Kampflosung des Tages: Der Euro macht uns reich!

10. Januar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Wenn Verrücktes Normalität wird, steckt dahinter die Kommission zur Umleitung verirrter Kometen. (KUvK). Deren Unterabteilung zur Bündelung von Lichtstrahlen (KBL) arbeitete über Nacht wieder mit so grandiosem Erfolg, so dass das Ergebnis Löcher in die Zeitung brannte. Alle Länder haben vom Euro profitiert, so die Kampflosung des Tages…

Zu lesen gibt es heute etwas zum Anlass des 10. Geburtstages des Euro in der „Welt“. Dort sprang mich am Morgen eine Studie von McKinsey an. Ihr zufolge haben alle Länder der Eurozone vom Euro profitiert, am meisten Österreich. Die Hälfte der Wohlstandsgewinne hätte Deutschland „vereinnahmt“. Doch wo sind diese Wohlstandsgewinne? Wenn Sie diese sehen, schreiben Sie mir eine Email.

Plus und Minus = Steckdosenaktrobatik

McKinsey errechnet, die Gewinne der stärkeren Länder gingen keineswegs zulasten der schwächeren. Die Bilanz sei sogar für Griechenland und Portugal positiv. Im letzten Jahr hat die Währung den Wohlstand in den 17 Euro-Ländern um 332 Milliarden Euro gemehrt, steht geschrieben.

Der Realitätscheck fällt etwas nüchterner aus. Soweit ich mich erinnern kann, mehren Währungen keinen Wohlstand. Dieser wird vielmehr durch Arbeit geschaffen – oder aber auf dem Papier – durch die Arbeit der Notenbank, die der vorhandenen Geldmenge eine weitere Menge hinzufügt. Da kommen schnell mal 332 Milliarden Euro zusammen. Auf jeden Europäer sind das 1.000 Euro. Es scheint eine Frage der Umverteilung zu sein, wenn an der Formel

Geldvermehrung = Wohlstandsgewinn = Wir sind glücklich! = Halten Sie die Klappe!

etwas dran sein sollte. (Quelle: Formelwerk §76, Absatz 3, Zentralkomitee zur Steigerung des Glücksgefühls) Vielleicht sollte man diese Wohlstandgewinne als Umverteilungsgewinne bezeichnen? Darüber sollte ich mal nachdenken.

165 Milliarden Euro sollen in Deutschland aufgetaucht sein. Doch wo? Zudem scheint das nicht ganz richtig zu sein. In der Bilanz der Bundesbank war es etwas mehr, rund das Dreifache als Forderung gegenüber dem Euro-System. Doch wer kann diese bedienen? Fragen Sie mich nicht. Selbst in Griechenland gab es 2010 ein winziges BIP-Plus von 172 Millionen Euro, heißt es. Wo ist das Problem? Understatement Extremis?

Die Abteilung „Unsere Studie belegt“ meldet:

Nicht nur Deutschland hat vom Euro profitiert, andere Länder haben in Relation zu ihrer Wirtschaftskraft sogar noch mehr gewonnen. Es ist deshalb im Interesse aller Euro-Staaten, die Währungsunion zu verteidigen“, sagt der Deutschland-Chef von McKinsey, Frank Mattern. (Quelle)

Wohlstandgewinne sind ohnehin nur statistischer Schall und Rauch. Sie werden geliefert wie ein heißer Pizzakarton ohne Inhalt. Wichtig ist, dass die Verpackung einen Speichelsturz auslöst. Wenn dann beim Öffnen der Schachtel die heiße Luft entwichen und der Pizza-Boy längst über alle Berge verschwunden ist, hält sich die beabsichtigte Freude in Grenzen. Der nächste Pizza-Karton wird dann in einer anderen Farbe geliefert. Jeden Tag Pizza…

Geburtstage haben einen Mangel. Ältere Damen werden nicht gerne auf ihr Alter angesprochen. Beim Euro ist das etwas anderes. Er ist jung und wurde in diesen Tagen zehn oder 13 Jahre alt. Aber gesundheitlich scheint er angeschlagen zu sein. Entsprechend fallen auch die Tischreden zu Ehren des kränklichen Gastes aus: Das Meiste wird schön geredet und darauf angestoßen. Der Ausschlag wäre temporär. Nur keine Sorge! Und dann geht man nach Hause. Die Kommission zur Umleitung verirrter Kometen KUvK) wird sich für morgen etwas Neues einfallen lassen. Freuen Sie sich darauf!


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3 Kommentare auf "Kampflosung des Tages: Der Euro macht uns reich!"

  1. Reiner Vogels sagt:

    Vielen Dank für den launigen Kommentar. Ich habe mich heute morgen beim Frühstück auch über den WELT-Bericht über die Kinsey-Studie geärgert. Die Versuche der Herrschenden, das Volk zu verdummen, werden immer dreister und immer fadenscheiniger. Allerdings gilt: Die Zeiten, in denen das Volk andachtig und ehrführchtig auf das gehört und an das geglaubt hat, was ihnen Zeitung und Staatsfernsehen vorerzählen, sind wohl vorüber, nicht zuletzt dank des Internet und auch Ihres Blogs, sehr geehrter Herr Meyer.

    Interessant wäre es, zu erfahren, wer diese „Studie“ finanziert hat.

  2. dork sagt:

    Das Ganze riecht schon nach verzweifeltem Schönreden kurz vor dem Sturm. Gemäß dem schwarzen Ritter „ach, ist nur ein Kratzer“ 🙂

    Frank, mich würde mal interessieren: Wie war es denn in der DDR 1-3 Jahre vor dem Mauerfall? War da Ruhe/Totschweigen in den Medien oder eher Schönwetterreden angesagt? Meine Frau war damals 15 und hat da verständlicherweise kein Auge drauf gehabt.

    Ich bin mittlerweile soweit, daß ich beim Lesen vieler Dinge in den Mainstream-Medien nur noch lachen kann. Jetzt bemerken plötzlich Volkswirtschaftler, daß wir in D schon seit 3 Monaten in einer Rezession sind und die Bild posaunt konträr heraus, daß Deutschland nun endgültig die Finanzkrise überwunden hat.

    Werde ggf. ein Auffangbecken mit Verdampfer zur Montage unter Computerbildschirme entwickeln, denn mein Monitor tropft vor lauter AVT-Spray mittlerweile recht große Pfützen auf meinen Schreibtisch 🙂

  3. rolandus sagt:

    Da fehlt nur noch, dass das „Freidenskind“ EURO bisher ja einen Krieg verhindert hat, ausser das eben genau seit den selben 10 Jahren Deutschland am Hindukusch verteidigt wird. …ich zähle auch gerade die Bundespräsidenten dieser Zeit durch und komme auf …..3 oder 4 . Mindestens mal 2 davon haben dem Kind gegenüber einmal gesagt, das es nicht mehr in die Hose sch… darf.

    Schön Gruß ins Ried
    rolandus

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