 Mio. Fr. nach unten an. VR-Präsident Urs Rohner hat eine Gesamtvergütung von knapp 4 Mio. Fr. bezogen – deutlich mehr als im Vorjahr.

… über den großen Vorsitzenden …

(Quelle: AWP/MD) Der CEO von Credit Suisse Tidjane Thiam, hat für 2016 eine Gesamtvergütung von 11,9 Mio. Fr. erhalten. Dies geht aus dem heute publizierten Geschäftsbericht der Grossbank hervor.

… bis zum Rest der Familie:

Die Gesamtvergütung der Geschäftsleitung beläuft sich auf 82 Mio. Fr. Im Jahr zuvor hatte die Gesamtvergütung der Geschäftsleitung noch 64,2 Mio. Fr. betragen.

Als Nettoergebnis stand ein Verlust von 2,4 Milliarden in den Büchern, ein schöner Anlass, die Korken knallen zu lassen. Offenbar wird bei den Boni weder die Zukunft noch die Gegenwart sondern einfach nur irgendwas gefeiert.

Die Credit Suisse hat zudem ihr Ergebnis für das vierte Quartal 2016 bzw. für das Gesamtjahr 2016 nach unten angepasst. Sie hat nachträglich eine zusätzliche Rückstellung für Rechtsrisiken über 300 Mio. Fr. verbucht 

Wenn es dann irgendwann mal wieder laufen, dann sollte gönnt man sicher wieder ernst zu nehmende Gehälter. Bis dahin heißt es weiter auf den Schnürsenkeln kauen um den Hunger zu unterdrücken. Angesichts der prekären Lage würde wohl auch der Verwaltungsrat der Credit Suisse zu 100% mehr Gerechtigkeit wählen. Leider lassen die 26 Stunden-Tage voller Erfolg dazu keine Zeit.

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9 Kommentare auf "Kapitalquote sinkt, Bonuspool wächst. Grüße aus der Schweiz"

  1. markus45 sagt:

    Sehr unterhaltsam. Würde sich fast schon gut im Postillon machen. (Das soll übrigens ein Kompliment sein)

  2. MHHamburg sagt:

    Liebes Bankhaus Rott,
    lese ich da etwa ein wenig Neid zwischen den Zeilen?
    Es ist doch sehr gut nachvollziehbar, das vor dem ganz großen Knall noch jeder versucht, seine Schäfchen ins Trockene zu bringen.
    Die Herren Vorstände und Aufsichtsräte versuchen doch nur verzweifelt, die Dank EZB kommenden Preissteigerungsraten zu antizipieren. Womöglich reichen die Vergütungsaufschläge am Ende nicht einmal, um den Lebensunterhalt auf halbwegs erträglichem Niveau zu sichern? Und am Ende zahlt es doch nur der Steuerzahler per „alternativloser Rettung“, also alles halb so schlimm 🙂

    Gierig und dekadent geht die Welt zugrunde!

    Sonnige Grüße aus dem Norden

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo MHHamburg,

      nö, das sei den Jungs gegönnt. Einer muss ja das darbende Uhrengeschäft über Wasser halten. Es ist mehr die Neugier und die Freude am Irrsinn!

      Wir fragen uns lediglich, was die Anteilseigner des Unternehmens davon halten, aber eine Aktie als Unternehmensanteil zu betrachten ist vermutlich old school, wie es heutzutage so schön heißt 🙂

      Beste neidfreie und sonnige Grüße
      Bankhaus Rott

      • Aristide sagt:

        „Wir fragen uns lediglich, was die Anteilseigner des Unternehmens davon halten“

        Wer eine Bankaktien als werthaltige Kapitalanlage betrachtet leidet zweifelsohne am Pipi-Langstrumpf-Syndrom (=“Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt“) und ist jenseits von Gut und Böse. Sie halten also nichts mehr von Nichts.

        • Bankhaus Rott sagt:

          Hallo Aristide,

          ein gehebeltes Nichts sozusagen, womit es fast schon ein Fall für die Astronomen ist (von den Astrologen mal ganz abgesehen).

          Wir schmunzeln auch immer, wenn Aktien generell als Sachwert bezeichnet werden. Man denke hier nicht nur an Banken sondern auch an etwaige Raketenforscher, die nicht einmal beziffern können, wie viel Geld sie laufend sie verlieren und die an Sachanlagen nur das Ladekabel des Diensthandys vorzuweisen haben.

          Beste Grüße
          Bankhaus Rott

  3. Bankhaus Rott sagt:

    Hallo markus45,

    vielen Dank, das kam bei uns auch als Kompliment an 🙂

    Beste Grüße
    Bankhaus Rott

  4. Skyjumper sagt:

    Also ein klein wenig muss man die geschundenen Vorstände ja mal aus dem Feuer nehmen. @ Bankhaus Rott hat es zwar eigentlich bereits deutlich zum Ausdruck gebracht:

    „Die Gesamtvergütung der Geschäftsleitung beläuft sich auf 82 Mio. Fr. “

    Gönnt man dem Aufsichtsrat auch noch ein bißchen Kleingeld stellt man fest, dass der ganz überwiegende Teil, nämlich rund 3.000 Mio Fr. des Bonusprogrammes sich wohl irgendwie auf die restlichen knapp 50.000 Angestellte der CS verteilen muss.
    Zugegebenerweise werden die Pförtner allerdings wohl nicht den Löwenanteil dabei bekommen.

    Das Problem sehe ich woanders. Das ursprünglich nicht schlecht überlegte Bonus UND Malusprogramm der CS datiert glaube ich aus 2013. Aber wie auch in Deutschland darf es einfach keine schlechten Bewertungen geben. Der Mensch an sich, und ganz besonders natürlich der arme, kleine, lohnabhängige Arbeitnehmer ist gut! Jawohl ja! Da kann es gar keine schlechte Bewertung der Arbeitsleistung geben. Das zieht sich durch die gewerkschaftsverseuchte Arbeitswelt wie ein roter Faden. Das geht los bei Arbeitszeugnissen, und endet eben bei eigentlich als Anreizprogrammen gedachten Bonusprogrammen.

    Die heutigen Verluste der CS haben ihre Ursache in weiten Bereichen in fehlerhaften Markt- und Situationseinschätzungen in der Vergangenheit. Folglich müßten eigentlich alle Bonuszahlungen aus dieser Vergangenheit zurückgefordert werden können. Dann könnte man die Beträge (wenn angemessen) ertragsneutral erneut ausschütten. Aber das versuche man mal durch den Betriebsrat zu bringen – viel Spaß.

    Doch weil nicht ist was nicht sein darf, haben wir eben so kafkaeske Zustände wie wir sie allenthalben, nicht nur bei der CS, beobachten können.

    • Aristide sagt:

      “ die geschundenen Vorstände ja mal aus dem Feuer nehmen“

      also für millionenschwere Boni würde ich mich auch ein wenig (aber wirklich nur ein ganz klein bisschen wenig) schinden lassen. 😉

  5. Martin Ebner sagt:

    Von René Zeyer, einem ehemaligen Kommunikationsberater der Credit Suisse, gibt es ein paar lustig-erhellende Bücher zum Thema ‚Schweizer Private Banking‘: martin-ebner.net/topics/money/private-banking/
    Böse Innen-Ansichten aus einem Milieu „gefährlicher Psychopathen“…

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