Juncker`s Schnapsidee

17. September 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Der Euro, der seit Jahren dauerhaft von der EZB ständig gerettet werden muss, ist keine richtige Währung. Sein Scheitern jedoch aus Sicht der Politik keine Option. Gut, dass EU-Chef Jean Claude Juncker weiß, was gut für uns ist!

In dieser Woche hatte er eine weitere Vision aus der Rubrik „Betreutes Denken für Europa“ als er sagte, und es war erst Vormittag:

„Der Euro ist dazu bestimmt, die einheitliche Währung der EU als Ganzes zu sein“.

Oha! Dass Osteuropa nur wenig Neigung verspürt, die eigenen Währungen und damit die Flexibilität aufzugeben, wundert nicht. Sie würden mit einem Kranken ins Bett gehen und sich anstecken, denn die fehlende Möglichkeit der Währungsabwertung hat zur „Eurokrise“ geführt. Der Euro hat die Ungleichgewichte sichtbar gemacht und weniger Europa geeint. Als Ergebnis zahlen wir nun für die Vergemeinschaftung aller Schulden Schulden.

„Europa ist wie ein Fahrrad – wenn es anhält, fällt es um“,

sagte früher Jacques Delors, Junckers Vorgänger.

„Deshalb müssen Politiker das EU-Projekt stets energisch vorantreiben.“

So wird in Brüssel passend gemacht was nicht passt. Notfalls werden Märkte und deren Gesetze ausgehebelt.

„Lasst uns die Leinen losmachen, die Segel setzen, und jetzt den günstigen Wind nutzen!“

twitterte Juncker. War es Junkers eigener Wind? Erinnert sei an 1999, als der lupenreiner Demokrat seine Strategie erklärte:

„Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“

Und wenn es die falsche Richtung sein sollte? Egal, dann laufen wir eben doppelt so schnell. Oder auch: Vorwärts immer, rückwärts nimmer!
© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

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3 Kommentare auf "Juncker`s Schnapsidee"

  1. cubus53 sagt:

    Inzwischen ist vielen Menschen klar, dass der Euro auf wenige, wirtschaftlich starke Länder beschränkt werden müsste. Das gilt meiner Ansicht nach sogar für Menschen, die sich mit dem Thema Geld kaum auseinander setzen.

    Wenn die „Elite“ dermaßen ignorant an Volkes Meinung und Volkes Wissen vorbei regiert, dann begrüße ich das ausdrücklich, denn es wird wesentlich schneller zu einem Zusammenbruch des EU-Einheitsstaats führen.

    Also dann Herr Juncker, auf geht’s :

    – Sofortige Aufnahme der Türkei in die EU
    – Sofortige Einführung des Euros für weitere Pleitestaaten
    – Sofortige Abschaffung des Bargelds
    – Schriftliche Erklärung zu allen Zahlungsvorgängen oberhalb 50 Euro (warum / wozu)
    – Ausweitung des ESM, diesmal mit unbeschränkter Haftung
    – Ausweitung der NATO in Richtung Osten
    – Schnaps für alle
    – Aufbau einer EU-Grenzmauer (damit keiner mehr weglaufen kann)

  2. Avantgarde sagt:

    Eigentlich bräuchten wir einen schlauen Plan wie wir den Euro zur Verrechnungseinheit zurückführen um wieder nationale Währungen einzuführen.

    Junckers Plan würde lediglich eine neue Staatsschuldenkrise im Osten auslösen – und dabei haben wie noch nicht mal die im Süden überwunden.

  3. Aristide sagt:

    „Deshalb müssen Politiker das EU-Projekt stets energisch vorantreiben.“

    Hm, warum muss ich jetzt gerade an Hannah Arendts Analyse totälitärer Bewegungen denken? Die mussten auch immer weitergehen zu neuen „Errungenschaften“, weil Stillstand Rückschritt, gar Untergang, bedeutet hätte.

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