Kalt durch die Küche enteignet

8. Mai 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Berlins ReGIERende feiern schon wieder – und zwar jetzt noch höhere Steuereinnahmen. Bis 2018 steigen die Zuflüsse in das Fass ohne Boden (Finanzkasse) um 100 auf dann rund 740 Milliarden Euro. Das sind 20 Milliarden Euro mehr als geplant. Feiern Sie mit!

Wie heißt es so schön? „Mensch denkt – Gott lenkt“. Die erste Ableitung dieser Formel heißt dann „Mensch machte und Gott lachte“. Gott wurde in diesem Zusammenhang durch den Begriff „Finanzminister“ ersetzt. Zudem haben Prognosen und Zufälle die gleichen Ursachen und werden nicht selten von Wünschen gelenkt, aber von der Realität vereitelt.

Bald ist Europawahl. Jeder Anlass für Jubel wird genutzt. Das hat schon immer funktioniert. Gerade heute…

Trotz der Steuerflut sind komischerweise Lohn – und Einkommenssteuern nach offizieller Lesart in den letzten Jahren nicht gestiegen. Dennoch besteht die Gefahr, dass die Kassen in Berlin überlaufen – wenn sie nicht rechtzeitig zuvor geplündert worden wären. Woher kommt der ganze Zaster?

Wissenschaftlich betrachtet ist es die „Kalte Progression“oder einfach ausgedrückt: Diebstahl. Und es ist etwas anderes, als wenn ich jemandem zehn Euro aus der Tasche klaue. Normalerweise bekäme ich dann einen Regenschirm um die Ohren geschlagen oder es mit der Polizei zu tun. Aber rufen Sie mal die Polizei, wenn Sie der Staat auf gesetzlicher Grundlage Diebstahl begeht…

Kalte Progression

Manche Leute denken in diesen Tagen eher an die „Kalte Sophie“- und die aus dem Osten denken bei „Progress“ an etwas Russisches, also an Fortschritt oder eine Versorgungsrakete für Weltraumstationen. Das Wort „russisch“ muss ich streichen, da im Moment politisch nicht ganz korrekt. Man könnte dazu auch „sozialistische Umverlagerung“ sagen. Das kommt aber erst noch.

Glücklicherweise hat aber dieses regelmäßig inszenierte Faszinosum von sprudelnden Steuerquellen eine scheinheilig geführte Steuersenkungsdebatte samt angeschlossener Verteilungskämpfe zur Folge. In der medialen Arena fliegen dann die Fetzen zur Füllung von etwaigen Sendelöchern bzw. zur Unterhaltung der Steuerbürger. Meistens sieht es so aus, als gäbe es bald schon Geschenke. Eher aber landet eine Drohne im Vorgarten als ein Zwanziger mehr in der Geldbörse.

Das Thema der „Kalten Progression“ ist sehr kompliziert und wird vom aufgeklärten Bürger oft mit Kompression, Dissertation oder Depression verwechselt. Für dieses Phänomen des „Weniger trotz Mehr“ gibt es schöne Rechenbeispiele – wenn eine etwaige Gehaltserhöhung durch eine höhere Steuerstufe und mehr Sozialabgaben aufgefressen wird. Dann beißt sich auch noch die Teuerung am Nettoeinkommen fest … und frisst sich am Ersparten satt.

Wenn dann die leicht aufgeputschte Nachrichtensprecherin wie heute Nachmittag in einem Privatsender meiner Region von einer „guten Nachricht des Tages“ quasselt, bricht sich kurz darauf im Sendegebiet ein Aufruhr der Freude durch die Gassen der Supermärkte. Kurz vor der Europawahl gibt es so viele tolle Meldungen zum Feiern, dass inzwischen die Leute deshalb täglich viermal diese Etablisments der heutigen Kultur stürmen.

Gegen 17 Uhr war der Champagner in unserer Gegend ausverkauft. Später gab es keinen Schaumwein mehr und auch keinen Prosecco. Selbst die ganz üblen Sorten waren ausverkauft. Jetzt gegen 19 Uhr ist auch das Bier knapp geworden. Deshalb stoßen viele schon mit alkoholfreien Sorten an und feiern ausgelassen den Diebstahl des Staates durch die „Kalte Depression“. Hauptsache kalt. Und Prost!“

Gerüchten zufolge sprudeln in Berlin gerade die Brunnen mit Grauburgunder – und schalten nachts auf Rotwein um. Nur die Steuereinnahmen sprudeln noch heftiger. Und ich habe kürzlich erst vor alkoholfreiem Bier gewarnt. Jetzt ist es passiert…

„Wir werden reicher…!“, ruft mir gerade jemand mit einem „Jever Light“ in der Hand über den Gartenzaun. „“Es“ sagt, das sage der Fernseher. Und der hat es aus einer Agentur, die es wieder von einem Experten hat, der wiederum Berechnungen angestellt hat und es aus den Nachrichten erfahren hat. Kurzum, es ist kompliziert. Man könnte sich daran das Gehirn ausrenken. Dann doch lieber die Geldbörse…


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