Just in time? Neues aus dem CDS Universum.

15. Juli 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Die bizarren Vorgänge während des griechischen Schuldenschnitts und die mangelnde Eigenkapitalausstattung vieler Banken erzwingen Änderungen bei Credit Default Swaps. So wird die ehemals auf Schwellenländer angepasste Regulierung im Falle von Staatspleiten an westliche Schuldner angepasst. Auch mögliche bail-ins von Bankpapieren kommen nicht zu kurz …

Für viele Investoren ist der Schnitt griechischer Anleihen nur noch eine historische Randnotiz. Die weiterhin vor sich her geschobene Pleite wird nicht als Mahnung gesehen, die zur Einsicht führt, dass man Wohlstand und Leistung nicht drucken kann. Vielmehr lassen sich viele Investoren vollends von der inhaltsleeren Rhetorik der Zentralbanken einlullen und glaubt mal wieder, den heiligen Gral gefunden zu haben. Die Zentralbanken werden es schon richten, hat ja bisher auch geklappt.

Lässt man außen vor, was eigentlich genau geklappt haben soll, lohnt sich sowohl der Blick in den Rückspiegel als auch nach vorne auf die neuen Entwicklungen bei der ISDA. Die Abkürzung steht für die International Swaps und Derivatives Association, die über weiten Teilen der Regulierung der globalen Derivate thront.

Ein vergleichsweise kleiner aber nicht unbedeutender Teil der weltweit gehandelten und ausstehenden Derivate entfällt auf Credit Default Swaps (CDS, Kreditausfallversicherungen). Entgegen dem Eindruck, den der Name und die Sprüche mancher Finanzberichterstatter suggerieren, werden mit diesen Produkten meist eher Schwankungen der Risikoprämien abgesichert als der eher seltene Fall einer Pleite.

CDS ermöglichen sowohl spekulative Positionen für long/short Credit-Strategien oder auch schlichte Absicherungen für gehaltene Anleihen. Bei Staatsanleihen dürfen die Derivate nur noch eingesetzt werden, um Bestände abzusichern.

Der Blick auf die folgende Tabelle zeigt: Spannender als bei den Kreditderivaten verspricht es eines Tages auf der Zinsseite zu werden. Mehr als 80% des Derivatemarktes entfallen auf Zinsprodukte. Wie man nicht erst seit 2008 weiß, sind abgesicherte Risiken nicht weg sondern nur woanders. Risiken lösen sich weder durch einen Verkauf noch durch eine mehr oder weniger schlaue Verpackung in Luft auf.

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Der Schnitt griechischer Staatspapiere war ein Musterbeispiel für staatliche Willkür. Jeder der auf den Staat und dessen Einhalten abgeschlossener Verträge hofft, sollte sich lieber noch mal ein paar Gedanken darüber machen, auf wen er eigentlich vertraut und warum.

In aller Kürze lässt sich das Vorgehen Griechenlands folgendermaßen beschreiben:

Der griechische Staat verkaufte Anleihen, die unter heimisches Recht fielen. Das ist bei vielen westlichen Staaten der Normalfall. Als man sich später auf entspannte Art und Weise einiger dieser Schulden entledigen wollte, änderte man kurzerhand die Anleihebedingungen, um einen weitreichenden Schuldenschnitt zu ermöglichen. Dieses Vorgehen ermöglichte eine exchange offer, bei der alte Bonds zwangsweise gegen neue mit anderen Merkmalen getausch wurden. Das Ganze winkte man noch rasch vor einer CDS Auktion durch.

Begleitet wurde das Ganze seinerzeit von einer bizarren Tirade, wie schlimm CDS seien, und dass man auf diese schlimmen Menschen, die sich eine derartige Versicherung kaufen, keine Rücksicht nehmen müsse. Man erinnert sich auch immer wieder gern an Herrn Steingart und Kollegen.

Bei so viel Volksnähe wurde auch manchem Finanzunterhalter ganz warm ums Herz, was zu teilweise aberwitzigen Aussagen zu CDS-Kontrakten führte. Nun ist es uns vollkommen egal, ob man CDS verbietet oder auch nur für sinnvoll hält. Aber mal eben in gültige und bestehende Verträge eingreifen und diese wie einen alten Kassenbon zu behandeln, das hätte wohl eher für einen Aufschrei sorgen müssen…. (Seite 2)



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