Kalte Dusche statt warmer Regen

9. Januar 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Oh Wunder! Angeblich wurde das Leben 2016 hierzulande um 1,7 Prozent teurer. Das ist leider nur die halbe Wahrheit bzw. eine halbe Lüge…

…denn in diesem seltsamen, aber offiziell statistischen Warenkorb fehlen ein paar (kleine) Dinge, die auch im letzten Jahr viel teurer wurden wie Aktien, Immobilien, Grund und Boden. Diese Teuerung taucht jedoch in keiner Inflationszahl auf. Doch genau diese Preise wurden durch die EZB-Geldpolitik künstlich nach oben getrieben.

Selbst wer eine kaum mehr rentierliche Rentenversicherung aus Anleihen bespart, weil es ja so sicher sein muss, der zahlt dank der EZB Höchstpreise und bekommt… nix. Aber das Geld ist ausgegeben und vielleicht später sogar weg.

Deshalb taugt der statistische Warenkorb maximal als Papierkorb oder als Licht einer statistischen Lampe, um den Leuten einen Bären aufzubinden.

Statistisch gesehen, haben im letzten Jahr 1.000 gesparte Euro 17 Euro Kaufkraft verloren. Damit wurden die deutschen Spargelder offiziell um 36 Milliarden Euro Kaufkraft entreichert – in Wirklichkeit aber um mehr. Ohne die Energiepreise betrug die Teuerung in der Eurozone nur 0,8 Prozent. Schön wäre es!

Derzeit wird der Ölpreis als Inflationstreiber ausgemacht, aber nicht die EZB: Öl wurde 2016 um 60 Prozent teurer, während der Euro seit Sommer 2016 durch die EZB immer weicher geklopft wurde. Damit bezahlen wir dann das importiere Öl und andere Rohstoffe – in US-Dollar. Tolle Wurst!

Wenn das Öl künftig teurer wird und der Euro noch billiger, wird das gar nicht lustig.

Unterdessen sitzen die Sparer auf ihrem Geld wie auf einem Berg aus Butter in der prallen Sonne und genießen die Aussicht.

Experten raten, künftig anders zu sparen, nämlich in Sachwerten und nicht in Geldwerten. Man soll oder muss künftig ein höheres Risiko eingehen, um die Teuerung zu schlagen. Na vielen Dank EZB! Dabei betonte man dort, wenn man genügend Geld druckt, bekommt man immer Inflation. Richtig. Und da haben wir sie! So gesehen erscheint der warme Geldregen der EZB inzwischen als kalte Dusche.

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)

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