Jobmotor kaputt

22. Mai 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Bankhaus Rott

In Australiens Minen breitet sich nach Jahren des Freudentaumels plötzlich Sparsamkeit aus. Während man sich mit den Übernahmesünden der Vergangenheit herumschlägt, werden Großprojekte auf Eis gelegt. Neben der Immobilienproblematik gibt es nun einen zweiten gewichtigen Grund, sich Sorgen zu machen…

Die australische Wirtschaft schwächelt seit geraumer Zeit. Im Grunde hat sie sich nie vom ersten Nackenschlag der anhaltenden Krise erholt. So lange die Minen mit ihrem wieder erwachten Drang zur Rekordverschuldung den Bergbausektor mit neuen Projekten beglückten, überdeckte die Hoffnung auf den ewig währenden Boom die Realität. Neben der Fassade des Häusermarktes bröckelt nun aber auch der Lack von den vermeintlich glänzenden Aussichten der Erzproduzenten.

Diese Entwicklungen kommen nicht überraschend, denn die Unruhe im Minensektor war schon im Vorjahr sichtbar. Eine immer groteskere Welle an Übernahmen schwappte durch den Bergbau. Ein Blick in die Bilanzen legte jedoch die Vermutung nahe, viele Käufe basierten nicht auf ökonomischen Erwägungen sondern dienten den persönlichen Zielen einiger Vorstände. Gekostet hat es viel, gebracht hat es nichts. Viele der Verantwortlichen sind bereits nicht mehr im Amt, zu desolat waren die Resultate der strategischen Fehlentscheidungen. Das Aufräumen überlässt man nun den Nachfolgern.

Australische Internetseiten beschreiben noch die guten alten Tage. Hier ein Beispiel von der Seite Westjobs:

There are examples of professionals with years of experience and skills from unrelated industries changing their profession to reap the benefits of larger salaries. With the right information, mindset and some related skills, you may be able to approach mine companies such as Rio Tinto and BHP Billiton and secure a job with training. Salaries can be good for unskilled mining jobs with no experience, these can pay $1,200 – $2,000 a week.

Pro Jahr käme ein ungelernter Arbeiter folglich auf ein Einkommen zwischen 45.000 und 75.000 Euro. Wenn das der eine oder andere selbsternannte Wirtschaftsexperte aus der deutschen Parteienlandschaft hört, steht dem Erzabbau in den deutschen Flächenstaaten vermutlich nichts mehr im Wege. Da der Export aber derzeit als Sündenbock dafür herhalten muss, dass andere Länder in einem wirtschaftlichen Sumpf stecken, würde man sich gegenüber den europäischen „Partnern“ sicherlich dazu verpflichten, nur für den Eigenbedarf zu schürfen.

Der Rest wird verschenkt… (Seite 2)

 

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2 Kommentare auf "Jobmotor kaputt"

  1. Lickneeson sagt:

    Ein weiteres Puzzleteilchen im globalen Gelddruckzirkus.Die völlige Entkoppelung der Aktienmärkte von der realen Nachfrage, Produktion und den Arbeitsmärkten wird in einem Desaster enden.

    Wenn die Arbeitslosenzahlen auch hier und in anderen „gesunden“ Staaten wegen mangelnder Nachfrage demnächst stark ansteigen, wird es wie auf hoher See erst ganz still um dann sehr schnell in einen Sturm überzugehen.Die Nachfrage nach Konsumgütern etc. wird wegbrechen wie in besten Weltwirtschaftskrisen.Gepaart mit globaler Totalverschuldung ergibt sich ein Horrorszenario ohne Handlungsspielraum.

    Man sollte sich schon mal ein paar alte Filme aus den 1930-ern zurechtlegen um sich in Stimmung zu bringen.

    PS:Würde mich interessieren ob in „Down Under“ die Immatrikulationszahlen nun sprunghaft ansteigen.Viele Studis sind ja in den Bergbau gewechselt.Bei den „Arztgehältern“ kein Wunder.

    MfG

  2. MARKT sagt:

    Die aktuellen Zahlen aus „Down Under“ scheinen die Befürchtungen zu bestätigen. Da fordern die Goldmänner doch umgehend zwei weitere Zinssenkungen noch in diesem Jahr.

    Immerhin haben die Australier noch die Möglichkeit zur Zinssenkung im Gegensatz zu vielen anderen. Helfen dürfte es ihnen trotzdem nur zeitlich begrenzt.

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