Job? Gerne, aber welchen?

16. April 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Bankhaus Rott) In jedem Jahrgang stellt sich irgendwann die Frage des Berufsweges. Nicht nur in den Staaten war in den vergangenen Jahrzehnten bei Schul- und Universitätsabgängern unter anderem der Finanzsektor sehr beliebt. Hierzulande galt die Banklehre in vielen Kreisen interessanterweise gar als als etwas „Solides“. Vielfach wird auch das am meisten geschätzt, was am meisten einbringt. Aber die Zeiten ändern sich, auch ein Job im Kohlenschacht oder im Schiffbau sorgte einst für gut gefüllte Lohntüten.

In den USA ist der Anwaltsberuf nicht nur im TV beliebt. Der Anteil der Anwälte pro Einwohner hat in den USA in den letzten Dekaden ein bemerkenswertes Ausmaß erreicht. Die Anzahl der Anwälte pro Kopf hat in den USA in den vergangenen vierzig Jahren stetig zugenommen. Noch im Jahr 1970 kamen auf einen Anwalt 627 Einwohner, im Jahr 2010 waren es nur noch 257. Eine Zahl zum Vergleich, die Arztdichte ist wesentlich geringer, einem praktizierenden Mediziner stehen – zum Glück nicht zeitgleich – 417 Bürger gegenüber. Es ist schwer vorstellbar, dass eine Mehrzahl dieser Rechtsvertreter auf lange Sicht ein gutes finanzielles Auskommen haben wird. 

Soll in der Zukunft jeder Bürger seinen persönlichen Rechtsberater bekommen? Dazu gibt es dann möglicherweise noch persönliche Adjutanten für Amtsgänge, Familienprobleme und sonstiges. So ist jeder dann Berater und wird gleichzeitig selbst beraten, ein vielversprechendes Modell, wenn sich nur ein Dummer findet, der es finanziert. Der Trend zu mehr Gesetzen und wachsender Regulierung ist kein amerikanisches Problem. Auch in Deutschland besteht so manche „Vereinfachung“ aus ein paar Seiten zusätzlicher Regelungen. Schön, wenn es immer mehr Arbeit gibt. Dumm nur, dass diese bezahlt werden muss. Eine Schwemme an Rechtsanwälten wird sich zwangsläufig auf deren Einkommen auswirken. „Liebling Kreuzberg“ ist Fiktion, aber der hatte unseres Wissens auch ein Erbe im Rücken

In der Realwelt steigen die Kosten für eine akademische Ausbildung nicht nur in den USA. Auch hierzulande lassen sich die Bildungsträger die ausgeteilten Scheinchen vom Zertifizierten Sonstwasberater bis zum Master im Aufbaustudium ordentlich vergüten. Wieviel derartige Zusatztitel am Ende bringen, steht freilich auf einem anderen Blatt.

Auch wenn eine einmalige Jobwahl nicht endgültig sein muss, hat sie doch in vielen Fällen einen prägenden Einfluss auf das weitere Berufsleben. An weisen Ratschlägen herrscht natürlich kein Mangel. Die Palette reicht von James Rogers Tipp, Farmer zu werden, bis hin zu altbekannten Allgemeinplätzen á la „Junge, mach doch watt mit Compjuta“. Sie kennen das vermutlich.

Welchen Bereich halten Sie in der Zukunft unter beruflichen Aspekten für vielversprechend?

[poll id=“58″]

Anmerkung: Die Liste erhebt wie immer keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sollten Sie einen wichtigen Bereich vermissen (z.B. Eremit, Söldner, Erbsenzähler o.ä.) nutzen Sie bitte die Kommentarfunktion.

Die bereits abgeschlossenen Umfragen beim Bankhaus Rott & Meyer können Sie im Archiv einsehen.


Print Friendly, PDF & Email

 

Schlagworte: , , ,

Schreibe einen Kommentar